Noch vor einem halben Jahr wurde das Szenario einer Rezession in den USA oder Europa als unwahrscheinlich abgetan. Mittlerweile ist die Angst vor einem Wachstumsknick beinahe so stark wie die Sorgen um die Banken.

Die gedämpften Erwartungen schlagen sich auch in teilweise massiven Revisionen der Prognosen für das Wachstum nieder. So haben die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) ihre Schätzungen für das Wachstum der Weltwirtschaft für 2009 von 3,9% (Juni) auf nunmehr 3% zurückgenommen. Die US-Wirtschaft soll gerade noch 0,1% und die Eurozone 0,2% wachsen. Für die neuen Industrienationen Asiens sind die Schätzungen von 4,3 auf 3,2% reduziert worden. Die Schweizer Wirtschaft soll 2009 nur noch mit 0,7% wachsen.

Vorwegnahme an Börsen

Wenig optimistisch für die Konjunktur in Europa und in der Schweiz ist auch Sandro Rosa, Investment Strategist bei Clariden Leu: «In Europa lässt sich eine sogenannte technische Rezession – das heisst zwei aufeinander folgende Quartale negativen Wachstums – kaum noch abwenden.» Allerdings sieht er die Schweiz relativ zu Europa in einer besseren Position: «Positiv zu Buche schlägt, dass wir in der Schweiz keine Immobilienblase haben.»

Anzeige

Das Interessante an der «Entdeckung» der Rezession ist, dass sie eigentlich weniger überraschend eingetreten ist, als es den Anschein hat. So ist der vorauseilende Indikator der OECD für die Schweiz seit Oktober 2006 im Sinkflug. Der entsprechende Indikator für den OECD-Raum ist seit April 2007 im Fall. Somit stellt sich die Frage, ob es nicht so sein könnte, dass die Ursache der Finanzkrise eben auch in den zusehends sich abzeichnenden Schwächen der Realwirtschaft liegt.

Interessant ist, dass einige wichtige Aktien und Rohstoffindizes in dieser Periode ihre Spitzenwerte erreicht haben. Dazu Rosa: «Die wichtigsten Aktienindizes haben im Schnitt 40 bis 50% von ihren Höchstständen eingebüsst und nehmen tatsächlich schon eine Rezession vorweg.»

Verschleppte Prozesse

Dabei ist eine Rezession für Investoren nicht nur schlecht: Sie stellt die natürliche Kapitalstruktur der Wirtschaft wieder her. Je flexibler Arbeits- und Kapitalmärkte sind, desto zügiger geht das voran. Je mehr aber Staaten und Notenbanken massiv eingreifen, sei es durch neue Regulierungen, künstliche Verbilligung des Geldes, Stützung maroder Unternehmen oder Konjunkturprogramme, desto mehr wird der Gesundungsprozess in der Regel verschleppt. Bisher deuten die Anzeichen in Richtung Interventionismus auf allen Ebenen. Somit besteht ein grosses Risiko, dass ein verlorenes Jahrzehnt ins Haus steht. Für die Aktienmärkte würde das heissen, dass sie vom Peak her gesehen bei interventionistischem Regime gut und gern 90% verlieren können.