Glaube kann Berge versetzen. Diesen Umstand wusste Alan Greenspan, ehemaliger Präsident der US-Notenbank (Fed), stets zu beherzigen. Doch genau dieser unerschütterliche und psychologisch wichtige Glaube an die Fed wird nun erschüttert.
Schuld daran ist Greenspans Nachfolger, Ben Bernanke: Er
untergräbt das Vertrauen in seine Notenbank. Verfrüht das mögliche Ende der Zinssenkungen zu signalisieren, war ein unverzeihlicher Fehler. Denn Bernanke hat die Notenbank damit in eine unpässliche Lage manövriert. Fallen die Wirtschaftsdaten fortan robust aus, wird dies vom Rentenmarkt als Ende der Zinssenkungen
gewertet. Die Zinskurve droht zu Lasten der Banken wieder abzuflachen. Enttäuschen die Wirtschaftsdaten wiederum und nimmt die Risikoaversion der
Investoren zu, droht der Notenbank ein Gesichtsverlust.

Es wäre nicht das erste Mal. Am 7. August hiess es, dass die Inflationsrisiken überwiegen würden. Nur zehn Tage später wurde der Leitzins um 50. Basispunkte reduziert. Schliesslich hat die Konjunktur erheblich an Schwung verloren. So gesehen war wohl auch der 31. Oktober ein schlechter Tag für die Notenbank, meint Jan Hatzius von Goldman Sachs.

Wie gerne wäre ich bei der Notenbanksitzung eine Fliege an der Wand gewesen. Eine wilde Debatte dürfte geführt worden sein. Die Konjunktur und der Arbeitsmarkt schlagen sich trotz des Debakels am Immobilienmarkt erstaunlich gut. Man möchte sich als Notenbank auch nicht vorwerfen lassen, durch Zinssenkungen die schlechten Investments der Banken zu retten. Ausserdem wittern einige Notenbanker die aufkommende Inflation Argumente
gegen weitere Zinssenkungen.

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Andererseits sind die konjunkturellen Risiken nicht zu unterschätzen. So überraschend robust der Arbeitsmarkt im Oktober ausgefallen sein mag, deutet einiges auf eine voranschreitende Abkühlung hin. Besonders bedenklich sind die Daten der verarbeitenden Industrie. Auch wenn der ISM-Bericht anhaltendes Wachstum signalisiert, gibt es Grund zur Sorge. Während die Lagerbestände der Abnehmer deutlich gestiegen sind, geraten die Importe unter Druck. Ein Zeichen, dass die Nachfrage drastisch nachgelassen hat. Nicht zu vergessen wäre der belastende Ölpreis und der freie Fall bei den Immobilien.

Besonders alarmierend ist der Rückgang der Eigenheimquote. 2006 verliessen 900 000 Amerikaner ihr Eigenheim und zogen in Mietwohnungen. Gleichzeitig
explodiert der Bestand an unverkauften Häusern. So unwahrscheinlich eine Rezession sein mag, die Konjunktur bleibt doch unter Druck.

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Markus Koch ist Kapitalmarktexperte bei der DWS.