Die britische Postgesellschaft Royal Mail steht unter neuer Führung. Ab Juni übernimmt der Wahlschweizer Rico Back das Ruder bei der traditionsreichen Firma. Er folgt auf die Kanadierin Moya Greene, die seit acht Jahren an der Spitze des britischen Unternehmens steht.  

Back, ein gebürtiger Hamburger, wohnt laut Angaben der Royal Mail «seit über zehn Jahren in der Nähe von Zürich». Sein jüngstes Kind sei hier noch in der Ausbildung. «Die Schweiz ist Ricos Zuhause», heisst es im Communiqué zum Wechsel an der Spitze der Firma. Er werde seinen Wohnsitz weiterhin in der Schweiz haben. Arbeitsplatz sei aber London.   

Laut Wirtschaftsinformationsdienst Moneyhouse wohnt Back in der Schwyzer Gemeinde Schindellegi. Der Ort mit knapp 5300 Einwohnern gilt als «Hotspot für die Wirtschaftselite», wie das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» unlängst schrieb. Hier wohnen Personen wie Fiat-Boss Sergio Marchionne oder Jörg Wolle, der Präsident des Logistikers Kühne + Nagel. Katharina Liebherr, die Besitzerin des britischen Premier-League-Klubs FC Southampton, sicherte sich unlängst ein 850 Quadratmeter grosses Grundstück im «perfekten Steuerparadies».

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RicoBack

RIco Back: Seit mehr als zehn Jahren in der Schweiz wohnhaft.

Quelle: GLS

Die Royal Mail ist der älteste Postdienstleister der Welt. Ihre Wurzeln gehen zurück auf das frühe 16. Jahrhundert, als Grossbritannien von König Heinrich VIII. regiert wurde. Der Schriftsteller William Shakespeare war noch nicht geboren. In England ist das Unternehmen bekannt für seine roten und schweren Gusseisen-Briefkästen. Es ist eine nationale Institution und beschäftigt laut eigenen Angaben knapp 160'000 Mitarbeiter. 

Lange Zeit war das Unternehmen im Besitz des Staates. 2013 ging es an die Börse. Es war die grösste Privatisierung in Grossbritannien seit dem Verkauf der Eisenbahnen in den 90er-Jahren. Die scheidende Chefin Moya Greene spielte eine zentrale Rolle beim Listing an der Londoner Stock Exchange (LSE). Für ihre Rolle während des Börsengangs erhielt sie viel Lob. Der Aktienkurs schoss in den ersten Monaten nach dem IPO auf den Rekordwert von über 600 Pfund pro Aktie. 

Die britische Presse würdigt Greene als «geschickte Verhandlungsführerin mit Gewerkschaften und Politikern». Die «Financial Times» kürte sie 2014 zur «Person des Jahres». Sie ist Mitglied im Verwaltungsrat von Easyjet und wird Ende dieses Jahres ins strategische Gremium des australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto einziehen.

Royal Mail

Der rote Briefkasten: Ein beliebtes Postkarten-Sujet.

Quelle: Getty Images

Für ihre Arbeit bei Royal Mail erhielt Greene im letzten Jahr fast 2 Millionen Pfund. Das sind umgerechnet rund 2,7 Millionen Schweizer Franken. Das Grundsalär belief sich auf 548'000 Pfund.  

Der Wahlschweizer Back soll nun aber mit einem Grundlohn von 640'000 Pfund entschädigt werden. Der Unterschied von fast 100'000 Pfund hat zu negativen Reaktionen geführt. Das Unternehmen sah sich konfrontiert mit Schlagzeilen wie dieser: «Royal Mail replaces respected female boss with inexperienced male - but pays him £100k more!» 

Die britische Post reagierte auf die Kontroverse. Die Firma erklärte den Unterschied mit Verweis auf andere Lohnbestandteile. Greene seien jährlich 200'000 Pfund in die Pensionskasse einbezahlt worden. Back erhalte 112'000 Pfund pro Jahr.