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Verhaftungen
«Wahl wird eine einfache Nummer für Blatter»

Der Fifa-Skandal kratzt nicht an der Macht von Joseph Blatter. Der Herausforderer Ali Bin Al Hussein bleibt bei der Präsidentenwahl am Freitag ohne Chancen, ist ein Fifa-Experte überzeugt.

Von Marc Iseli
am 27.05.2015

Die Fussballwelt steht Kopf, nachdem die Zürcher Kantonspolizei sieben Fifa-Funktionäre verhaftet hat. Der Zugriff, der auf Wunsch der amerikanischen Strafverfolgungsbehörden erfolgte, bedeutet ein Erdbeben für den internationalen Verband. Den Fifa-Funktionären wird vorgeworfen, sich der Korruption schuldig gemacht zu haben.

Im Visier stehen Männer der absoluten Führungsspitze, zwei davon – Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo – sind Vize-Präsidenten des Verbandes und sitzen im Fifa-Exekutivkomitee. Mit Webb ist überdies ein Blatter-Ziehsohn in den Skandal involviert. Er ist ein enger Vertrauter des Fifa-Präsidenten, steht an der Spitze der Nord- und Mittelamerika-Konföderation. Zudem ist er Chef der von Blatter hochgelobten Anti-Diskriminierungs-Task-Force und Mitglied des inneren Machtzirkels der Fifa.

«Einfache Nummer für Blatter»

Steht die Wiederwahl des 79-Jährigen am Freitag also auf der Kippe? Das Votum immerhin soll stattfinden, selbst wenn der englische Fussballverband nun den Termin infrage stellt. Für Blatter wäre es die fünfte Amtszeit, seit 1998 steht er an der Spitze des Fussballverbands. Für den Fifa-Experten und früheren Pressechef des Weltfussballverbands ist die Gemengelage eindeutig: «Ich gehe davon aus, dass Blatter schon im ersten Wahlgang durchkommt», sagt Guido Tognoni.

Damit bestätigt der Marketingmanager am Tag des Skandals seine Einschätzung, die er am Dienstag gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen gab. Wegen der heutigen Fifa-Strukturen sei es unmöglich, einen amtierenden Präsidenten zu stürzen. «Es wird eine einfache Nummer für Sepp Blatter.»

50 Stimmen wären für Al Hussein respektabel

Dem einzigen Herausforderer – Prinz Ali Bin Al Hussein – wurden bis zuletzt schlechte Wahlchancen eingeräumt. Der Skandal vom Mittwoch ändert nichts daran. Sollte der jordanische Prinz 50 Stimmen holen würde, wäre das nach Ansicht von Tognoni bereits ein respektables Ergebnis.

Insgesamt sind 209 Verbände wahlberechtigt. Im ersten Wahlgang ist für die Wahl zum Fifa-Präsidenten eine Zweidrittelmehrheit (139 Stimmen) notwendig. Ab dem zweiten Wahlgang ist eine einfache Mehrheit möglich. Da nur zwei Kandidaten zur Wahl antreten, wird spätestens im zweiten Wahlgang der Präsident bestimmt sein.

Rücktritt Blatters ausgeschlossen

Dass Blatter antreten wird, ist bei der Fifa ohnehin unstrittig. «Blatter ist nicht involviert», wiederholte Fifa-Sprecher Walter de Gregorio auf der heutigen Pressekonferenz immer wieder. Der Pressesprecher verneinte auch jegliche Rücktrittsforderungen. «In jeder normalen Organisation werde die Führungsspitze zur Verantwortung gezogen», sagte ein Journalist in der Fragerunde. «Wie sieht es bei der Fifa aus?» Die Antwort ist das Fifa-Mantra des Tages: «Blatter. War. Nicht. Involviert.»

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