1. Home
  2. Warum der Glencore-Chef seinen Glanz verliert

Novum
Warum der Glencore-Chef seinen Glanz verliert

Glencore-Chef Ivan Glasenberg: Plötzlich ungewöhnlich kleinlaut. Keystone

Bis jetzt hat Glencore-Chef Ivan Glasenberg das Rohstoffunternehmen fast im Alleingang gelenkt. Doch das scheint vorbei zu sein. Bei den jüngsten Sparmassnahmen geben die Aktionäre den Ton an.

Veröffentlicht am 08.09.2015

Ein Frühstückstreffen mit einer kleinen Gruppe von Hedgefonds in New York brachte Ivan Glasenberg in der vergangenen Woche Klarheit: die Investoren akzeptieren den notorisch optimistischen Ausblick des Konzernchefs von Glencore nicht mehr.

Das Treffen war der Abschluss zweiwöchiger Diskussionen mit Aktionären aus Nordamerika und Europa. Zuvor hatte der Schweizer Bergbaukonzern einen 56-prozentigen Gewinnrückgang gemeldet. Der Plan, die 30 Milliarden Dollar Schulden von Glencore bis Ende kommenden Jahres um zehn Prozent zu verringern, reichte nicht aus, um den Verfall des Marktwerts der Firma zu stoppen, der sich in diesem Jahr auf rund 17 Milliarden Pfund (23,3 Milliarden Euro) verringert und damit mehr als halbiert hat. Am gestrigen Montag kündigte das Unternehmen eine Strategie zum beschleunigten Abbau der Schulden an.

Angekratzes Image von Glasenberg

«Das ist mit Sicherheit das erste Mal, dass man den Eindruck hat, die Aktionäre geben den Ton an, nicht das Management», sagte Ben Davis, Bergbau-Analyst bei Liberum Capital Ltd. in London. «Bis jetzt haben viele im Markt Ivan für den smartesten Typen gehalten.»

Die Wende ist ein Novum für den 58-jährigen Milliardär aus Südafrika, der Glencore aus dem schläfrigen Schweizer Städtchen Zug heraus seit eineinhalb Jahrzehnten fast im Alleingang gesteuert hat.

Ungewohnt kleinlaut

Glasenberg, zweitgröster Glencore-Aktionär, war während einer Telefonkonferenz mit Analysten ungewohnt kleinlaut. Der neue Plan sieht einen Schuldenabbau von zehn Milliarden Dollar bis Ende nächsten Jahres, ein Aussetzen der Dividendenzahlungen, die Begebung neuer Aktien und den Verkauf von Vermögenswerten vor.

Der neue Ansatz sei eine Reaktion auf die fast durchweg ungünstige Einschätzung der Rohstoffpreise, die Investoren in Gesprächen zum Ausdruck gebracht hätten, berichtete eine informierte Person. Darauf sei das Glencore-Management nicht vorbereitet gewesen.

Glencore-Aktien haben nur begrenzten Wert

Analysten von Bank of America Merrill Lynch schrieben letzte Woche, in einem düsteren Szenario für Rohstoffe hätten Glencore-Aktien nur einen begrenzten Wert. Die Notierungen von Rohstoffen wie Kupfer oder Zink im Bloomberg Commodity Index fielen im August auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise.

«Nach Gesprächen mit Aktionären haben wir entschieden, die Bilanz wasserdicht zu machen», sagte Glasenberg in der Telefonkonferenz. «Erwarten wir selbst, dass die Rohstoffpreise für längere Zeit auf den genannten Niveaus bleiben werden? Nein.»

Börsenturbulenzen machten Druck

Glasenbergs Entscheidung ist auch eine Reaktion auf die Marktturbulenzen der letzten Wochen und Monate. Die Glencore- Aktie hat soeben ihren stärksten Wochenverlust aller Zeiten erlitten, die Kreditausfall-Swaps des Unternehmens erreichten am Freitag ein Dreijahres-Hoch.

Am Tag der Bekanntgabe des Entschuldungsplans legte die Aktie sieben Prozent zu. Seit Jahresbeginn hat die Glencore- Aktie rund 54 Prozent verloren.

(bloomberg/dbe/gku)

Anzeige