Für Micha Zeller, den technischen Leiter des Credit Suisse Economic Research, haben Einkaufsmanager eine besondere Bedeutung: «Sie stehen am Anfang des Produktionsprozesses. Entsprechend spüren sie Nachfrageschwankungen direkt und bevor diese in den Produktions- oder Umsatzzahlen sichtbar werden.» Was sie derzeit spüren, ist alles andere als beruhigend: Der SVME Purchasing Managers Index PMI – ein Gemeinschaftswerk des Schweizerischen Verbandes für Materialwirtschaft und Einkauf (SVME) und der Credit Suisse – zeigt nach unten.

Aktuell liegt der über drei Monate geglättete PMI bei 49,1 Zählern. Doch Zeller beruhigt: «Dies lässt auf eine ruhigere Gangart der Schweizer Konjunktur in den kommenden Monaten schliessen.» Das BIP-Wachstum dürfte jedoch auch in naher Zukunft positiv bleiben, ist doch erst bei einem Wert unter 47,1 mit einem BIP-Rückgang zu rechnen. Ähnlich sieht es SVME-Geschäftsführer Rolf Jaus: «Der aktuell schwächere Indexrückgang im Oktober lässt auf eine gewisse Stabilisierung hoffen.» Die für viele unerwartet rasch eingetretene Finanzkrise wirkt sich gemäss Jaus auf verschiedenste Faktoren in der Beschaffung aus: Die Verkaufszahlen gehen zurück, die Produktion und die Lagerbestände müssen der kurzfristigen Entwicklung angepasst werden.

Der Einbruch der Konjunktur trifft die meisten Branchen. «Bereits stark betroffen ist in der Schweiz die Zulieferindustrie der Automobilhersteller, die mit einem Umsatz von rund 16 Mrd Fr. für unser Land gleich bedeutend ist wie die Uhrenindustrie», so der SVME-Direktor. Die Negativmeldungen und Wirtschaftsnachrichten der letzten Monate hätten in den Unternehmen und damit natürlich in der Beschaffung zu grosser Unsicherheit und vorsichtiger Planung geführt.

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Anderseits habe sich der Preisdruck generell – im Speziellen auf Rohstoffe – entspannt. Jaus: «Die Preisfrage war in der Hochkonjunktur vielerorts eher weniger im Vordergrund als die Lieferfähigkeit.» Zur Frage, ob der Tiefpunkt in der Schweizer Industriekonjunktur damit erreicht sein könnte, will sich Jaus nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: «Ich würde diese Frage gern mit Ja beantworten. Allerdings enden aktuelle Diskussionen mit Beschaffungsverantwortlichen mit der Aussage, dass die Talfahrt weitergehe und damit zu rechnen sei, dass einige Firmen einschneidende Korrekturen vornehmen müssen.» Rohstoffexperten weisen darauf hin, dass die langfristige Rohstoff-Hausse ihr Ende nicht erreicht hat und die Unternehmen noch einige Jahre beschäftigen dürfte.