Volkswagen (Aktie VW) hat sich überraschend die Mehrheit an dem Lastwagenhersteller MAN gesichert. Der Wolfsburger Autokonzern hält nun 55,9 Prozent der MAN-Stammaktien. Bereits im Mai hatte VW seine Anteile an MAN auf über 30 Prozent erhöht und musste ein Pflichtangebot abgeben. Die Frist für die Annahme des Angebots war am vergangenen Mittwoch abgelaufen.

Der Kurs der MAN-Aktie war in den Tagen zuvor deutlich unter den Angebotspreis gesunken. Händler könnten die Papiere günstig gekauft und dann zum Angebotspreis von 95 Euro VW angedient haben, hiess es am Freitag aus Finanzkreisen.

Volkswagen wollte zunächst mindestens 35 bis 40 Prozent der Anteile an MAN bekommen, um kartellrechtliche Hürden für eine enge Kooperation mit der schwedischen Tochter Scania aus dem Weg zu räumen.

Mit der Übernahme bezweckt Volkswagen beide Laswagenbauer unter dem Dach von VW zu einer Allianz zusammen zu bringen. Die Geschichte des deutschen Fahrzeug und Maschinenherstellers MAN reichen bis ins Jahr 1758 zurück. Während des Zweiten Weltkriegs stellte das Unternehmen 40 Prozent der Panther-Kampfpanzer für Deutschland her.

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MAN wehrte sich anfangs erbittert

Europas grösster Autobauer will die Zusammenarbeit von MAN mit seiner schwedischen Tochter Scania forcieren, an der VW knapp 71 Prozent der Stimmrechte halten. Kooperationen bei Einkauf, Entwicklung und Produktion sollen MAN und Scania Kostenvorteile von 200 Millionen Euro im Jahr bringen.

«Wir gehen nach derzeitigem Stand davon aus, dass die notwendigen fusionsrechtlichen Freigaben in der zweiten Jahreshälfte vorliegen werden», sagte ein Sprecher. Die EU-Kommission hatte vergangene Woche erst den Versuch von Volkswagen ausgebremst, bereits vor der Genehmigung durch die Wettbewerbshüter die Kontrolle im MAN-Aufsichtsrat zu übernehmen.

MAN, die sich Anfangs erbittert gegen eine Einflussnahme aus Wolfsburg gewehrt hatte, verliert damit nach über 250 Jahren seine Unabhängigkeit. Dennoch sehen die Münchener auch Vorteile in einer Zugehörigkeit zur VW-Familie.

«Die sich daraus ergebenen Chancen werden wir aktiv nutzen», sagte ein Sprecher. «Die Zusammenarbeit mit Volkswagen und Scania geht nun in eine neue, offensive Phase.»

Die Kontrolle über MAN muss sich VW von den Behörden weltweit in etwa 20 Ländern genehmigen lassen. In einigen Staaten wurde der Antrag bereits gestellt. Experten gehen davon aus, dass die Kartellbehörden VW dabei keine Steine in den Weg legen werden.

(sda/awp/kgh/laf)