Mit ihrem jüngsten Zinsschritt von 2,5% auf 2% hat die Europäische Notenbank (EZB) einen weiteren Schritt Richtung Gratisgeld gemacht. Und angesichts der schwachen Konjunktur in Europa ist es nur eine Frage der Zeit, bis in der Eurozone die kurzen Sätze de facto bei 0% sind. In dieser Zone, die das Ende der «konventionellen» Geldpolitik definiert, sind schon mehrere Staaten angelangt: USA (0,25%), Japan (0,1%), die Schweiz (0,5%), England (1,5%) und Kanada (1,5%).

Scheuklappen fehl am Platz

Und damit beginnt das Dilemma der Anleger am Geldmarkt: Nicht nur sind die Renditen in Gefahr ? es wird auch immer schwieriger, eine lohnende Währung zu finden. Aufgeben wäre jedoch fehl am Platz. Denn zum Einen kann mit den Schwankungen der Wechselkurse an und für sich Geld verdient werden. Zum Anderen haben starke Verschiebungen im Währungsgefüge Auswirkungen auf die Geldpolitik eines Landes und die Gewinnentwicklung der Unternehmen. Auch wer nur auf heimische Kost setzt, kann sich der Währungsfrage kaum entziehen. Aufgrund der Eigenschaft der Märkte, an laufende Trends anzuknüpfen, kann es sehr wohl sein, dass sich kurzfristig an dieser Hierarchie der Währungen nichts ändert. Mittel- bis längerfristig wird das kaum so bleiben. Dann werden andere Kriterien und Prozesse greifen. Eine bedeutende Rolle wird dabei die Qualität der Währung spielen. Und diese wiederum bestimmt sich danach, inwieweit eine Währung die Kaufkraft bewahren kann. Das wiederum hängt sehr stark vom wirtschaftspolitischen Mix ab. Die wichtigsten Kriterien sind dabei die Geld- und Fiskalpolitik sowie politische und soziale Stabilität sowie die Solidität des Finanzsystems.

Trügerische Dollar-Hoffnungen

Was die Beurteilung der Geldpolitik betrifft, sind die Massstäbe nicht eindeutig. Immerhin bewegen sich immer mehr Notenbanken in bisher unausgeloteten Gefilden. Bei Leitzinsen von nahezu null müssen andere Kriterien herangezogen werden. Eines ist sicher das Wachstumstempo der Bilanz einer Notenbank. Je höher dieses relativ zu dem anderer Zentralbanken ausfällt, desto belastender für eine Währung.

Anzeige

Der zweite bedeutende Pfeiler wird die Fiskalpolitik sein und wie die Notenbanken auf eine zusehends aggressivere Konjunkturpolitik reagieren. Gehen sie dazu über, die steigenden Budgetdefizite durch grössere Repogeschäfte zu alimentieren, dann ist das für Devisenanleger ein Warnsignal. Besonders dann, wenn dieses einhergeht mit schlechteren Auktionsergebnissen für die Staatsanleihen.

Basierend auf den OECD-Schätzungen für die Budgetdefizite und -überschüsse in Prozent des nominalen Bruttoinlandproduktes hat Australien mit 0,6% (2009) eine relativ starke Stellung. Die Schweiz steht mit 0,3% auch gut da. Im Mittelfeld sind Deutschland mit (0,9%) und die Eurozone (2,2%). Schwächer sind dagegen die USA mit 6,7% und Grossbritannien mit 5,3%.

Insgesamt werden auf den Dollar schwierigere Zeiten zukommen. Zwar werden an den neuen Präsidenten grosse Hoffnungen geknüpft, jedoch wird die Finanzierung der zu hohen Budgetdefizite auf zusehends grössere Probleme stossen. Schwach bleiben dürfte auch das Pfund.

Die jüngsten Turbulenzen um die Royal Bank of Scotland zeigen mit aller Deutlichkeit, wie angeschlagen das britische Finanzsystem ist. Der britische Staat übernimmt zusehends Risiken. Das dürfte über kurz oder lang dazu führen, dass die Kurse der britischen Staatsanleihen Hand in Hand mit dem Pfund fallen.

Der Yen wird seine internationale Spitzenposition zumindest vorläufig an den Franken abtreten müssen. Die japanischen Staatsfinanzen sind schon aufgrund der Krise der 90er Jahre arg strapaziert. Damit rückt ein Downrating Japans stärker in den Blickpunkt.

Probleme im Euro-Raum

Der Euro wird zuerst eine Position im Mittelfeld des internationalen Währungsgefüges einnehmen. Fester als Dollar und Pfund, aber schwächer als Yen und Franken. Für den Euro wird entscheidend sein, ob sich die Renditedifferenzen zwischen den Staatsanleihen der Mitglieder der Eurozone ausweiten. Geschieht dies, dann könnte das zu einem Spaltpilz für den Euro werden.

Die Rohstoffwährungen australischer und kanadischer Dollar werden wohl stärker tendieren. Insbesondere das Motiv, Anlagen in Rohstoffe zur Absicherung gegen eine in den nächsten Jahren anstehende Inflation, kann diesen Währungen zusätzlichen Schub verleihen.