Der französische Sozialist Dominique Strauss-Kahn führt eine energische Kampagne um die Topposition beim Internationalen Währungsfonds (IWF), obwohl er keinen Mitbewerber hat und ihm der Posten so gut wie sicher ist. Nach einem kurzen Besuch vergangene Woche bei US-Finanzminister Henry Paulson, der ihn als «starken Kandidaten» bezeichnete, machte sich Strauss-Kahn auf eine vom französischen Staat finanzierte Welttour. Strauss-Kahn will damit auch der Verbitterung darüber, dass traditionellerweise nur ein Europäer als Chef des IWF infrage kommt, entgegentreten.

Stabilität gewährleisten

Das Anliegen von Sozialist Strauss-Kahn: Obwohl die Wechselkurse zwischen den meisten Ländern frei seien, Privatkapital mit Leichtigkeit Grenzen überschreite und nur wenige Staaten IWF-Darlehen nachfragten, bleibe die Bestimmung des IWF dieselbe wie bei seiner Gründung 1945: «Die finanzielle Stabilität in der Welt zu sichern und zu helfen, dass möglichst viele Menschen von der Globalisierung profitieren», so Strauss-Kahn.
Viele in Frankreichs politischen Kreisen hatten den 58-jährigen Strauss-Kahn schon abgeschrieben. Bei der letzten Präsidentschaftswahl wollten die Wähler nicht viel mit den Sozialisten zu tun haben – und die Sozialisten nichts mehr mit Strauss-Kahn. Dann kam der unerwartete Rücktritt von IWF-Chef Rodrigo de Rato. Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident, schlug Strauss-Kahn für diesen Job vor, und Nicolas Sarkozy unterstützte diese Idee und überzeugte den Rest Europas.

Kredite mit Auflagen

Strauss-Kahns Führungsqualitäten werden beim IWF auf die Probe gestellt. Der Fonds, der von 185 Ländern getragen wird, berät Regierungen wirtschaftlich und vergibt Darlehen – unter strikten Auflagen, falls die Wirtschaftspolitik einer Regierung fehlschlägt. Aktuell wird über den Auftrag
des IWF diskutiert, den Einfluss von neuen Wirtschaftsmächten wie China, Indien und Brasilien
zu erhöhen und wie der Fonds
sich selbst finanzieren kann angesichts des Fehlens von Kreditnehmern.
Viele lateinamerikanische und asiatische Regierungen werfen dem Fonds vor, sie dazu gezwungen zu haben, eine Politik zu verfolgen, die in den 90er Jahren die finanziellen Probleme noch verschlimmert habe. Seit dieser Zeit haben asiatische Länder riesige Rücklagen gebildet, um sich vom IWF unabhängig zu machen.

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Leistung soll entscheiden

Dass die IWF-Führungsposition traditionellerweise an einen Europäer geht, bezeichnet Brasiliens Finanzminister Guido Mantega als «überholt». Strauss-Kahn sagt dazu: «Ich teile die Ansicht derer, die darüber nachdenken, den nächsten IWF-Chef aufgrund seiner Leistungen und nicht aufgrund seiner Nationalität auszuwählen.» Strauss-Kahn ist überzeugt, den Posten wegen seiner Leistungen verdient zu haben.