Das Parlament ist gewählt, die Wirtschaftspartei FDP hat eine Schlappe erlitten. Chefs von Schweizer Unternehmen sagen, wie sich die Wahlen auf ihr Unternehmen auswirken.

Jürg Bucher, Leiter PostFinance: «Die ausgezeichnete Wirtschaftslage ist beste Voraussetzung, um die für den Wohlstand in der Schweiz entscheidende Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken.» Allerdings ist Bucher mit dem rechtlichen Rahmen, in dem sich PostFinance bewegen muss, nicht zufrieden. Noch immer ist PostFinance als 100%-Tochter der Post für Hypothekar- und andere Kreditgeschäfte auf Drittbanken angewiesen. Bucher fordert deshalb: «Es sind Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Wettbewerb beschleunigen. PostFinance kann in der Schweiz den Wettbewerb im Retail Banking weiter beleben. Voraussetzung sind allerdings gleich lange Spiesse wie sie die Bankkonkurrenten haben.» Für Bucher heisst das konkret: «Die Geschäftsmöglichkeiten bezüglich Hypothekar- und KMU-Kredite zu erweitern und PostFinance der Aufsicht der neuen Finanzmarktbehörde, Finma, zu unterstellen.»

Heinz Karrer, CEO Axpo-Gruppe: «Mit dem Wahlergebnis zeichnen sich zwei ganz verschiedene Trends ab, nämlich dass das Volk mit seiner Stimme auf eine weiter prosperierende Wirtschaft setzt, aber auch, dass Nachhaltigkeit ein ganz wichtiges Anliegen ist.» Für Karrer ist klar: «Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um das Problem der drohenden Stromlücke ab dem Jahr 2012 zu lösen. Dazu gehört, dass wir neue Energien fördern und Massnahmen ergreifen, um die Energieeffizienz zu verbessern.» Die Schweiz komme deswegen aber nicht um neue Grosskraftwerke herum. Ein neues Kernkraftwerk hat bei Axpo höchste Priorität. «Erst dann können wir eine effiziente, umweltschonende und nachhaltige, aber auch wirtschaftliche Stromversorgung gewährleisten.»

Anzeige

Philipp Mosimann, CEO Bucher Industries: «Für die Wirtschaft und unsere Tätigkeiten in der Schweiz sind zuverlässige Rahmenbedingungen notwendig, um die nötigen Investitionen verantworten zu können», sagt der Chef des Maschinen- und Fahrzeugbauers. Mosimann äussert sich kritisch über das neue Parlament. «Die Zusammensetzung des neuen Parlaments lässt nicht unbedingt auf eine verbesserte Zusammenarbeit schliessen, die für das Vorwärtsbringen der Schweiz notwendig ist.»

Andreas Wetter, CEO Orange Schweiz: «Noch immer – und tendenziell sogar stärker – dominiert ein von der Eidgenossenschaft mehrheitlich kontrolliertes Unternehmen die Industrie.» Damit ist Swisscom gemeint, deren CEO sich nicht zum Wahlausgang äussern mochte. Für Konkurrentin Orange steht die in ihren Augen bisher «gescheiterte Umsetzung» der vor zehn Jahren vom Parlament beschlossenen Telekommarktliberaliserung im Fokus. Wetter macht sich aber keine Illusionen: «Einen tief greifender Wandel in diesem Dossier ist durch den Wahlausgang nicht zu erwarten.» Die Schweizer Bevölkerung, die gesamte Wirtschaft und die Telekombranche werde weiterhin mit einem «eher schlecht als recht liberaliserten Telekommarkt leben müssen», weil ein echter Wettbewerb im Keime erstickt werde. Dies zum Nachteil der Schweizer Wirtschaft, die im Vergleich mit Europa gerade hier viel Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit verliert.

Rudolf Fischer, CEO Cablecom: Mit der gleichen Konkurrentin wie Orange muss sich Rudolf Fischer, Managing Director von Cablecom, rumschlagen. Er kommentiert den Wahlausgang generell: «Das Wahlergebnis zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung einen wirtschaftlich orientierten Ansatz mit weniger staatlichen Eingriffen will.» Fischer ist überzeugt: «Wir brauchen eine starke Wirtschaft, die Verantwortung für Menschen und Umwelt übernimmt.» Er will sich für eine innovative Schweiz engagieren, die sich den Herausforderungen der Zukunft stellt und über ein international erstklassiges Bildungsangebot verfügt. «Ich hoffe, dass trotz der zunehmenden Polarisierung eine lösungsorientierte Politik möglich ist.» Er erwartet vom Bundesrat, dass er sich mit den wesentlichen Sachfragen beschäftigt und sich nicht mit Polemik zufrieden gibt.

Anzeige

Georges Champoud, CEO DPD Schweiz: «Angesichts der Nicht-Wiederwahl von Jean-Noël Rey wird das Unternehmen jetzt neue Wege gehen, um seine Position bei der Liberalisierung des Postmarktes zur Geltung zu bringen.» Welche Wege dies sein werden, lässt Champoud noch offen. Als Vizepräsident des Verwaltungsrates vertrat Jean-Noël Rey im Nationalrat auch den Standpunkt der privaten Postdienstleister. CEO Champoud wertet die neue Zusammensetzung des Parlaments generell positiv: «Es hat Verschiebungen innerhalb der Blöcke gegeben, aber keinen Erdrutsch. Daher wird die Konkordanzpolitik wohl ohne erhebliche Änderungen fortgesetzt werden. Wir erwarten insgesamt eine positive Entwicklung für den Rückgrat der Schweizer Wirtschaft, die KMU, in Richtung einer Senkung der drückenden Steuerlast und eines Abbaus der ausufernden Bürokratie.»

Anzeige