Günstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und höhere Gewinnausweise haben die Verwaltungsratshonorare bei den grössten Schweizer Firmen erneut in die Höhe getrieben. Mit der Kurserholung am Aktienmarkt vor vier Jahren haben sich im ähnlichen Rhythmus auch die Vergütungen im Aufsichtsgremium nach oben angepasst. Die variable Entlöhnung ist allerdings nur in seltenen Fällen zu beobachten. Lediglich jedes zehnte Unternehmen vergütet einen Teil des Honorars in Aktien, während die Aktienoptionen bei weniger als 5% zu finden sind. Die Barzahlung dominiert.

Die Belastung nimmt zu

Klar erkenntlich ist eine Professionalisierung des Verwaltungsrates. Die einzelnen Ausschussmitglieder bewältigen ein intensiviertes Sitzungsprogramm. Mit dieser zeitlichen Mehrbelastung steigt auch der finanzielle Aufwand. Gemäss der «Handelszeitung»-Umfrage bei den kotierten Gesellschaften und übrigen Grossfirmen in der Schweiz hat sich das durchschnittliche Salär eines Verwaltungsrates im Vorjahresvergleich um 5% auf 88000 Fr. erhöht.
Am besten sind die VR-Mitglieder bei Banken, der Pharmaindustrie und in einzelnen Beteiligungsfirmen bezahlt. Spitzenreiter ist die Credit Suisse, die sich von Rang drei vorgearbeitet hat. Auf Platz zwei befindet sich unverändert BB Medtech, mit einem Vergütungsmodell, das sich stark am Aktienkurs orientiert. Die UBS hat sich von Position vier auf drei verbessert, während die Investmentfirma Pargesa einen Sprung von Rang neun auf vier macht. Novartis findet man weiterhin an fünfter Stelle, gefolgt von Adecco und Nestlé, die erstmals unter den Top Ten auftaucht.
Die Firmengrösse ist bei den Verwaltungsratshonoraren nicht das alles entscheidende Kriterium. Zwar befinden sich Börsenschwergewichte wie ABB oder Holcim in der vordersten Ranglistenhälfte, die Zurich Financial Services taucht jedoch erst auf Rang 50 auf. Dafür platziert sich mit der Ems-Chemie ein mittelgrosses Unternehmen innerhalb der Top Ten. Bei den Energiefirmen liegen die VR-Honorare vergleichsweise tief. Selbst Branchenleader Aare-Tessin vergütet nur knapp 100000 Fr., danach folgen BKW, EGL, Rätia Energie, Axpo, EOS, CKW, AEW Energie, NOK und EKZ auf einer absteigenden Salärskala bis 16000 Fr. In der Öffentlichkeit werden die staatsnahen Betriebe aufmerksam beobachtet. Das musste die nationale Radio- und Fernsehanstalt SRG (Durchschnittsgehalt 40000 Fr.) erfahren, die eine kürzlich angekündigte Erhöhung des VR-Honorars vorerst sistiert hat.
Bei den Genossenschaften fallen die Gehaltsabweichungen unter den Grossverteilern auf. Coop entschädigt mit 133000 Fr.; die Migros lediglich mit 77000 Fr. Am Schluss der Rangliste gibt es vorab Beteiligungsfirmen, die ihre VR-Mitglieder leer ausgehen lassen.

Bargeld und Aktien

Bei den Vergütungsmodellen kommt der Aktie eine ständig geringere Bedeutung zu. Einzig Bucher Industries entschädigt ausschliesslich mit Risikopapieren. Daneben gibt es eine grössere Zahl von Unternehmen, bei denen die Verwaltungsräte zwischen einer Barvergütung oder dem Aktienbezug frei wählen können.
Die zeitliche Belastung ist vor allem in den VR-Ausschüssen gestiegen: Acht und mehr Sitzungen sind in diesen Gremien die Regel. Der Gesamtverwaltungsrat tagt bei knapp 90% der Unternehmen zwischen vier und acht Mal.

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