Das Disney-Forschungslabor befindet sich in der Startphase. Noch ist erst ein kleines Team von fünf Leuten in Räumen der ETH Zürich an der Arbeit. Doch im Vollausbau sollen im Gebäude CLW direkt neben der Informatik 20 Forscher tätig sein. Im Moment wird zwar umgebaut, aber in wenigen Wochen wird alles bezugsbereit sein.

Selbstverständlich dürfen im Labor die berühmtesten Comic- figuren als dekorative Zaungäste nicht fehlen. Ihre Präsenz soll die Forscher zu wissenschaftlichen Höhenflügen inspirieren.

Die Besten kommen nach Zürich

Einerseits schickt der Disney-Konzern eigene Leute nach Zürich, die hier mit den ETH-Teams ko-operieren und auch Doktoranden einsetzen. Anderseits werden gegenwärtig weltweit neue Cracks rekrutiert. «Wir versuchen, die Besten ihres Fachs zu uns zu lotsen», erklärt Professor Markus Gross, Direktor des neuen Labors und Professor für Informatik an der ETH Zürich. Er ist selbst Comicfan und wurde seinerzeit von Daniel Düsentrieb zum Ingenieurstudium animiert. Seit Jahren schon unterhielt er rege Kontakte zu Forschern und Managern von Walt Disney. «Irgendwann lag dann die Idee in der Luft, dass mehr daraus werden könnte», so Gross, der eng mit dem Departement Informatik der ETH zusammenarbeiten will, speziell mit dem Labor für Visual Computing und Computergrafik.

Die Ziele des Projekts sind klar: Neue Algorithmen sollen die traditionellen Animationstechniken so-wie die 3-D-Computeranimation auf eine neue Stufe der Perfektion heben. «Disney ist zwar ein themenzentrierter Konzern, aber die Filmanimationen werden immer anspruchsvoller, die Themenparks stets technologischer. Kurz: Disney braucht hochstehende Informationstechnologien in allen Bereichen», betont Gross. Ein Schwerpunkt der Forschung am Disney-Labor in Zürich wird folglich die 3-D-Computeranimation sein.

Anzeige

Weitere Themen sind die geometrische Modellierung, Computerfotografie, Bildgenerierung, Videoverarbeitung, künstliche Intelligenz oder Robotik. Die Forschung erfolgt in kleinen Teams, die von einem erfahrenen Spezialisten, einem sogenannten Principal Investigator, geleitet werden.

Geistiges Eigentum klar geregelt

Zahlen zur Finanzierung des vorerst fünfjährigen Projektes geben die Beteiligten nicht bekannt. Klar geregelt sind dafür die Fragen des geistigen Eigentums. «Wir können uns auf Erfahrungen abstützen, welche die ETH Zürich mit anderen Industriepartnern gewinnen konnte», sagt Gross. Will heissen: Bei gemeinsamen intellektuellen Leistungen liegt das geistige Eigentum bei Disney und der ETH Zürich. Was hingegen einer der Partner im Alleingang schafft, das gehört natürlich ihm allein.