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Währungseffekte bescheren Swiss harte Landung

Swiss-Mitarbeiter: Harziger Jahresauftakt für die Swiss. Keystone

Der Ertrag der Swiss ist im ersten Quartal zurückgegangen. Bei leicht geringerer Auslastung haben Währungseffekte belastet. Jetzt will die Swiss Syngergien mit Mutterkonzern Lufthansa eruieren.

Veröffentlicht am 03.05.2016

Die Fluggesellschaft Swiss hat an der Frankenstärke und einem Nachfragerückgang in der Schweiz zu beissen. Der Betriebsgewinn sank im ersten Quartal 2015 verglichen mit dem Vorjahresquartal um über die Hälfte auf 22 Millionen Franken. Konzernmutter Lufthansa flog 53 Millionen Euro Verlust ein.

Bei Swiss war neben dem Betriebsgewinn auch der Betriebsertrag rückläufig. Der Umsatzrückgang betrug 7 Prozent auf 1,07 Milliarden Franken, wie die Airline am Dienstag mitteilte. Das Passagieraufkommen sank zwischen Januar und März wie bereits seit April bekannt um 1 Prozent.

Auswirkungen der Frankenstärke abfedern

Die Auswirkungen der Frankenstärke konnte die Swiss teilweise durch Währungsabsicherungen abfedern. Weiter auf den Umsatz drückte eine Nachfrageschwäche auf dem Hauptmarkt Schweiz. Beim operativen Gewinn (Ebit) schlug sich das in einem Rückgang von 56 Prozent nieder.

Swiss-Chef Thomas Klühr lässt sich im Communiqué zitieren, die Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar 2015 habe sich negativ auf das Buchungsverhalten ausgewirkt. Swiss werde sich nun mit dem Mutterkonzern Lufthansa noch besser abstimmen und Synergiepotenziale erschliessen.

Modernisierung der Flotte

Im Ausblick sieht sich die Swiss gut aufgestellt. Die Modernisierung der Flotte komme voran. Insgesamt sechs Boeing 777-300 ER würden bis Ende Jahr eingeführt. Zudem nehme Swiss Mitte Juli als weltweit erste Fluggesellschaft die neuen Bombardier CS100 in Betrieb. Der starke Franken und die daraus entstehenden Wettbewerbsnachteile dürften die Erträge allerdings weiter belasten. Darum rechnet die Airline für das Gesamtjahr mit einem Betriebsgewinn leicht unter dem Vorjahresstand.

Während die Swiss das nachfrageschwache erste Quartal mit einem geschmälerten Gewinn abschliesst, konnte ihr Mutterkonzern den Verlust deutlich eindämmen. Der saisonübliche Betriebsverlust (bereinigtes Ebit) habe in den ersten drei Monaten 53 Millionen Euro betragen nach einem Fehlbetrag von 167 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, teilte die grösste deutsche Airline am Dienstag mit.

Weitere Faktoren, die dem Ergebnis halfen, waren die niedrigeren Ausgaben für Treibstoff und niedrigere Kosten. «Das ist eine Trendwende«, sagte Finanzchefin Simone Menne.

Reiseschwacher Jahresauftakt üblich

In den ersten drei Monaten flogen 22,3 Millionen Menschen mit der Lufthansa und ihren Töchtern wie Swiss oder Austrian Airlines – ein Plus von 3,6 Prozent. Gleichzeitig steigerte die Lufthansa ihre Kapazitäten um 6,6 Prozent.

Ruhe hat die Lufthansa derzeit vor ihren streikfreudigen Gewerkschaften. Mit der Flugbegleiter-Organisation Ufo, die dem Konzern im November den grössten Ausstand in seiner Geschichte lieferte, wird seit Monaten im Rahmen einer Schlichtung verhandelt. Auch die Piloten haben ihre Serie von Arbeitsniederlegungen wegen eines Gerichtsurteils ausgesetzt. Airlines fahren im reiseschwachen Jahresauftakt meist rote Zahlen ein – Geld wird in der Regel erst in der Hochsaison im Sommer verdient.

Anpassung bei Wachstumsplänen

Dagegen hält die Lufthansa der Preiskampf im Passagier- und Frachtgeschäft in Atem. Im ersten Quartal konnte die Gesellschaft ihren saisontypischen Verlust im laufenden Geschäft zwar deutlich eindämmen, wie die Swiss-Konzernmutter am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Doch das lag vor allem an gesunkenen Treibstoffkosten. Die Einnahmen gingen zurück. Die Lufthansa-Führung um Vorstandschef Carsten Spohr kappt nun ihre Wachstumspläne und will das Flugangebot 2016 nicht so stark ausweiten wie angekündigt.

An ihrem Gewinnziel macht Finanzchefin Simone Menne aber keine Abstriche. So soll der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) in diesem Jahr den Vorjahreswert von 1,8 Milliarden Euro wie geplant leicht übertreffen. Mögliche Streikfolgen sind hier aber herausgerechnet.

Analystenerwartungen übertroffen

Im ersten Quartal bekam die Lufthansa die Preisschlacht bereits zu spüren. Obwohl die Zahl der Fluggäste um 3,6 Prozent auf 22,3 Millionen stieg, sank der Umsatz konzernweit um 0,8 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Dennoch schrumpfte der bereinigte Ebit-Verlust um gut zwei Drittel auf 53 Millionen Euro. Das verdankte die Lufthansa merklichen Einsparungen im Betrieb und dem billigen Kerosin. Zudem hatten Pilotenstreiks und Abschreibungen auf die venezolanische Währung Bolivar den Konzern Anfang 2015 mit rund 100 Millionen Euro belastet.

Unter dem Strich stand diesmal ein Verlust von 8 Millionen Euro. Anfang 2015 hatte der Verkauf der Beteiligung an der US-Fluglinie Jetblue noch zu einem Quartalsgewinn von 425 Millionen Euro geführt. Bei den Ergebniszahlen schnitt der Konzern nun besser ab als von Analysten erwartet. Fluggesellschaften schreiben in den reiseschwachen Monaten Januar bis März meist rote Zahlen.

Frachtumsatz sank um über einen Fünftel

Besonders übel traf es diesmal aber die Frachttochter Lufthansa Cargo. Dort brach der Umsatz um 22 Prozent ein, beim bereinigten Ebit sackte sie mit 19 Millionen Euro in die Verlustzone. «Der Effekt bei der Fracht ist überhaupt nicht schön», sagte Menne und kündigte «strukturelle» Massnahmen an. Das Unternehmen hat bereits ein Sparprogramm eingeleitet, die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sollten nach bisherigen Aussagen jedoch erst im zweiten Halbjahr feststehen.

Auch die Wartungstochter Lufthansa Technik und die Bordverpfleger LSG Sky Chefs mussten zum Jahresstart Ergebniseinbussen hinnehmen.

(awp/sda/me/jfr)

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