Der Aufsichtsrat berief VW-Markenchef Herbert Diess am Donnerstag an die Spitze des weltgrössten Autokonzerns. Sein Vorgänger Matthias Müller scheide im gegenseitigen Einvernehmen mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender aus, teilte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch nach einer Sitzung des Kontrollgremiums mit.

Müller hatte das Steuer vor zweieinhalb Jahren von Martin Winterkorn übernommen, der wegen der Dieselaffäre zurückgetreten musste.

Die zwölf Fahrzeugmarken werden in drei Markengruppen gebündelt. Insgesamt wird der Konzern in sechs Geschäftsfelder und die Region China gegliedert. Dadurch soll Volkswagen übersichtlicher und besser steuerbar werden.

Mit dem grössten Umbau in der 80-jährigen Firmengeschichte geht ein Stühlerücken im Vorstand einher. Neben Einkaufschef Francisco Garcia Sanz, der auf eigenen Wunsch aus dem Konzern ausscheidet, nimmt Personalvorstand Karlheinz Blessing seinen Hut. Für ihn rückt der bisherige Generalsekretär und Vertraute von Betriebsratschef Bernd Osterloh, Gunnar Kilian, in den Vorstand ein.

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Aufsichtsratschef Pötsch danke Müller. Dieser habe das Steuer im Herbst 2015 übernommen, als der Konzern durch den Abgasbetrug vor der grössten Herausforderung seiner Geschichte stand.

Vier Gruppen

Die zwölf Fahrzeugmarken werden in eine Volumengruppe mit VW an der Spitze, eine «Premium»-Gruppe mit Audi sowie eine «Superpremium»-Gruppe mit Porsche gegliedert.

Zudem existiert bereits die Gruppe «Truck&Bus», in der Volkswagen sein Nutzfahrzeuggeschäft gebündelt hat, das zu einem späteren Zeitpunkt an die Börse gebracht werden soll.

Weitere Details nannte Volkswagen nicht und verwies auf eine für Freitag in Wolfsburg geplante Medienkonferenz. Dort wolle Diess seinen Pläne näher erläutern.

Viel Macht für Diess

Der neue VW-Boss bekommt mit der Leitung der Volumengruppe mehr direkten Einfluss auf das operative Geschäft als Müller ihn hatte. Die Machtfülle des früheren BMW-Managers bei Volkswagen ist vergleichbar mit der von Winterkorn, der neben seiner Aufgabe als Konzernchef auch die umsatzstärkste Marke VW leitete.

Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder, der einst ebenfalls von BMW kam, hatte bei Volkswagen bereits so genannte Markenwelten entwickelt, die aber nie umgesetzt wurden.

Der schon mehrmals als Abschusskandidat im Dieselskandal gehandelte Audi-Chef Rupert Stadler ist vom grossen Stühlerücken nicht betroffen. Er leitet die künftige Premium-Gruppe, wie VW mitteilte.

Porsche-Chef Oliver Blume wird ordentliches Mitglied im Konzernvorstand und Chef der «Super Premium»-Gruppe. Sie umfasst Insidern zufolge neben dem Sportwagenbauer Porsche auch die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini.

Grösste Gewinnbringer getrennt

Die beiden grössten Gewinnbringer - Audi und Porsche - in einer Gruppe zusammenzufassen wäre schwierig geworden, weil keine der beiden selbstbewussten Marken der anderen die Führung überlassen hätte, sagte eine mit den Plänen vertraute Person.

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Die für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden übernehmen zusätzliche Führungsaufgaben im Konzern. Dadurch soll Konzernchef Diess entlastet werden.

(sda/mlo/mbü)