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Jubiläum
Vor zehn Jahren begann die Skype-Revolutiuon

Gespräch über Skype: Seit zehn jahren möglich. (Bild: Keystone)

Revolutionen lassen sich immer erst im Rückblick erkennen. Wäre es anders, hätten die Telefonkonzerne 2003 sicher Alarm geschlagen. Damals brachte die noch unbekannte Firma Skype ihr Angebot heraus.

Veröffentlicht am 28.08.2013

Es war nicht leicht, die aus Schweden und Dänemark stammenden Firmengründer Niklas Zennström und Janus Friis ernst zu nehmen. Zu verwegen klang ihr Plan, dass Menschen künftig über das Internet telefonieren sollen. Zehn Jahre später machen rund 300 Millionen Menschen genau das: Sie telefonieren mit Skype gratis rund um die Welt. Zwei Milliarden Telefonminuten kommen so jeden Tag zusammen. Am 29. August 2003 wurde ihr Angebot erstmals vorgestellt.

Die Telefonkonzerne hätten durch das Beispiel der Plattenindustrie gewarnt sein können: Zennström und Friis hatten mit Kazaa - einer Online-Tauschbörse für Musikdateien - schon einmal dazu beigetragen, einer etablierten Branche die Geschäftsgrundlage zu entziehen. Skype und Kazaa funktionieren beide nach dem Peer-to-Peer-Prinzip: Informationen werden in Datenpakete zerstückelt und wandern zwischen den Computern der Nutzer hin und her.

Junge weltreisende Akademiker als grösste Nutzergruppe

Das Markenzeichen von Skype ist ein weisses S auf babyblauem Grund. Zum Start des Angebots zeigten sich die ersten Medienberichte zunächst skeptisch. Tester empfahlen Skype-Nutzern den noch nicht sehr verbreiteten Breitbandanschluss DSL. Doch obwohl die Übertragungsqualität vorerst zu wünschen übrig liess und die Videotelefonie erst im Januar 2006 eingeführt wurde, traf Skype den Nerv der Zeit.

«Insbesondere die Zielgruppe der jungen, die Welt bereisenden Akademiker ging den klassischen Telefonanbietern an Skype verloren», sagt Torsten Gerpott, Forscher für Telekommunikationswirtschaft an der Mercator School of Management in Duisburg. Fernbeziehungen, Businessgespräche und sogar Unterricht finden plötzlich übers Internet statt.

Skype als App für das iPhone

Und weil Skype auch günstige Anrufe ins klassische Telefonnetz anbietet, müssen die Telefon- und Internetanbieter reagieren. «Skype hat deutlich dazu beigetragen, dass die Preise zum Wohl der Nutzer gefallen sind», sagt Branchenanalyst Rüdiger Spies. Auch die Verbreitung von Internet-Flatrates führt Spies unter anderem auf Skype zurück.

Mit der Skype-App für das iPhone zündete Skype 2009 die zweite Stufe seiner Revolution und eroberte die boomenden Smartphones. Anfangs versuchten die Mobilfunkkonzerne noch, die Voice-over-IP-Telefonie zu blockieren, ihre Bemühungen blieben jedoch vergeblich.

2011 übernimmt Microsoft das Ruder

Ob Skype selbst profitabel sein kann, zweifeln Analysten seit jeher an. Zennströms und Friis' Plan sah vor, an zusätzlichen Service-Angeboten wie Videokonferenzen und Festnetzanrufen zu verdienen. Noch bevor sie den Funktionsbeweis antraten, verkauften die beiden im Jahr 2005 ihr Baby für mehr als drei Milliarden Dollar an Ebay.

Im Frühjahr 2011 landete das Unternehmen schliesslich beim US-Softwaregiganten Microsoft - für 8,5 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Unternehmens trug die Tochter im vergangenen Jahr wesentlich zum Gewinn von Microsofts Unterhaltungssparte bei.

Prism als Belastung

Zurück auf das Jahr 2011 geht auch der Beginn der mutmasslichen Zusammenarbeit von Skype mit dem US-Geheimdienst NSA. Gemäss Unterlagen, die durch den Whistleblower Edward Snowden publik wurden, ist Skype noch vor der Übernahme durch Microsoft an das Überwachungsprogramm Prism der USA angeschlossen worden.

 

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