HANDEL THAILAND-SCHWEIZ. Vor allem mit zwei Problemen sehen sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Thailand und der Schweiz gegenwärtig konfrontiert. Einmal verteuert die starke thailändische Landeswährung, der Baht, Waren aus dem Land des Lächelns, anderseits werden auch Investitionen aus dem Westen in Thailand teurer.

Die Wirtschaft ist verunsichert

Das viel grössere Problem ist allerdings in der politischen Situation zu suchen. «Seit dem Sturz der Regierung Taksin durch das Militär herrscht in der Wirtschaft Unsicherheit», erklärt Niti K. Meyer, Präsident der Handelskammer Thailand-Schweiz, in Bangkok. Seit die Militärs das Sagen haben, wurden und werden verstärkt nationale Tendenzen spürbar. Sie finden Ausdruck in Gesetzen, mit denen beispielsweise die Investitionstätigkeit geregelt werden soll (Foreign Business Act). Meyer hofft auf eine Kurskorrektur nach den Wahlen im Dezember 2007, die wieder eine zivile Regierung ins Amt hieven sollen.

Schweizer Uhren bleiben gefragt

«Trotzdem kann man», so Meyer, «mit der Entwicklung des Handels zwischen Thailand und der Schweiz zufrieden sein, wenn auch die aktuellen Zuwachsraten nicht mehr so gross wie in früheren Jahren ausfallen.» Stark gefragt seien nach wie vor Schweizer Güter aus der Luxusbranche, in erster Linie Uhren. Im Bereich der Maschinenindustrie hingegen sei eher Stagnation, wenn nicht gar ein Rückgang der Aufträge festzustellen. Schweizer Textilmaschinen beispielsweise würden deutlich weniger nach Thailand exportiert als früher. Schweizer Konsumgüter aus dem mittleren Preissegment haben in Thailand kaum mehr eine Chance. Zwar ist der Mittelstand der thailändischen Gesellschaft in den letzten Jahren breiter geworden; die Konsumgüternachfrage zeigt denn auch steil nach oben. Doch in diesem Sektor haben Billigwaren aus den asiatischen Nachbarländern oder einheimische Produkte einen nicht wettzumachenden Preisvorteil.Das Land des Lächelns zieht dennoch weiterhin Unternehmer aus der Schweiz an. Vor allem mit Investitionen in Produktionsanlagen werde man in Thailand mit offenen Armen empfangen, betont Meyer. Wenn ein Unternehmer aus der Schweiz beabsichtige, in Thailand eine Fertigungsstätte einzurichten, die sich sowohl auf den Heim- wie auch den Exportmarkt konzentriere, könne er auf breite Unterstützung der zuständigen Regierungsbehörden zählen. Meyer: «Bewusst muss sich ein ausländischer Unternehmer jedoch immer sein, dass er in Thailand stets einen einheimischen Partner benötigt.» Die Handelskammer Thailand-Schweiz ist jederzeit bereit, beim Knüpfen von Kontakten behilflich zu sein. Nach wie vor sind Schweizer Fachleute in der Hotelbranche gerne gesehen. Allerdings machen die Thai-Behörden geltend, dass nicht für jeden Posten ein Ausländer willkommen ist. Denn in den letzten Jahren sind Einheimische ins Berufsleben getreten, die teilweise im Ausland studiert haben und sehr gut ausgebildet sind. Für sie reklamieren die Behörden Arbeitsplätze; deshalb muss jeder Arbeitgeber genau darlegen, warum er einen Ausländer und nicht einen Thai einstellen will. Entsprechend restriktiv sind die Vergabe von Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen.

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Finanzsektor schottet sich ab

Schwierig ist es für ausländische Investoren zudem, auf dem thailändischen Finanzsektor Fuss zu fassen. In den letzten zehn Jahren hat das sogenannte Finanz-Consulting einen kaum mehr zu überblickenden Aufschwung, um nicht zu sagen Wildwuchs, erlebt. Die Branche schafft wenig Arbeitsplätze oder bleibende Werte, heizt aber die Spekulation an. Deshalb wollte die Regierung Taksin diese Entwicklung bremsen. Es waren aber erst die Militärmachthaber, die hart durchgriffen und Gesetze auf den Weg brachten, die diesen Wildwuchs drastisch einschränken sollen. Allerdings haben Gesetze wie der Foreign Business Act den Nachteil, dass sie alle ausländischen Investitionen, auch für wichtige Industrieprojekte, schwieriger machen. Das Parlament hat deshalb vor einigen Wochen beschlossen, nach den Wahlen im Dezember die Bestimmungen nochmals zu überarbeiten. «Für ausländische Investoren heisst es also abwarten», gibt der Präsident der Handelskammer Thailand-Schweiz zu verstehen.

Tourismus ist nicht betroffen

Meyer hofft, dass die gegenwärtige Lage lediglich eine Übergangsphase darstellt und nach den Wahlen und der Bildung einer neuen Regierung wieder klare Verhältnisse und eine liberalere Stimmung für ausländische Unternehmer und Investoren herrschen werden. Nicht betroffen ist der Tourismus, der problemlos läuft und für 2007 Rekordwerten mit Schweizer Gästen entgegenläuft.

NACHGEFRAGT

niti k. meyer,

Die thailändische Währung hat einen Höhenflug hinter sich. Was sind Gründe für den starken Baht?

Niti K. Meyer:

Es sind grosse Geldmengen ins Land geflossen. Diese wurden vielfach im Bausektor investiert. Hier hat sich eine Spekulationsblase gebildet. Finanzexperten halten den Baht-Kurs gegenüber dem Dollar und Euro als viel zu hoch bewertet und verweisen auf die Gefahr eines Platzens der Spekulationsblase. Die Entwicklung hat Investoren auch in anderen Sektoren verunsichert, deshalb hat die Investitionstätigkeit ausserhalb des Bausektors nachgelassen. Sie ist aber immer noch beträchtlich. Setzt sich der Höhenflug der Thai-Währung fort?Meyer: Währungsexperten glauben, dass der Höhenflug des Baht nicht mehr im selben Mass weitergeht wie bisher, der Kurs aber hoch, also etwa auf dem heutigen Niveau, bleiben wird. Dass es in absehbarer Zukunft aufgrund von Spekulationen wieder zu einer Währungskrise wie vor zehn Jahren kommt, als der Baht fast 30 bis 40% seines Werts verlor, glaube ich jedoch nicht. Im Gegensatz zur Situation vor zehn Jahren ist heute die wirtschaftliche Lage viel stabiler, auch weil Anlagen von dauerhaftem Wert geschaffen worden sind.

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Ein weiteres Problem für die Investoren ist die Haltung der Regierung zum Patentschutz.

Meyer: Es war ein grosser Fehler der heutigen Regierung zu versuchen, den Patentschutz auszuhöhlen. Nichtregierungs-Organisationen – die NGO – haben in diesem Fall eine entscheidende Rolle gespielt, weil sie grossen Einfluss im Gesundheitsministerium haben. Sie haben versucht, den Patentschutz für hoch spezialisierte Herzmittel auszuhöhlen, obwohl diese Mittel gar nicht in grossen Mengen produziert werden können. Das hat den wirtschaftlichen Beziehung zum Westen allgemein, nicht nur zur Schweiz, geschadet. Es ist zu hoffen, dass nach den Wahlen im Dezember 2007 eine neue Regierung Korrekturen vornimmt.

In Thailand ist seit dem Putsch im letzten Jahr eine Militärregierung an der Macht. Wahlen finden im Dezember 2007 statt. Wird eine Zivilregierung einen neuen Kurs auch in der Wirtschaft steuern?

Meyer: Ich hoffe auf einige Kursänderungen. Die Wirtschaft ist verunsichert, weil der Eindruck entstanden ist, die Militärregierung setze eher auf starke Abschottung denn auf offene Märkte. Bei Auslandinvestitionen fährt die heutige Regierung einen restriktiven Kurs, was Thailand schadet, denn die Nachbarstaaten Kambodscha und vor allem Vietnam sind daran, mit liberalen Bestimmungen Gelder in ihre Länder zu leiten. Thailand muss aufpassen, dass es in einigen Jahren nicht von Vietnam überflügelt wird.

Niti K. Meyer (56)