Saab – die nordeuropäische Tochtergesellschaft des finanziell schwer angeschlagenen US-Konzerns General Motors (GM) – versucht, weiterhin eigene Wege zu gehen. Dies ist allerdings angesichts der Situation der Muttergesellschaft nicht einfach. «Ungeachtet dessen», so erklärt Managing Director Ake Jonsson während einer Präsentation auf dem Testgelände im schwedischen Trollhättan, «wird Saab sein Entwicklungsprogramm weiterführen und nächstes Jahr mit einigen interessanten Neuheiten auch für den Schweizer Markt aufwarten.» Zuerst erweitern die Schweden ihr Angebot an Allradfahrzeugen (XWD). Als Ergänzung zum 280 PS starken 2,8-V6-Turbo kann der XWD-Antrieb jetzt auch mit einem 2,0-l-Vierzylinder-Turbomotor bestellt werden.

Saab macht damit einen Schritt Richtung Downsizing, was die Motoren betrifft. Auf diese Weise lassen sich ein geringerer Verbrauch und niedrigere Abgaswerte erzielen. Der Vollaluminium-Motor erreicht eine Leistung von 210 PS. Das Aggregat ist für die 9-3 Sport Limousine und den 9-3 Sport Combi vorgesehen und in allen Ausstattungsversionen (Linear, Vector, Aero) zusammen mit dem Allradantrieb lieferbar.

Allradantrieb lange kein Thema

Saab hat sich lange Zeit, ebenso wie Volvo, gegen den 4x4-Antrieb gewehrt. Man stellte sich auf den Standpunkt, elektronische Hilfsmittel wie Schlupfregelung oder Stabilitätssysteme würden vollauf genügen, zudem mache der Allradantrieb die Fahrzeuge nur unnötig schwer, was wiederum den Treibstoffverbrauch erhöhe. Diese Argumente hat man inzwischen fallen gelassen, weil erstens mit vier angetriebenen Rädern die Fahrsicherheit in Extremsituationen deutlich besser ist und zweitens in Sachen Treibstoffverbrauch und Gewichtsmaximierung deutliche Fortschritte erzielt werden konnten. Ausserdem – das lässt sich nicht wegdiskutieren – ist der Allradantrieb ein Marketingargument.

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Neben der Erweiterung des Allradangebots plant Saab für 2009 drei neue Modelle. In Detroit wird im Januar 2009 ein kompakter Crossover, der 9-3X auf Basis des 9-3, gezeigt. Weit fortgeschritten ist zudem eine Neuauflage der Limousine 9-5; etwas später im Jahr soll das SUV 9-4X folgen. Diese Modelle sind ebenfalls für den europäischen und damit auch den Schweizer Markt vorgesehen.

Zudem ist – sofern GM hierzu grünes Licht gibt – geplant, ab 2009 möglichst alle Modelle für den Betrieb mit dem Biotreibstoff E85 auszurüsten, was die Abgasemissionen, speziell CO2, weiter senken hilft. In der Zeit zwischen 2010 und 2012 ist zudem die Serienfertigung von Bio-Hybridfahrzeugen vorgesehen, was in Sachen Abgaswerte nochmals eine zusätzliche Verbesserung bringt.

Neben den Neuheiten für das Modelljahr 2009 plant Saab weit darüber hinaus. Auf dem Automobil-Salon in Paris Anfang Oktober dieses Jahres war die durchaus seriennahe Studie eines attraktiven Cabriolets (9-X Air) als Weltpremiere zu sehen. «Ob diese Studie jemals als Serienfahrzeug in Produktion geht, steht noch nicht fest, es würde aber unserer Marke zusätzliche Attraktivität verleihen, was für ihr Fortbestehen von entscheidender Bedeutung sein könnte», ist Managing-Director Ake Jonsson überzeugt. Der für die Studie verantwortliche Designer Boris Jacob erklärt in diesem Zusammenhang, dass Karosserieelemente des 9-X Air auf jeden Fall an kommenden Modellen zu sehen sein werden.

Sich nicht unterkriegen lassen

Eine Serienfertigung des Cabriolets hängt weitgehend davon ab, ob die in Schwierigkeiten steckende Muttergesellschaft GM die nötigen finanziellen Mittel aufbringen kann. Ake Jonsson erklärt dazu: «Wir werden, unabhängig von der Entwicklung bei General Motors, an unseren Projekten, die unsere Zukunft sichern sollen, weiterarbeiten. Das schliesst auch den 9-X Air mit ein.»