«SAP ist eine Wachstumsfirma, wir glauben an eine innovative Zukunft und nicht an eine Verteidigung der Vergangenheit, wir machen das on Premise, oder über das Internet – ganz wie die Kunden wünschen» sagte Bill McDermott, Co-Chef von SAP, an der Ergebniskonferenz seines Unternehmens in Frankfurt. Besonders im dritten und im vierten Quartal gab es viele neue Aufträge, insbesonders auch von Grosskunden. Alles kumulierte sich im wichtigen vierten Quartal – und das war das beste, was SAP jemals vorgelegt hatte. «Gerade in EMEA sind wir viel grösser als unser grösster Konkurrent» sagte McDermott weiter, «wir sind die Nummer eins bei Business Analytics». Gerade das «Inmemory Computing» bei dem auf Datenbanken teilweise verzichtet werden kann und alle Operationen und Datenbestände in den Prozessoren der Rechner vorgenommen werden, erwies sich laut McDermott als «Kategorien-Killer». Zu den Grosskunden, die jetzt neu gewonnen werden konnten, zählt auch Novartis. Hinzu kamen grosse US-Konzerne wie Tyco oder Halliburton und Thai Airways in Thailand.

«Wir wachsen überall, in allen Ländern und allen Märkten» präzisierte SAP-Finanzchef Werner Brandt. Europa stieg um 20%, Asien wuchs um 38%, in Amerika kam man auf ein Plus von 41% und in den BRIC-Staaten gleich auf ein Wachstum von 70%, wobei sich die Rohstoffirmen in Brasilien und Russland als besonders starke Wachstumstreiber erwiesen.



Mehrere Gründe für den Erfolg



SAP konnte den produktebezogenen Umsatz um 13% steigern, anvisiert waren 9 bis 11%. Unter dem Strich blieben 12,464 Mrd. Euro Umsatz. Überdurchschnittlich stark wuchs der Software-Lizenzumsatz, zurück blieben dagegen die Consulting-Erlöse. Die operative Marge, ein von Analysten und Investoren besonders scharf beobachteter Kennwert, kam mit 30,5% genau in die Mitte der versprochenen Spanne zu liegen. Deutlich niedriger als erwartet fiel die Tax-Rate aus – sie liegt jetzt bei 22,3%, das Unternehmen hatte um 28% erwartet. Negativ ins Gewicht fielen die 933 Mio. Euro für die Busse, die nach der Niederlage vor Gericht gegen Oracle zurück gestellt worden war. Diese blähten jetzt die operativen Ausgaben im vierten Quartal 2010 auf 3,5 Mrd. Euro auf – im Jahr zuvor waren es noch knapp 2,2 Mrd. Euro gewesen.

Ungleich besser sieht es aus, wenn dieser Einmalfaktor heraus gerechnet wird. «Wir haben eine Netto-Schulden-Position aufgrund der Akquisitionen, aber das wird sich bis Mitte Jahr wenden» führte Brandt weiter aus, «wir konnten zudem die Schulden zu sehr günstigen Konditionen refinanzieren.»

Jim Hagemann Snabe, der andere Co-Chef, führte den Erfolg auch auf das umgestellte Management-Team zurück. «Wir haben Entscheidungen als Gesamtfirma gefällt und uns vorgenommen, Verantwortung in der Welt zu zeigen» sagte er. SAP habe zudem seit 2007 die CO2-Emissionen um 24% gesenkt. Einiges können auch die Kunden machen, denn laut Snabe sind die 109000 Kunden in mehr als 120 Ländern für ein Sechstel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Lösungen für mobilen Softwareeinsatz sollen helfen, den Energieverbrauch zu senken.



Solider Ausblick



Der Ausblick basiert laut Brandt auf einer Veränderung der IFRS-Bedingungen. Hinzu kommt, dass Konkurrenten oft nicht-IFRS-Werte präsentieren, die dann schwer zu vergleichen sind. Für das laufende Jahr strebt man ein Umsatzplus von 10 bis 14% an und einen operativen nicht-IFRS-Gewinn zwischen 4,45 und 4,65 Mrd. Mrd. Euro an. «Wir möchten im zweistelligen Prozentbereich wachsen, organisch, und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen» gab sich McDermott zuversichtlich. Laut Snabemann wachse man besonders in den Bereichen Banken, Retail und Healthcare. Ebenfalls stark wachsend ist Business Analytics, wo man «die Konkurrenz deutlich distanziert hatte», wie McDermott sagte. Hinzu kommen viele Kunden für die neue On-Demand-Lösung «Business by Design». Laut Snabe möchte man an der diesjährigen User-Konferenz Sapphire «mehrere hundert Kunden» davon überzeugen, nachdem man schon 250 Kunden hat. Bis Jahresende sollen es 1000 Kunden sein. Ebenfalls spätestens dann sollen neue Lösungen für mobile Anwendungen vorgestellt werden. Bereits jetzt kann das SAP-Management seine Firmenzahlen auf einem Tablet-Computer laufend mitverfolgen. «Mexiko läuft gerade sehr gut, ebenso Brasilien» sagte Snabe lachend, «und wir sehen auch gleich, wie gut die Verkaufspipeline ist.» Man werde so auch flexibler, weil man gerade sehe, was passiert – und das verspricht SAP auch seinen Kunden.

Und auch Inmemory-Computing soll weiter boomen. Der Vorzug liegt hier laut Snabe darin, dass Datenanalysen in Echtzeit vorgenommen werden können und Firmenkunden so viel rascher auf Veränderungen in den verschiedenen Märkten reagieren können.

Eine gewisse Unsicehrheit geht noch vom Streit mit Oracle aus. «Wir wissen nicht, wann die nächste Instanz entscheiden wird» sagte Snabemann.

Und die Unabhängigkeit, nachdem es in letzter Zeit immer wieder Gerüchte «über ein Interesse einer US-Firma mit einem ehemaligen SAP-Mann an der Spitze» gegeben hatte? Gemeint ist HP und ihr Chef Apotheker. «Wir werden auf absehbare Zeit unabhängig bleiben» sagte McDermott abschliessend, «und der beste Schutz ist Erfolg am Markt. Wir wissen nichts von entsprechenden Absichten.»
 

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