Ein Drittel ihres Geschäftes in der beruflichen Vorsorge (BVG) wickeln Sie über die Kooperation mit Swisscanto ab. Dabei kümmert sich Swisscanto um das Anlagerisiko, während Helvetia die Risiken Tod und Invalidität trägt. Planen Sie nun noch mehr BVG-Geschäfte mit Swisscanto zu schreiben?

Stefan Loacker: Es ist für uns wichtig, dass wir im BVG-Geschäft breit abgestützt sind. Neben der Swisscanto-Kooperation betreibt Helvetia noch die klassische Vollversicherung und die Stiftung BVG-Invest. Auch im Licht der Diskussion um den Umwandlungssatz hilft es, wenn man sich als Versicherung auf ein diversifiziertes Angebot stützen kann. Es ist aber klar, dass wir zukünftig die Teilgeschäfte forcieren müssen, deren Risiken nicht alle in die Helvetia-Bilanz fallen.

Bei der Kooperation trägt Swiss-canto das Anlagerisiko. Damit müssen Sie weniger Eigenkapital stellen. Erzielen Sie dadurch eine höhere Rendite im BVG-Geschäft als Ihre Konkurrenz?

Loacker: Es sind wohl keine spektakulären Unterschiede festzustellen. Dennoch hilft uns das diversifizierte Angebot sicherlich, das BVG-Geschäft zu stabilisieren. Am Ende soll vor allem der Kunde sein optimales Produkt wählen können.

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Generali hat sich vor Jahren von Kollektivverträgen verabschiedet und konzentriert sich seither ausschliesslich auf fondsgebundene Einzellebenversicherungen. Kaufen Sie nun die «run-offs»?

Loacker: Zum damaligen Zeitpunkt haben wir uns den Kauf dieser «run-offs» überlegt, haben aber dann davon abgesehen. Wir haben uns jedoch in diesem Zusammenhang als Schweizer Netzwerkpartner des weltweiten «Generali Employee Benefits Program» beworben. Wir übernehmen in diesem Netzwerk die Betreuung von Schweizer Tochtergesellschaften globaler Konzerne im BVG-Geschäft. Diese Kooperation hat sich bewährt und entwickelt sich erfolgreich. Damit erreichen wir auch grössere Firmen, welche wir aufgrund unserer KMU-Orientierung sonst nur schwer ansprechen würden.

In 2009 konnten Sie das Geschäftsvolumen um rund 20% steigern. Werden Sie diese Geschwindigkeit 2010 beibehalten können?

Loacker: Diese 20% sind sicherlich aussergewöhnlich in einem rezessiven Umfeld und in einem starken Verdrängungsmarkt, wie wir ihn 2009 erlebt haben. Ein Grossteil haben wir den Akquisitionen zu verdanken. Ein solches Wachstum 2010 zu wiederholen, wäre sicher überambitioniert und wird von uns auch nicht angestrebt.

Dank den soliden Zahlen sind Sie dennoch gut gerüstet. Der Zeitpunkt für die Bereinigung von Versicherungssparten soll nun günstig sein. Warum finden nicht mehr «Swaps» statt?

Loacker: Es gibt leider keinen Supermarket für Übernahmeobjekte. Die Zahl der möglichen Objekte ist naturgemäss relativ klein. Dennoch gibt es immer wieder Bewegung in diesem Markt. Wir sind überzeugt, dass sich auch mittelfristig immer wieder Chancen ergeben werden und wir unsere Position als Konsolidierer dadurch stärken können.

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Einige Versicherer wollen nun mit Akquisitionen zuwarten, bis über mögliche neue Regulierungen auch in Bezug auf Eigenmittelvorschriften Klarheit geschaffen wird. Ist dies auch für Helvetia ein Hindernis?

Loacker: Nein, aufgrund unserer starken Bilanzposition haben wir jederzeit einen gewissen Spielraum. Diesen wollen wir aber nicht für Grossinvestitionen einsetzen, sondern für intelligente Ergänzungsakquisitionen, die wir gut verdauen können.

Dank der Bankenkrise verzeichnet Bâloise und Swiss Life regelrecht einen Hype bei den strukturierter Versicherung (Wrappers), die beispielsweise über Luxemburg und Liechtenstein vertrieben werden. Können Sie es sich leisten, an diesem Markt nicht zu partizipieren?

Loacker: Selbstverständlich können wir uns dies erlauben (lacht). Die Konzentration auf solche High Net Worth Individuals (HNWI) würde kaum zu unserer strategischen Ausrichtung passen. Hinzu kommt, dass dafür längerfristig wohl ein globales Geschäftsmodell aufgebaut werden müsste - also auch Standorte in Singapur etc. Das entspricht der Helvetia nicht.

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