Eine grössere Akquisition zum heutigen Zeitpunkt ist fast wie eine Wette auf die Konjunkturentwicklung», so die Worte von Fred Kindle, Ex-CEO von ABB am Ende des Jahres 2007. Schon fast exemplarisch zeigt die Aussage, mit welcher Vorsicht die im Swiss Market Index (SMI) enthaltenen Gesellschaften Akquisitionen, gerade in Zeiten mit schlechten wirtschaftlichen Aussichten, tätigen.

Eine Analyse von The Corporate Finance Group vergleicht die Entwicklung von Cashflow-Rendite (operativer Cashflow dividiert durch das Eigenkapital) und Akquisitionsvolumen von den 14 Industrieunternehmen des SMI in den Jahren 2000 bis 2007. Es zeigt sich, dass dieser Trend zu einem vorsichtigen Akquisitionsgebahren nicht erst seit der Suprime-Krise in 2007 besteht, sondern bereits in vorherigen Jahren zu erkennen ist.

Reaktionen nach einer Blase

Betrachtet man die Entwicklung der Akquisitionsvolumina von den untersuchten SMI-Gesellschaften, dann fällt der starke Rückgang von 2001 bis 2003 auf. Obwohl sich die Unternehmen in dieser Zeit in guter wirtschaftlicher Verfassung präsentierten und steigende Cashflow- und Gewinnrenditen erwirtschafteten, gingen ihre Investitionen für den Kauf von Unternehmen um über 80% zurück. Der Rückgang wurde daher kaum von der wirtschaftlich schlechten Lage der Firmen verursacht, sondern vielmehr vom vorsichtigen Verhalten bei Unternehmenstransaktionen in einem pessimistischen Wirtschaftsumfeld nach dem Crash der Technologiemärkte und Platzen zahlreicher Dot.com-Träume.

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Ab 2004 löste sich die pessimistische Stimmung in der Wirtschaft langsam auf, positive Wirtschaftssignale verdichteten sich, und als Folge stiegen die Akquisitionsvolumina erst langsam, später sprungartig auf ein ähnlich hohes Niveau wie in den Boomjahren 1997 bis 2000.

Der Trend des sich in den letzten Jahren verstärkenden Zusammenhangs von Entwicklung der Cashflow-Rendite und Investitionen für Unternehmenstransaktionen zeigt, dass die Unternehmen ihre Aktivität im M&A-Markt an die positiven Zukunftserwartungen angepasst haben und einige Argumente sprechen dafür, dass die Aktivitäten der untersuchten Gesellschaften noch eine gewisse Zeit auf einem hohen Niveau bleiben werden. Wie die aktuellen Statistiken 2008 bestätigen, bleibt das Transaktionsvolumen in der Schweiz vorerst auf einem hohen Niveau und zeigt sich, zumindest bisher, wenig beeindruckt von den schlechten Nachrichten aus dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld.

Wir beobachten einen nach wie vor lebhaften M&A-Markt, wobei gerade die Finanzkrise viele Unternehmen zur Konsolidierung zwingt. Auf dem Transaktionsmarkt sind die Preise vieler attraktiver Unternehmen gesunken, zum einen aufgrund der skeptischen Zukunftsaussichten, zum anderen wegen des Rückgangs der Private-Equity-Aktivitäten, was zur Folge hat, dass viele Unternehmen ein verbessertes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen und plötzlich als Übernahmekandidaten gelten.

Chancen für solide Firmen

Gerade die Unternehmen, die in den Wachstumsjahren 2004 bis 2007 solide gewirtschaftet haben und über eine hohe Nettoliquidität verfügen und somit weniger auf die Gunst von Kreditgebern angewiesen sind, finden derzeit viele attraktive Gelegenheiten, um extern zu wachsen.

Es sind deshalb weitere strategische Unternehmenskäufe zu erwarten. So darf es nicht verwundern, wenn in der nächsten Zeit, besonders die SMI-Gesellschaften mit einer hohen Cashflow-Rendite, wie Swisscom, Nobel Biocare, Adecco oder Holcim, ihre Aktivität auf dem M&A-Markt erhöhen, und es zu einigen interessanten Transaktionen kommt.