Der Zerfall des Dollar hat Umsatz und Gewinn beeinträchtigt.» Dies wird eine berechtigte Entschuldigung für schwache Geschäftsabschlüsse 2004 sein. Nach den Terror-Angriffen, dem Irak-Krieg und Sars macht den Schweizer Konzernen erneut ein externer Faktor einen Strich durch die Rechnung. Lief in den ersten neun Monaten alles im Rahmen der Erwartungen, hat der Sturz des Dollar von rund 8% auf vorübergehend 1.13 Fr. seit September alle überrascht.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Der Fall fordert seinen Tribut. «Die negativen Auswirkungen der Wechselkursschwankungen auf den Gewinn sind klar stärker als erwartet», sagt Unaxis-Sprecher Nicolas Weidmann. Unaxis sei zu Jahresbeginn von einem Wechselkurs von 1.30 Fr. ausgegangen. Noch mehr verschätzt hat sich der Finanzchef von Mikron, Andreas Moser: «Unsere Budgets gingen von einem Kurs von 1.35 Fr. aus.» Auch der Finanzchef von Georg Fischer, Roland Abt, konstatiert: «Die Auswirkungen sind in der Erfolgsrechnung klar spürbar.»

Negative Translationseffekte

Auch der bereits arg gebeutelten Adecco bringt die Devisenentwicklung eine weitere unerwünschte Bescherung. Laut Analysten der Bank LODH drückt der Dollarsturz Gewinn und Umsatz 2004 um je über 2%. Dabei schenken beim Personalvermittler nur Translationseffekte ein, also reine Umrechnungsunterschiede, die bei der Bilanzierung in Fr. entstehen. Für die 20 in Fr. rechnenden SMI-Firmen ist dies aber kein Grund, auf Dollar umzustellen. «Weil Givaudan in Fr. konsolidiert, sehen wir schlechter aus. Der Dollar tut uns weh, aber eine Konsolidierung in Dollar steht deswegen nicht zur Debatte», sagt Peter Wullschleger, Investor-Relations-Chef von Givaudan. Investoren könnten selber rechnen, da brauche es keine Augenwischerei.

Für die meisten Unternehmen kommt ein Hedging (Absicherung) des Translationsrisikos nicht in Frage. «Es ist einerseits zu schwierig und andererseits zu teuer», erklärt Walter Vaterlaus, Clariant-Sprecher. Die Absicherung des Translationsrisikos werde ausserdem zum grossen Teil mittels «natürlichem Hedging» erreicht. Das heisst, Clariant finanziere sich in der Regel in jener Währung, in der die Vermögenswerte bilanziert werden.

Auch Swiss Re profitiert von einem Natural Hedge: Der Rückversicherer erwirtschaftet mehr als 50% seiner Erträge in Amerika, bezahlt aber auch mehr als 50% des Schadenaufwandes in Dollar. Die UBS, die einen Drittel ihres Ertrages in den USA erwirtschaftet, reduziert das Währungsrisiko unter anderem durch monatliche zentralisierte Glattstellungen der Erträge und Kosten gegen Fr., wie UBS-Sprecher Dominik von Arx sagt. Der Einfluss des Dollar sei in den ersten drei Quartalen wie erwartet ausgefallen. Über das kritische 4. Quartal schwiegen sich UBS sowie Credit Suisse Group aus. Laut Analysten dürfte sich die Dollarerosion am ehesten wegen den gewichtigen in Dollar gehaltenen Kunden-Portfolios auswirken.

Keinen Grund, über den Dollareinfluss zu schweigen, haben ABB, Novartis, Serono, Syngenta, Synthes und Zurich Financial Services, welche in Dollar abrechnen und von dessen Schwäche profitieren. «Der schwache Dollar wirkt leicht positiv auf das Resultat 2004», sagt Novartis-Sprecherin Alenka Ambroz.

Teure Transaktionseffekte

Am stärksten betroffen von der Talfahrt des Dollar sind Firmen, die einen hohen Umsatzanteil in Dollar generieren und aus dem Fr./Euro-Raum exportieren. Da gewichtige Kosten in Fr./Euro anfallen, entstehen teils massive Transaktionseffekte. Kein Wunder bezeichnete Swatch-Chef Nick Hayek die Entwicklung als katastrophal. Was dies für das Ergebnis bedeutet, behielt er für sich. Swatch exportiert rund 90% der Produkte aus der Schweiz.

Auffällig: Hayek ist einer der Wenigen, die weiterhin vom starken Fr. sprechen und nicht vom schwachen Dollar. Die Klage Hayeks über den starken Fr. war denn auch meistens mit einer Forderung zur Zinssenkung verbunden oder zur Beibehaltung der Zinsen. Die Vertreter der Maschinenindustrie hingegen jammern derzeit nur noch über den starken Dollar. «Die Entwicklung, die sich mit der Dollarschwäche für unsere Industrie ergibt, ist höchst problematisch», teilt Johann Schneider-Ammann, Präsident des Schweizerischen Maschinenbauverbandes Swissmem, mit. Statt Zinssenkungen betont er vermehrt die Unumgänglichkeit der Verlagerung in den Dollarraum.

Trend: Kosten verlagern

Eine verstärkte Verschiebung von Geschäftsaktivitäten in den Dollarraum wird denn auch als häufigste Massnahme gegen die Dollarsensitivität angegeben. Das macht beispielsweise Sinn für Unaxis, bei der 75% des Umsatzes in Asien und den USA anfallen. Einen Abbau der Kostenlastigkeit in Euro und Fr. mittels Verlagerung in den Dollarraum planen auch Ciba und Clariant.

Die umgekehrte Strategie fährt der Chef von Kudelski: «Kudelski ist der Dollar-Entwicklung noch mit 25 bis 33% des Umsatzes ausgesetzt», sagt André Kudelski. Anfang 2003 seien es noch rund 50% gewesen. «Die Übernahme von Mediaguard ist ein wichtiger strategischer Entscheid gewesen, um die Dollarsensitivität zu reduzieren.»

Dass es für Unternehmen trotz Produktion und Einkauf in den Dollarabsatzgebieten also mit einem starken natürlichen Hedging weiterhin hohe Währungsrisiken gibt, zeigt ein Blick in die letztjährige Bilanz von Holcim. Der Kursrückgang von 1.34 auf 1.32 Fr. verminderte den Umsatz um 35 Mio Fr. und den Betriebsgewinn um 7 Mio Fr. Dennoch behauptet Holcim, dass die Abwertung des Dollar den Erfolgsausweis 2004 in Fr. zwar belaste, jedoch durch internes Wachstum mehr als ausgeglichen werde.

Im Fall von Givaudan sowie von Chemie- und Pharmakonzernen nützt ein natürliches Hedge nur bedingt. Die höchsten Währungsrisiken bestehen bei der Rohstoffbeschaffung. DieRisiken können zwar mit Termingeschäften (Forwards) abgesichert werden, aber nicht vollständig, wie Wullschleger von Givaudan illustriert: Weil etwa nur einmal im Jahr Vanille eingekauft werden könne in der Erntezeit Dezember oder Januar erleide Givaudan je nach Wechselkurs Einbussen. «Wir können die Kursschwankungen den Kunden nicht weitergeben», so Wullschleger.

Preise nicht konkurrenzfähig

Auch Transaktionsrisiken bei Vertragsabschlüssen können mittels Hedging vermindert werden. Dennoch ist eine Firma damit nicht vor Einbussen gefeit, wie das Beispiel Swisslog zeigt. Sie hat letzten Monat unter anderem wegen dem Dollar eine Gewinnwarnung herausgegeben. Die Produkte von Swisslog sind wie viele Schweizer Exportwaren zu teuer geworden. «Die Konkurrenzfähigkeit von Swisslog leidet im Dollar-Raum», sagt Sprecherin Nicole Schöwel.

Auch Roche hat Preisnachteile gegenüber der in Dollar rechnenden Konkurrenz. Während der schwache Dollar Novartis und Pfizer kräftig aufputscht, setzt Roche Forward-Kontrakte und Fremdwährungsoptionen ein. Richemont-Kommunikationschef Alan Grieve findet diese Währungsabsicherungsinstrumente sehr teuer. Deshalb sichere Richemont nur 70% seiner Nettoexposure gegenüber dem Dollar ab, welche bei 40% liege. «Wir wollen nicht überhedgen und sind da sehr konservativ.» Zusätzliche Kosten sind nicht erwünscht. Grieve lässt durchblicken, dass für die Sicherung der Margen nächstes Jahr Preiserhöhungen notwendig seien. Glücklich die Firmen, die wie der Luxusgüterkonzern dazu Spielraum haben. Bei den meisten Firmen, die 2005 mit einem schwächeren Dollar budgetieren, ist noch offen, wie sie die Erträge sichern.


Dollar tief gestürzt: Wer gewinnt, wer verliert

Firma Kommentar zur Dollarsensivität *TRL: Translations-(Umrechnungs-)effekte **TRA: Transaktionseffekte Dollareinfluss
ABB rechnet in Dollar ab |

Adecco in Euro, setzt rund 30% in den USA um, in der ertragreichsten Sparte 79%, TRL* drücken Umsatz und Gewinn um je über 2% «

Bâloise kein Dollargeschäft

Ciba TRA* wirken sich beim Materialeinkauf stark aus, zur Absicherung dienen Forwards und Preisüberwälzungen «

Clariant 28% des Umsatzes in Dollar, 22% der Kosten in Dollar, 40 bis 60% des Transaktionsrisikos in Dollar selektiv gehedgt «

Credit Suisse belastend sind in erster Linie die Vermögensportfolios der Kunden in Dollar »

Givaudan 60% der Umsätze und Kosten im Dollarraum, begrenzte Absicherungsmöglichkeiten beim Einkauf von Spezialstoffen «

Holcim 38% Umsatz und 48% Betriebsergebnis in Dollar, Kosten fallen lokal an, negativer Umrechnungseffekt (TRL) »

Julius Bär Dollar-Anteil bei Kundenvermögen rund ein Drittel, Währungsabsicherung im Monatsrhythmus »

Kudelski noch 25 bis 30% des Umsatzes im Dollarraum, Hedging-Tools wie Optionen gegen Dollarschwankungen »

Lonza rund 33% des Umsatzes im Dollarraum, bereits das unbefriedigende Ergebnis im 1. Semester wurde u.a. mit Dollarschwäche erklärt «

Nestlé Umrechnungseffekte (TLA), wegen höheren Margen im gewichtigen USA-Geschäft sinken auch die Margen insgesamt leicht «

Novartis rechnet in Dollar ab, leicht positiver Einfluss auf das Resultat |

Richemont Hedging von 70% der Nettoexposure, diese liegt bei 40% des Umsatzes, Preiserhöhungen zur Sicherung der Margen geplant «

Roche über ein Drittel der Einnahmen aus den USA, zur Währungsabsicherung dienen Forward Contracts und Foreign Currency Options «

Serono rechnet in Dollar ab |

SGS 20% der Umsätze in Dollar, Umrechnungseffekte (TLA) «

Swatch 60% der Exporte gehen in Dollarraum, teure TRA, im unteren und mittleren Preissegment gibt es kaum Spielraum für Preiserhöhungen «

Swisscom kein Dollargeschäft

Swiss Life kein Geschäft im Dollarraum, bestehende Kapitalanlagen in Dollar abgesichert «

Swiss Re Natural hedging: Die Erträge in Dollar gleichen sich mit den Aufwendungen in Dollar aus »

Syngenta rechnet in Dollar ab |

Synthes rechnet in Dollar ab, 65% des Umsatzes in Nordamerika |

UBS ein Drittel der Erträge stammt aus den USA, rollende Optionsstrategie »

Unaxis 75% des Umsatzes im Dollarraum, negative Auswirkungen (TRA) stärker als erwartet, budgetiert war Dollarkurs von 1.30 Fr. «

Zürich rechnet in Dollar ab, Vermögensanlagen werden zudem währungskongruent abgedeckt |


Quelle: Unternehmen