Walter Kielholz, Verwaltungsratspräsident von Swiss Re und ehemaliger CS-Verwaltungsratspräsident, hat ein Umdenken wegen zunehmend hoher Bussen in der Finanzwelt gefordert.

Angesichts der Flut regulatorischer Sanktionen gegen Banken stellte er die Funktionstüchtigkeit des internationalen Rechtssystems infrage: In der Praxis könne man diese Bussen nicht auf der Basis eines ordentlichen Gerichtsverfahrens anfechten, sagte er der Zeitung «Financial Times» vom Mittwoch. Aus Sicht der Rechtsstaatlichkeit sei das ein Problem. Die Dinge würden in die falsche Richtung laufen.

«Unberechenbarkeit» der US-Regulatoren

Kielholz, gleichzeitig Vorsitzender des European Financial Services Round Table (EFR), eine Organisation des Banken- und Versicherungssektors in Europa, steht mit seiner Kritik nicht allein. So hatte dem Medienbericht zufolge zuvor bereits der Chef des französischen Versicherers Axa, Henri de Castries, die «Unberechenbarkeit» der US-Regulatoren attackiert.

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Die Aktionäre der Banken würden die Strafen nicht einfach hinnehmen, sagte Kielholz weiter zur «Financial Times». Investoren sollten sich fragen, ob sie die europäischen Banken rekapitalisieren wollen und dann zusehen, wie sich die Aufsichtsbehörden das Geld zu Eigen machten.

Rekordstrafen für US-Banken

Am Montag hatte sich die französische Grossbank BNP Paribas mit den US-Behörden auf eine Rekordstrafe von 8,97 Milliarden Dollar für Verstösse gegen US-Sanktionen geeinigt. Die Schweizer Grossbank Credit Suisse wurde im Mai zu 2,6 Milliarden Dollar wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung verdonnert.

(sda/me/vst)