Nach einem Redkordgewinn im vergangenen Jahr nimmt US-Starinvestor Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway weitere grosse Zukäufe ins Visier. «Amerikas beste Tage liegen vor uns», erklärte der 83-jährige Buffett in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre. Zusammen mit seinem 90 Jahre alten Vize Charlie Munger sei er auf der Suche nach weiteren grossen Übernahmezielen - nach «Elefanten». Obwohl er auch im Ausland investiere, gebe es die grössten Möglichkeiten in Amerika.

Buffett hatte im vergangenen Jahr unter anderem 5,6 Milliarden Dollar für den amerikanischen Stromversorger NV Energy und 12,25 Milliarden Dollar für den Ketchup-Hersteller Heinz auf den Tisch gelegt. Bei weiteren Zukäufen sei es vorstellbar, dass sich Berkshire erneut mit einem Partner zusammen tun könnte - sowie wie das bei der Übernahme von Heinz der Fall war. Dafür hatte sich Buffett mit der Beteiligungsgesellschaft 3G zusammengeschlossen. Der Anteil von 50 Prozent, den Berkshire an Heinz hält, könnte sich erhöhen, wenn sich 3G zu einem Verkauf ihrer Anteile entschliessen würde, sagte Buffett.

Berkshire schloss das vergangenen Jahr mit 48,19 Milliarden Dollar in der Kasse ab. Damit hat Buffett erheblichen Spielraum für grössere Zukäufe und die Möglichkeit, ein grösseres Polster zur Sicherheit einzubehalten. Nach Einschätzung von Thomas Russo, Partner bei Gardner Russo & Gardner, der rund neun Milliarden Dollar verwaltet - davon stecken etwa elf Prozent in Berkshire - haben Munger und Buffett den Luxus, auf Gelegenheiten warten zu können. Das stärke die Strategie des Konglomerats.

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Rekordgewinn 2013

Der Gewinn von Berkshire Hathaway legte 2013 um 31 Prozent auf 19,48 Milliarden Dollar zu. Für das vierte Quartal wies die Beteiligungsgesellschaft einen Überschuss von 4,99 Milliarden Dollar aus - ein Plus von fast zehn Prozent.

Buffetts jährlicher Brief an die Aktionäre wird von seinen Anhängern mit Spannung erwartet. Er wird nicht nur von Anteilseignern und Investoren aufmerksam gelesen, sondern auch von Privatanlegern, die sich an den Entscheidungen des viertreichsten Mannes der Welt orientieren. Manche nennen ihn daher auch «Orakel von Omaha», nach seiner Heimatstadt in Nebraska.

Eher ungewöhnlich sind für ihn Fehlinvestitionen. In diesem Jahr räumte Buffett ein, einen grossen Fehler begangen zu haben. Er kaufte für zwei Milliarden Dollar Anleihen an dem Versorger Energy Future Holdings, der aber möglicherweise pleitebedroht ist. Buffett traf die Entscheidung alleine. «Die meisten von Ihnen haben noch nie von Energy Future Holdings gehört. Da können Sie sich glücklich schätzen. Ich wünschte, ich hätte auch noch nie was davon gehört», schrieb Buffett und versprach: «Das nächste Mal rufe ich Charlie an.»

Buffett führt Berkshire Hathaway seit 1965 und hat aus der Gesellschaft ein Imperium mit mehr als 80 Firmen geformt. Buffett signalisierte, dass er keine Pläne habe, das Unternehmen bald zu verlassen. Im kommenden Jahr wolle er im Aktionärsbrief ein Resümee seiner 50 Jahre bei Berkshire ziehen und einen Ausblick auf die Zukunft geben. Buffett hat in der Vergangenheit zwar immer wieder über seinen Nachfolger gesprochen, nie aber einen Namen genannt und lediglich verraten, dass die Kandidaten alle bei Berkshire arbeiteten und Männer seien.

(reuters/chb)