Die mit Spannung erwartete öffentliche Konfrontation des im VW-Machtkampf unterlegenen Firmenpatriarchen Ferdinand Piëch mit seinen Widersachern steht nach wie vor aus. Nach seinem Rücktritt als Aufsichtsratschef von Volkswagen im vergangenen Monat nahm Piëch am Mittwoch nicht an der Hauptversammlung des VW-Grossaktionärs Porsche SE in Stuttgart teil.

Auch der Aufsichtsratssitzung der Holding, die von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird, blieb der 78-Jährige einem Sprecher zufolge ohne Begründung fern. Piechs Cousin Wolfgang Porsche, der dessen Attacke auf VW-Chef Martin Winterkorn mit abgewehrt hatte, ging davon aus, dass Piëch Porsche-SE- und damit VW-Aktionär bleibt, ganz sicher war er aber nicht. Auf die Frage, ob das Bekenntnis der Porsche SE zur Verantwortung für VW auch Piëch einschliesse, sagte er vorsichtig: «Wahrscheinlich ja.»

Mit Verkauf der Aktien gedroht

Die Führungsspitze der Porsche SE und des Volkswagen-Konzerns ist personell identisch, sodass die Hauptversammlung der SE einem Familientreffen gleicht. VW-Chef Winterkorn und VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sind zugleich im Holding-Vorstand. VW-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche ist Aufsichtsratschef der Porsche SE, Piech im Kontrollgremium der SE.

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Piëch ist mit gut 13 Prozent an der Porsche SE beteiligt und verfügt damit über gut drei Prozent der VW-Stammaktien, denn die Porsche SE hält 51 Prozent der VW-Stammaktien. Er hatte Insidern zufolge im Streit über Winterkorn mit einem Verkauf seiner Anteile gedroht. Die Porsche SE werde auch in Zukunft ihre Verantwortung als Grossaktionär für den Volkswagen-Konzern wahrnehmen, sagte Wolfgang Porsche am Ende des Rundgangs durch die Ausstellung der neuesten Porsche-Modelle, die er zuvor gemeinsam mit Winterkorn begutachtet hatte.

Für Ruhe sorgen

Der VW-Chef reagierte gereizt auf Fragen nach Piëch, der versucht hatte, ihn zu demontieren. Das hatten im VW-Aufsichtsrat aber die Arbeitnehmer, das mit gut 20 Prozent an VW beteiligte Land Niedersachsen und die Porsches verhindert. Die Zusammenarbeit mit Piëch in der SE werde so weitergehen wie bisher, erklärte Winterkorn. «Wir haben über 30 Jahre erfolgreich zusammengearbeitet.» Dieses Jahr werde sowohl für die Porsche SE als auch für den VW-Konzern erfolgreich. «Wir werden dafür sorgen, dass Ruhe einkehrt.»

Unter den Porsche-Aktionären hielt sich die Aufregung in Grenzen, es herrschte Bedauern über das Fehlen von Piëch, der als Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche VW erst als Vorstandschef dann als Oberaufseher zum Weltkonzern aufgebaut hatte. Der Berliner Anwalt Martin Weinmann von der Verbraucherzentrale für Kapitalanleger, der die Porsche SE wegen der gescheiterten VW-Übernahme 2008 mit Klagen überzieht, würdigte Piëch. Er argwöhnte, dieser sei über eine Intrige zu seinem Vorgehen gegen Winterkorn provoziert worden. «Ein unruhiger Geist wie Ferdinand Piech ist unerlässlich, wenn ein grosser Konzern zusammengehalten und wetterfest gemacht wird.»

(reuters/dbe/me)