«Sich und den Freund verliert das Darlehen oft.» Diese Weisheit aus Shakespeares Hamlet hat sich der Bundesrat zu Eigen gemacht, als er vor Kurzem ankündigte, den Steuerabzug für Schuldzinsen generell abschaffen zu wollen. Als indirekter Gegenvorschlag zur Initiative des Hauseigentümerverbandes «Sicheres Wohnen im Alter» wird er nun dem Parlament eine Botschaft vorlegen, welche zudem die Abschaffung der Abzüge für Unterhaltskosten und des Eigenmietwertes vorsieht.

Schulden haben auch Vorteile

Für manche Beobachter zieht der Bundesrat direkt die Lehre aus der Finanzkrise. Diese habe gezeigt, wie riskant Verschuldung sein kann, wird in diesem Zusammenhang jeweils angefügt. Was dabei oft vergessen geht: Den Risiken einer Verschuldung stehen auch erhebliche Vorteile gegenüber. Dank Hypothekarkrediten haben die Haushalte die Möglichkeit, ihren Konsum über den Lebenzyklus hinweg zu glätten. Kaum jemand fände es vorteilhaft, wenn sich Menschen erst mit 65 den Kauf eines Eigenheimes leisten zu können.

Hohe Verschuldung

In diesem Zusammenhang wird oft vor der angeblich stattlichen Verschuldung der Schweizer Eigentümer gewarnt. Ende 2009 lasteten auf den Schweizer Eigenheimbesitzern Hypotheken von insgesamt 546 Mrd Fr., das entsprach 102% des Bruttoinlandprodukts. Damit weist unser Land einen weltweiten Spitzenwert auf, der nur von Island (120%) übertroffen wird.

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Doch der Vergleich hinkt. In der Schweiz ist das Verhältnis von Immobilienpreisen beziehungsweise von Hypothekarschulden zu den Mieten und zum BIP seit Jahrzehnten höher als anderswo. Anders gesagt: Die Bruttorendite von Immobilien - der Kehrwert des Immobilienpreis/Miete-Verhältnisses - war in der Schweiz schon immer tief. Dies ist vor allem auf das tiefe Zinsniveau und auf die tiefe Inflationsrate zurückzuführen.

Entscheidend für die Bestimmung des Hypothekarrisikos ist nicht das Ausmass der Verschuldung, sondern die Höhe der Belehnung - also das Verhältnis der Hypothekarschuld zum Wert der verpfändeten Liegenschaft.

Gute Statistiken zur Hypothekarverschuldung der Schweizer Eigentümer sind Mangelware. Zahlen der Schweizerischen Nationalbank suggerieren, dass die durchschnittliche Belehnung im Eigenheimbereich bloss 44% beträgt, Tendenz fallend. Schätzungen über die Höhe der Ausfallrate, also des Anteils der Schuldner, die ihren Zinszahlungen nicht nachkommen können, bewegen sich im unteren Promillebereich.

Angesichts dieser Zahlen erstaunt es eher, dass die Banken in der Schweiz nicht aggressivere, sprich höher belehnte Eigenheimhypotheken anbieten. Diese Praxis ist in anderen Immobilienmärkten, die bisher die Finanzkrise ebenfalls ohne grösseren Schaden gemeistert haben, gang und gäbe. So weisen 16% der Hypotheken der holländischen Rabobank, einer der wenigen Banken der Welt, die das Triple-A-Rating bisher behalten konnte, eine Belehnung von über 100% aus. Dennoch betrugen letztes Jahr die ausgewiesenen Kreditverluste der Rabobank in dieser Sparte bloss 3‰ der Ausleihungen - so tief wie in der Schweiz.

Vorsichtige Banken

Niemand schlägt ernsthaft vor, die Schweizer Banken sollten das holländische Modell nachahmen. Doch zum guten Risikomanagement gehört auch die faire Einschätzung der Risiken. Wer dies tut, wird die vorsichtige Risikopolitik der Schweizer Hypothekenbanken in den letzten 15 Jahren anerkennen müssen.