Der Skandal um manipulierte Abgaswerte zwingt den VW -Konzern zum grössten Rückruf in der Firmengeschichte. In den 28 Ländern der Europäischen Union holt Volkswagen rund 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge in die Werkstätten, wie der Konzern am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Rund 2,4 Millionen davon entfallen auf die VW-Heimat Deutschland, berichteten die Wolfsburger. Diese Zahl hatte auch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) zuvor am Donnerstag genannt.

Bisher war von weltweit insgesamt rund elf Millionen betroffenen Dieseln die Rede gewesen, in denen die fragliche Software steckt. Unklar blieb dabei aber anfangs, ob das Manipulierungsprogramm auf allen Märkten arbeitet und ob Vorschriften dabei verletzt werden. Ungewiss war zudem, ob überall ein Rückruf die Folge sein muss. Das KBA wertet die VW-Software als «unzulässige Abschalteinrichtung». Das sehen die Behörden in den USA ähnlich, wo der Skandal begonnen hatte.

Schweiz wartet mit einem Rückruf

In der Schweiz wird mit einem Rückruf derzeit noch abgewartet. Die VW-Importeurin Amag hofft, dass ihre Zusicherung auf einen freiwilligen Rückruf ausreicht. Die Amag sei aber vorbereitet und diesbezüglich in enger Abstimmung mit dem Bundesamt für Strassen (Astra). «Wir haben dem Astra zugesichert, dass wir die Rückrufaktion übernehmen und diese daher nicht von Amtes wegen angeordnet werden muss», teilte die Amag am Donnerstag mit.

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Sobald die Amag die notwendigen Halteradressen vom Astra vorliegen habe, werde die Importeurin die betroffenen Kunden entsprechend informieren. Das Astra ihrerseits wartet ab und beobachtet die Situation, wie ein Sprecher am Donnerstag auf Anfrage sagte. Das Astra werde später entscheiden, welche Massnahmen ergriffen werden sollen.

Büros in Italien durchsucht

Kaum ist der Rückruf öffentlich, kommt die nächste Skandalmeldung: Die italienische Finanzpolizei hat mehrere Büros von VW in Italien durchsucht. Betroffen seien Räumlichkeiten am Hauptsitz in Verona und bei der Tochter Lamborghini in Bologna, bestätigte ein Sprecher der Finanzpolizei in Verona am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft Verona habe die Durchsuchungen angeordnet. Sie ermittelt demnach im Abgas-Skandal gegen einige Manager des Konzerns in Italien wegen des Verdachts auf Handelsbetrug.

In Italien sind knapp 650'000 Autos von dem Skandal um gefälschte Abgaswerte bei Volkswagen betroffen. Die Staatsanwaltschaft in Turin hatte bereits in der letzten Septemberwoche Ermittlungen aufgenommen. Auch die italienische Kartellbehörde beschäftigt sich mit dem Fall.

(sda/awp/me/ise)