Den Spezialisten für Mergers & Acquisitions (M&A) ist im 1. Quartal dieses Jahres der Atem kurzerhand stehen geblieben. Würde die Krise erneut zuschlagen und den M&A-Markt massiv treffen? Denn die Zahl der Transaktionen hatte sich gegenüber dem Vorjahresquartal, das bereits von der Krise verseucht war, nochmals verschlechtert: Von 116 auf 105.Die Monate April, Mai und Juni 2010 brachten dann die grosse Entwarnung. Die Zahl der Deals schoss wieder in die Höhe und verbesserte sich gegenüber dem 2. Quartal 2009 um satte 26%: Im 2. Quartal 2010 gab es 135 Transaktionen; im Vorjahr waren es 107, wie aus den von The Corporate Finance Group (TCFG) exklusiv für die «Handelszeitung» zusammengestellten Listen mit angekündigten, hängigen und abgeschlossenen Übernahmen und Fusionen mit Schweizer Beteiligung hervorgeht.

In den ersten sechs Monaten 2010 gab es auch wieder ein paar aufsehenerregende Milliardenübernahmen. Der Pharmakonzern Novartis schickte sich an, die Augenheilkunde-Firma Alcon für 40,6 Mrd Fr. vollständig zu schlucken, und Nestlé übernahm für 3,8 Mrd Dollar das nordamerikanische Tiefkühl-Pizza-Geschäft von Kraft Foods. Ebenfalls Milliarden für Übernahmen aufgeworfen haben Glencore, Nobel Corporation, ABB und Aryzta.

So spektakulär und hoffnungsvoll diese Transaktionen auch sind, so vorsichtig gibt man sich in der Branche. Die Talsohle sei zwar durchschritten, die Krise vorerst überstanden. Doch ist man sich bezüglich der Nachhaltigkeit des Aufschwungs und des Ausblicks nicht so sicher. Marc Möckli, Partner von TCFG, sagt: «Nach einer derart starken und heftigen Krise werden die Unsicherheiten nicht von heute auf morgen verschwinden. Wir erwarten deshalb weiterhin ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld, wobei die meisten Firmen mit gestärkten Bilanzen und deutlich verbesserten Ergebnissen eigentlich fit für M&A-Transaktionen wären.»

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Auch Konstantin von Radowitz, Partner bei Deloitte, rät zur Vorsicht: «Glaubt man dem Trend der M&A-Aktivitäten der ersten Monate dieses Jahres, so sind die Aussichten einer bedeutenden Erholung des Schweizer M&A-Marktes in den kommenden drei bis sechs Monaten eher getrübt.»

Optimistischer eingestellt sind Rudolf Ebnöther und Werner Kuhn von der UBS: «Für eine künftig höhere M&A-Aktivität spricht die Tatsache, dass sich die Bewertungen der Firmen nach dem Tiefpunkt im 1. Quartal 2002 erholt haben, was potenzielle Verkäufer ermuntern dürfte.» Für die Grossbank UBS deuten viele Zeichen in eine Richtung: Aufwärts.