Die Billigfluggesellschaft Easyjet verzeichnete in der Schweiz im Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September) erneut einen Anstieg der Passagierzahlen. Allerdings verlangsamte sich das Wachstum im Vergleich zur Vorjahresperiode. Insgesamt beförderte Easyjet 14,5 Millionen Passagiere von der Schweiz und in die Schweiz. Im Geschäftsjahr 2016/17 waren es 13,5 Millionen gewesen.

Der Schweizer Markt bleibt mit einem Passagierwachstum von 7,4 Prozent somit leicht unter den 10,2 Prozent, die im vergangenen Geschäftsjahr für die gesamte Gruppe verzeichnet wurden. «Insgesamt sind wir mit diesen Zahlen sehr zufrieden», sagte Thomas Haagensen, Executive Director von Easyjet Europe. «Die Ergebnisse des Unternehmens in der Schweiz entsprechen der Strategie der Gruppe, an unseren Stützpunkten die Nummer eins oder Nummer zwei zu sein», fügte er hinzu.

Er unterstrich damit die führende Position von Easyjet an den beiden Schweizer Drehkreuzen in Genf und Basel, wo auf Easyjet 45 respektive 60 Prozent der Flugbewegungen entfallen.

Mehr Flugzeuge in Basel stationiert

Nach Regionen betrachtet stieg die Zahl der Passagiere, die nach Genf reisten, um 4 Prozent auf 8,3 Millionen. Der Verkehr nach Basel nahm um 5 Prozent auf 5,1 Millionen Passagiere zu. Das Wachstum in Basel ist auf eine Kapazitätserweiterung durch zwei weitere Flugzeuge zurückzuführen, womit Easyjet nun 11 Maschinen in der Stadt am Rheinknie hat. In Genf-Cointrin sind 14 Maschinen stationiert.

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Schliesslich hat auch die Zahl der Easyjet-Gäste ab Zürich deutlich zugenommen (+300'000 Personen). Sie liegt damit nun bei knapp einer Million.

Die beliebteste Destinationen aus der Schweiz ist erneut die britische Hauptstadt London. Der zweite Platz geht an Paris, das bei Passagieren aus Genf hoch im Kurs steht, gefolgt von Barcelona. Die spanische Stadt wird vor allem von Passagieren aus Basel-Mülhausen gerne als Ziel ausgewählt.

Höhere Nachfrage nach Berlin

«In Basel sehen wir durch die Wiederaufnahme des Betriebs am Flughafen Tegel ausserdem eine erneute Nachfrage nach Berlin», ergänzte Haagensen und erinnerte daran, dass fast ein Viertel der Kunden des EuroAirports aus Süddeutschland stammen. Dies erkläre somit auch den Erfolg von Destinationen wie Hamburg oder Dresden.

Genf befindet sich in einer ähnlichen Situation, da fast ein Drittel der Kunden dort aus dem benachbarten Frankreich stammen. Dies habe das Unternehmen ermutigt, sein Angebot nach Frankreich auszuweiten, worunter beispielsweise die Ende Oktober eröffnete Strecke von Genf nach Rennes fällt.

In Bezug auf den EU-Austritt Grossbritanniens, wo die Muttergesellschaft ihren Sitz hat, zeigt sich Haagensen gelassen: «Wir sind sehr gut auf alle Szenarien vorbereitet.» Easyjet habe 118 Flugzeuge zu seiner Europa-Filiale verlegt. Bis zum 29. März 2019, dem Brexit-Tag, dürften es insgesamt 140 Maschinen werden. Auf die Buchungen hätten die Unsicherheiten wegen dem Brexit keinen Einfluss gehabt, sagte Haagensen und stiess damit ins selbe Horn wie Easyjet-Konzernchef Johan Lundgren.

Streit mit den Gewerkschaften

Die Kapazitäten von Grossbritannien in die EU machten gut ein Drittel der Gesamtkapazität des Konzerns aus, jene in die Schweiz weniger als 4 Prozent. Rund ein Viertel der Easyjet-Flüge von der Schweiz gehe nach Grossbritannien.

In Bezug auf den Konflikt mit dem fliegenden Personal, das von der Gewerkschaft VPOD/SSP vertreten wird, sagte Haagensen, die Luftverkehrsbranche habe im Sommer in den meisten europäischen Ländern eine schwierige Zeit erlebt. Die Arbeitsbedingungen seien aber gut. Alle Angestellten hierzulande hätten einen Schweizer Arbeitsvertrag und der Rotationsplan sehe jeden Abend eine Rückkehr zur Heimbasis vor.

Die Gewerkschaft wirft Easyjet eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und eine sture Haltung vor. Der Flugplan werde immer enger und der Druck auf das Personal nehme zu. Zudem reichten die Löhne für ein Leben in der Schweiz nicht aus.

(awp/ise/mlo)