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WÄRMEERZEUGUNG: Brennstoff Holz als Wärmequelle

Die grösste Holzpellets-Heizung der Schweiz steht bei der Hess AG in Bellach, verfügt über eine Wärmeleistung von 640 Kilowatt und ersetzt jährlich rund 100000 Liter Heizöl durch 200 Tonnen Holzpellet

Von Armin Menzi
am 01.12.2005

Der Ersatz einer Heizung kommt selten aus heiterem Himmel: Dieser kündigt sich über eine längere Zeitdauer an und schlägt sich zudem negativ im Portemonnaie nieder. So auch beim Solothurner Carrosserie-Bauer Hess AG in Bellach. Als die Ölheizung aus technischen, ökologischen und schliesslich auch wirtschaftlichen Gründen ersetzt werden sollte, standen drei Fragen im Raum: Welcher Energieträger, welches Betriebsmodell und welche Dimension?

Schon früh schielte Geschäftsführer Alex Naef auf Holzpellets: «In meinem privaten Umfeld machen Bekannte gute Erfahrungen mit Pelletsheizungen», bekennt Naef. Er unterzog sein Vorhaben einer Trendanalyse durch die Fachhochschule Basel. Und die kam prompt zum Schluss, dass die einheimischen Holzpellets die nachhaltigste Lösung darstellen. «Der Brennstoff wächst vor unserer Haustüre, und erst noch zu wettbewerbsfähigen Preisen», zitiert Naef aus dem Bericht.

800000 Kilowattstunden für 50 Einfamilienhäuser

Die inzwischen im Betrieb stehende Pelletsanlage leistet rund 640 Kilowatt und beheizt etwa 12000 m2 Fläche für die Produktion, das Lager und die Büros. Die Pelletsheizung ersetzt jährlich rund 100000 l Heizöl durch 200 t Holzpellets und entlastet die die Atmosphäre im selben Zeitraum um etwa 265 t CO2. Die Jahresleistung von rund 800000 Kilowattstunden Wärme reicht aus, um 50 Einfamilienhäuser zu beheizen. Dass die Anlage dies CO2-neutral schafft, freut Naef besonders: «Das ist für uns auch ein Imagegewinn.»

Bauherr Naef spart auch Geld: Gegenüber Heizöl und unter der Annahme eines Ölpreises von 80 Fr. beträgt die Einsparung rund 27000 Fr. pro Jahr. Sollte die CO2-Abgabe dereinst beschlossen werden, kommen weitere 9000 Fr. Ersparnis hinzu, und die kantonalen Förderbeiträge entlasteten die Investitionsrechnung in ursprünglicher Höhe von 260000 Fr. einmalig um rund 54000 Fr.

Die Planungs-, Investitions- und Betriebskosten fallen allerdings nicht bei der Hess AG an. Wohl aber beim Contracting-Partner, der AEK Energie AG. «Wir sind Fahrzeugbauer und wollen uns zur Hauptsache darauf fokussieren», bekräftigt Unternehmer Naef und schliesst darin die personelle wie die finanzielle Seite mit ein. Genauer: «Unsere Mittel investieren wir auch in Zukunft sinnvollerweise in die Fahrzeugentwicklung ­ und weniger in die Infrastruktur und die Energieerzeugung», so Naef.

Für die AEK Energie AG ist das Anlagen-Contracting nichts Neues: Der grösste Stromversorger am Jurasüdfuss schöpft seine Erfahrung in diesem Bereich aus über zehn Jahren Engagement in unterschiedlichster Breite und Tiefe. Dazu zählt die an die AEK ausgelagerte Energiezentrale der Biberister Papierfabrik «M-real» oder etwa die Lieferung von Fernwärme an die Grossgärtnerei Wyss AG in Zuchwil. Anspruchsvoll ist auch die Bereitstellung von Wärme, Strom und Druckluft für die Präzisionsmechanik-Anbieterin Agathon AG in Bellach. Doch «neu war bei der Hess AG die Dimension der Anlage und der Brennstoff», grenzt Walter Wirth ab.

Wirth ist seit einigen Monaten Leiter des AEK-Unternehmensbereichs Anlagen-Contracting und Geschäftsführer der AEK Pellet AG. Er macht im Wärmeanlagen-Contracting einen stark wachsenden Markt aus, was sich im Sog starker Preisbewegungen beim Erdöl täglich akzentuiere. «Besonders sensibel reagieren Industrie- und Gewerbebetriebe mit energieintensiven Anlagen darauf», weiss Wirth. «Hier setzt unser Angebot mit Dienstleistungen an. Wir nehmen die wirtschaftliche Effizienz und die Schonung der Umwelt ins Visier.» Damit das Contracting zum «Rundum-sorglos-Paket» avancieren könne, umspannt es alle technischen, betriebswirtschaftlichen, ökologischen und finanziellen Aspekte ­ inklusive 24-Stunden-Betrieb, Unterhalt und laufender Optimierung.

Das kommt dem Kunden sehr entgegen: «Wir tragen weder das Investitions-, noch das Betriebsrisiko. Und wir müssen für den reibungslosen Betrieb der Anlage und für Unterhalt oder Service auch kein eigenes Personal mehr einsetzen. Wir bezahlen einfach einen monatlichen Grundpreis sowie den Preis für die bezogene Kilowattstunde», erläutert Marco Brancato, technischer Leiter bei der Hess AG.

Contracting-Vereinbarungen sind langfristige Bindungen, was eine tragfähige Vertrauensbasis voraussetzt. Diese Tugend ist für den Fahrzeugbauer nicht neu: «Aus unserer eigenen Geschäftstätigkeit sind wir es gewohnt, langfristige Partnerschaften einzugehen und gemeinsam mit unseren Partnern Pionierarbeit zu leisten», erklärt Alex Naef. Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit seien die Grundpfeiler der Partnerschaft, stabile Energiepreise, die unterbruchsfreie Versorgung und kurze Reaktionszeiten bei Störungen die Voraussetzung für eine lange Zusammenarbeit. Alex Naef und Walter Wirth sind sich darin einig, dass Fairness und Preiswürdigkeit den Weg in die Zukunft weisen: «Kundenzufriedenheit ist uns wichtiger als kurzfristiges Rendite-Denken», legt sich Wirth fest.

Dass sich solche Tugenden dereinst auszahlen könnten, offenbaren die Potenziale: Allein in den nächsten fünf Jahren rechnen Ökonomen mit einem Investitionsvolumen von rund 1,1 Mrd Fr. im Energiesektor. Davon dürften gut zwei Drittel im Wärme-Kälte-Markt anfallen. Vor diesem Hintergrund will sich die AEK Energie AG als Marktführerin im Schweizer Mittelland behaupten und in einem nächsten Schritt im Grossanlagen-Sektor schweizweit Fuss fassen. Das potenzielle Investitionsvolumen in diesem Bereich schätzt Walter Wirth auf 2 bis 3 Mio Fr. pro Jahr allein für die AEK Energie AG.

Wachstumsraten von 20 bis 25 Prozent

Unternehmer Walter Wirth freut sich auch über eine positive Marktentwicklung bei den Holzpellets. Heute deckt Holz rund 2,3% des Gesamtenergiebedarfs oder etwa 5% des Wärmebedarfs ab. In den nächsten fünf Jahren rechnet Wirth allein bei den Holzpellets mit Wachstumsraten von jeweils 20 bis 25% pro Jahr. Damit dürfte das heutige Nischenprodukt innert kurzer Zeit zu einem etablierten Heizenergieträger avancieren.

In Europa sind rund 600000 Pelletsheizungen in Betrieb

Derzeit stehen in Europa rund 300000 Pelletsheizungen in Betrieb ­ davon rund 6000 Anlagen in der Schweiz, was etwa 2% der Heizungen ausmacht. «Hier bestehen noch erhebliche Steigerungspotenziale», rechnet Wirth vor. Er glaubt an den Erfolg der AEK Pellets AG mit ihrer Fabrik in Balsthal unter der Bedingung, «dass es der Schweizer Industrie gelingt, in kurzer Zeit eine industrielle Nutzung des Holzes zu realisieren. Sonst laufen wir Gefahr, die gesamte Holz-Wertschöpfungskette ins Ausland zu verlieren», so Wirth lakonisch.

Seine Holzpellets stammen samt und sonders aus Schweizer Betrieben, sind CO2-neutral und benötigen für Erzeugung, Verarbeitung und Transport deutlich weniger so genannte Graue Energie als ihre fossilen Konkurrenzprodukte Heizöl und Erdgas. So darf sich auch die Ökobilanz sehen lassen: Derweil ein Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Jahresbedarf von 20000 Kilowattstunden Heizenergie rund 5,3 t CO2 beim Erdgas ausstösst, bleibt dies bei den Holzpellets in der Summe­ Null.

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