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Wann ist die Krise überwunden?

Bei Ciba und Clariant stehen dieses Jahr die Verbesserung der Profitabilität und das Abfedern des hohen Ölpreises im Vordergrund. Bereits stehen weitere Restrukturierungen an. Beide Konzerne bleiben

Von valentin handschin
am 02.01.2008

Die Investoren der beiden Nordwestschweizer Spezialchemiefirmen haben kein gutes Jahr hinter sich. Der Kurs der Ciba-Aktie sank 2007 von 80 Fr. auf zuletzt knapp 50 Fr. und verlor damit fast 40% an Wert. Mitte November wurde bei 45 Fr. gar ein neues Allzeittief verzeichnet. Bei Clariant bietet sich ein ähnlich tristes Bild: Der Titel gab von 17.50 Fr. auf zuletzt gut 10 Fr. nach und verlor damit beinahe 45% an Wert.

Diese negative Entwicklung ist allerdings nicht neu. Der Langzeitvergleich zeigt, dass die Ciba-Aktie seit dem 1. Januar 1999 um insgesamt 55% zurückging, der Titel von Clariant gar um mehr als 80%.

Die unermüdlichen Chefs

Gleichzeitig betonen die jeweiligen Konzernleitungsgremien unermüdlich, dass der eingeschlagene Weg von Ciba respektive Clariant richtig sei – und langfristig betrachtet auch Erfolg haben werde. Bis jetzt hat sich dieser noch nicht eingestellt – obwohl beide Konzerne in der Vergangenheit Kosten reduziert, Personal abgebaut und Geschäftsbereiche abgestossen haben.

Es ist deshalb kein Wunder, dass sich bei Ciba und Clariant auch im laufenden Jahr alles um die Steigerung der Effizienz, die Überprüfung des Portfolios, die Möglichkeit von weiteren Einsparungen und die Überprüfung der langfristigen Strategie gehen wird. Denn momentan ist vielen Experten noch nicht klar, wie die beiden Unternehmen ihre Unabhängigkeit behalten können. Bei Ciba ist seit 1. Januar 2008 Brendan Cummins für diese Fragen zuständig. Der Ire arbeitet seit 1971 für den Konzern mit über 14000 Mitarbeitenden, seit 2005 als Chief Operating Officer. Er übernahm die Konzernleitung von Armin Meyer, der sein Doppelmandat aufgegeben hat und sich jetzt auf das VR-Präsidium beschränken will.

Cummins hat vor allem die Aufgabe, die ungenügende Profitabilität der Wasser- und Papierdivision von Ciba zu verbessern. Dieses Geschäft stellt mit 2,5 Mrd Fr. (2006) den grössten Teil des gesamten Umsatzes (6,4 Mrd Fr.) dar. Am 8. Februar 2008 werden dazu weitere Informationen erhältlich sein; an diesem Tag stellt Ciba die Resultate des Jahres 2007 vor.

Clariant-Chef Jan Secher will am 14. Februar 2008 über das vergangene Geschäftsjahr informieren. Auf das 1. Quartal 2008 hat er zudem neue Standortschliessungen und damit wohl auch den Verkauf unrentabler Geschäftsbereiche angekündigt.

Reduktion des Portfolios

Clariant (wo 2006 gut 21000 Mitarbeitende einen Umsatz von 8,1 Mrd Fr. erzielten) will auch die Zahl der angebotenen Produkte von 50000 auf 37500 senken. Damit will Secher die Kräfte konzentrieren und die Margen erhöhen.Branchenkenner bezweifeln aber, dass die bereits eingeleiteten Massnahmen genügen. Weil sich die gesamte Chemiebranche in einem globalen Konsolidierungsprozess befindet, könnten deshalb auch Ciba und Clariant die Unabhängigkeit verlieren. Analysten raten deshalb dazu, dass momentan nur spekulativ orientierte Investoren neu in die Titel einsteigen sollten. Mehrheitlich werden die Aktien mit «Halten» eingestuft. Ciba und Clariant müssen sich sputen, damit nicht auch das Jahr 2008 für ihre Anleger zu einem weiteren Jahr der Enttäuschung wird.

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