Der tiefe BVG-Mindestzinssatz von 2% und die Unsicherheit über die finanzielle Verfassung der Vorsorgeeinrichtungen führen vermehrt zu Vorbezügen der Pensionskassengelder. «Wenn die Kassen zur Wiederherstellung der Kapitaldecke die Verzinsung noch weiter senken, dann werden sich manche überlegen, ob sie stattdessen nicht lieber in ein Eigenheim investieren», sagt Werner Hertzog, Direktor der Pensionskasse des Bundes, Publica.

Auch Hans Peter Konrad, Direktor des Pensionskassenverbandes Asip, erklärt: «Es kann sein, dass Versicherte aufgrund der tieferen BVG-Verzinsung unzufrieden sind und daher die Gelder lieber für einen Eigenheimkauf nutzen.» Experten rechnen damit, dass dieser Trend stark zunehmen wird, sobald die zahlreichen Pensionskassen mit einer Unterdeckung ihre Sanierungsmassnahmen einleiten werden.

Neben der tiefen Verzinsung der Vorsorgegelder führen auch Ängste über den finanziellen Zustand der Pensionskassen zum Vorbezug der Gelder. «In Einzelfällen wird der Bezug der PK-Gelder mit der finanziellen Verfassung der Pensionskasse begründet», bestätigt die Zürcher Kantonalbank.

Der Hauseigentümerverband HEV befürchtet allerdings, dass Pensionskassen, die sich in einem kritischen Zustand befinden, kein Geld mehr für die Eigenheimfinanzierung auszahlen. «Damit haben wir Mühe, denn das eingebrachte Geld gehört dem Einzahler und nicht der Kasse», sagt HEV-Direktor Ansgar Gmür. Asip-Chef Konrad dagegen beruhigt: «Eine Auszahlung kann nur verhindert werden, wenn der Vorbezug der Rückzahlung einer Hypothek dient und dies im Reglement vorgesehen ist.»

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