Während die Versicherungstitel letzte Woche mehrheitlich im Minusbereich tendierten, setzte die Bâloise-Aktie zum Höhenflug an. Über 10% Steigerung sind das Resultat. Treibende Kraft war insbesondere das Gerücht, wonach die französische Axa an Bâloise Gefallen gefunden habe. Entsprechend wurde darüber spekuliert, ob es möglicherweise zu einem Zukauf komme. Bâloise gilt seit Jahren als Übernahmekandidat.

2006 hatte Axa die «Winterthur» übernommen. Dass die Franzosen schon ein zweites Mal zugreifen, erscheint unwahrscheinlich. Eine Heirat zwischen Winterthur und Bâloise würde zwar Kosten verringern, es gibt aber Doppelspurigkeiten, die beseitigt werden müssten. Hinzu kommt, dass die Axa in der Schweiz bereits einen Marktanteil von rund 26% im Lebenbereich und von 15% im Nichtlebenbereich besitzt. Damit platziert sie sich im Lebengeschäft bereits auf Platz 2 und in der Nichtlebensparte gar auf Platz 1.

Nur mit Akquisitionen

«Wenn jemand an einer Übernahme von Bâloise Interesse hätte, dann wäre es wohl die Allianz», so René Locher, Analyst bei Sal. Oppenheim. Dies widerspiegelt sich in einer Aussage von Manfred Knof, CEO der Allianz Schweiz. Dieser hatte Mitte Jahr gegenüber der «Handelszeitung» gesagt, dass er mit seinem Unternehmen zur Nummer drei im Schweizer Versicherungsmarkt heranwachsen wolle. «Aufgrund der Sättigung des Schweizer Versicherungsmarktes lässt sich dies nur über Akquisitionen erreichen», sagt Locher. Derzeit befindet sich die Allianz im Lebenbereich auf Rang 6 und in der Nichtlebensparte auf Rang 4. Aber auch das solide rentierende Deutschlandgeschäft von Bâloise könnte für Allianz von grossem Interesse sein.

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Allerdings sagte Bâloise-Präsident und CEO Rolf Schäuble kürzlich in einem Interview mit der «Handelszeitung», dass sein Unternehmen sehr gut alleine zurecht komme. « Bâloise ist und war zu keiner Zeit ein Übernahmekandidat», so Schäuble. Die Statuten legen eine Stimmrechtsbeschränkung von 2% fest, was eine mögliche Übernahme erschwert. Einig ist man sich aber im Hause Bâloise, dass man über Akquisitionen in den bestehenden Märkten wachsen will – so die derzeitige Firmenstrategie. Möglichkeiten bieten sich unter anderem im deutschen Versicherungsmarkt. Via «Deutscher Ring» ist der Schweizer Versicherer an der unabhängigen Finanzholding OVB beteiligt und hält mit 50,1% die Mehrheit. Mit von der Partie ist bei der OVB ebenfalls die Genossenschaft «Signal Iduna» (SI). Die SI gehört mit jährlichen Prämieneinnahmen von rund 4,5 Mrd Euro zu den grösseren Versicherern in Deutschland. Für eine mögliche Kooperation zwischen Bâloise und SI spricht einerseits der Fakt, dass die beiden Unternehmen einander bereits aus dem OVB-Engagement kennen. Anderseits bieten die beiden Firmenmodelle gute Voraussetzungen für die Nutzung von Synergien: Während Bâloise sowohl im Leben- als auch Nichtlebenbereich tätig ist, konzentriert sich SI vor allem auf das Leben- und Krankenversicherungs-Geschäft. «Zusätzlich zum höheren Deckungsbeitrag für beide Unternehmen könnte Signal Iduna bei einem Zusammenschluss die künftig erwarteten höheren Eigenkapitalanforderungen leichter erfüllen», sagt Sal.-Oppenheim-Analyst René Locher. Gestützt auf diese Argumente, dürfte wohl auch die Anfang Jahr gescheiterte Akquisition der deutschen Gothaer als weitere Zukaufoption noch nicht vom Tisch sein. Bei einem Zusammenschluss – sei es mit SI oder Gothaer – würde das fusionierte Unternehmen unter die Top Ten im deutschen Versicherungsmarkt aufsteigen. Als Knacknuss würde sich neben dem Preis womöglich auch die Finanzierung durch Bâloise erweisen.

Kapitalbeschaffung möglich

Das Beispiel der OVB-Beteiligung legt die Vermutung nahe, dass der Schweizer Versicherer eine Holdingstruktur mit Mehrheitsbeteiligung in Erwägung ziehen würde. Im Vergleich zu SI (4,5 Mrd Euro) und Gothaer (3,9 Mrd Euro) sind aber die Prämieneinnahmen der Bâloise im deutschen Markt mit 1,5 Mrd Euro deutlich niedriger. Entsprechend müsste der Schweizer Versicherer bei einer Übernahme die Zukäufe zusätzlich finanziell entschädigen.

Die Beschaffung von Kapital für allfällige Zukäufe würde Bâloise keine schlaflosen Nächte bereiten. «Auch wenn die Kreditmärkte derzeit brachliegen, besitzen wir Möglichkeiten, um Mittel zu beschaffen», erklärt German Egloff, CFO Bâloise, und nennt dabei solche, die von Innenfinanzierung bis zur Kapitalerhöhung reichen. Egloff: «Wichtig ist aber, dass wir – sollten wir eine Übernahme planen – erst das Jahresende 2008 mit den entsprechenden Ergebnispublikationen abwarten. Sonst kauft man derzeit die Katze im Sack.»