Der Ostschweizer Industrielle Walter Fust ist in den Verwaltungsrat von Tornos gewählt worden. Die Aktionäre des Drehmaschinenherstellers haben ihn an der Generalversammlung vom Mittwoch gewählt. Walter Fust ist Grossaktionär von Tornos – und der wohl grösste Kritiker des Managements.

Mit seiner Wahl in das Aufsichtsgremium dürfte sich nun einiges ändern. «Man muss nun bei Null beginnen», sagte er am Rande der Generalversammlung gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die vergangenen 12 Jahre, also die Zeit nach der Refinanzierung 2002, sind für ihn verlorene Jahre, wie er weiter sagte.

Managementfehler führten Tornos in die Krise

Die Uhrenindustrie – mit der Tornos eng verbunden ist – habe seit 2002 dagegen eine echte Erfolgsgeschichte geschrieben. «Wenn das Management seinen Job richtig gemacht hätte, müsste Tornos heute ein herausragender Betrieb sein», sagte Fust bereits im Vorfeld gegenüber der «Berner Zeitung».

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Bei einem Maschinenbauunternehmen müssten Produkte, Preis, Produktionsmethoden, Marktbearbeitung, Vertrieb und Kundendienst stimmen. Doch die ehemalige Führung habe nichts davon sichergestellt. «Bei Tornos stimmte nichts davon», so Fust im Interview weiter.

Beispielsweise habe sich das Unternehmen auf Spanien, Italien und Frankreich konzentriert. Allesamt wurden in der Finanzkrise arg gebeutelt. Dagegen habe man China links liegen lassen. Und um den wichtigen deutschen Markt zu bearbeiten, habe es dem Management an Deutschkenntnissen gefehlt.

Fust hält 43 Prozent an Torros

Dem nicht genug. Weltweit seien 30'000 Tornos-Maschinen in Betrieb. Mit dem Unterhalt dieses Maschinenparks könne der Konzern zyklisch bedingte Umsatzschwankungen glätten. «Doch die Führung vernachlässigte dieses Geschäft, sodass in der Region Moutier zahlreiche Unternehmen entstanden sind, welche sich auf die Wartung von Tornos-Maschinen spezialisiert haben», hält Walter Fust weiter fest.

Walter Fust ist seit 1992 Mehrheitsaktionär und Präsident des Ostschweizer Maschinenbauers Starrag. Ob es nun der Plan sei, die beiden Unternehmen zusammenzuführen, wollte er vorerst nicht beantworten.

Vorerst würden aber Synergien genutzt. So werde man gemeinsam Gespräche mit Lieferanten führen. Zudem werde künftig Tornos die Infrastruktur von Starrag in China nutzen. Auch die Kundendienste in den verschiedenen Ländern, könnten die Unternehmen zusammenlegen.

Fust hält seit Anfang Jahr 43 Prozent an Tornos. Das Unternehmen steckt in den roten Zahlen. Im vergangenen Jahr summierte sich der Verlust auf 45,6 Millionen Franken – doppelt so viel wie 2012. Der Betriebsverlust vergrösserte sich von 13,6 Millionen auf 35,9 Millionen. Der Umsatz ging um 16 Prozent auf 155,3 Millionen Franken zurück. Der Bestelleingang fiel um 14 Prozent auf 151,9 Millionen.

Markteinführungen oberste Priorität

Mit Walter Fust und der neuen Führung soll nun die Trendwende eingeläutet werden. Für Tornos hat die Markteinführung der neuen Maschinen im laufenden Jahr oberste Priorität, wie Verwaltungsratspräsident François Frôté bei der Präsentation der Jahreszahlen sagte. Zudem will das Unternehmen ausserhalb Europas wachsen. 2014 soll ein «nahezu ausgeglichenes» Ergebnis vorliegen.

(sda/me/moh)