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Herausforderungen
Warum der Kursrausch der Credit Suisse übertrieben ist

Credit-Suisse-Chef Brady Dougan: Die Bank will ihre Bilanz drücken. Keystone

Nach wenig berauschenden Zahlen steigt der Aktienkurs der Credit Suisse um 10 Prozent. Das ist rational kaum erklärbar. Denn die Herausforderungen der zweitgrössten Schweizer Bank sind gewaltig.

Von Dominic Benz
am 12.02.2015

Kaum eine SMI-Aktie hatte von Jahresbeginn bis gestern heftiger verloren als jene der Credit Suisse. Bereits vor dem SNB-Entscheid Mitte Januar ging es steil bergab. Kurz vor Veröffentlichung der heute vorgelegten Jahreszahlen war die Angst vor einer Enttäuschung ebenfalls gewaltig: Denn die heute erlebte Kursexplosion um 10 Prozent bis Handelsschluss zeugt von einer grossen Erleichterung – die rational allerdings kaum zu erklären ist.

Zwar lieferte die Bank vom Zürcher Paradeplatz auch positive Nachrichten. In der Summe aber sind die Risiken noch immer gross. Insgesamt fiel das Ergebnis der Credit Suisse wenig überzeugend aus. Operativ habe die Bank keine guten Zahlen geliefert, sagt Andreas Brun, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Für ihn ist daher klar: «Die Kursbewegung hat mit den Geschäftszahlen nichts zu tun.» Treiber hinter dem Anstieg an der Börse sei vor allem die Dividende.

Dividende als Lichtblick

Zwar ist die Ausschüttung von 70 Rappen pro Aktie unverändert. Doch die Credit Suisse zahlt die Dividende in bar aus und nicht wie befürchtet in Form neuer Aktien. Ausserdem hatten viele Analysten eine Kürzung erwartet, da das Geldhaus schwächer kapitalisiert ist als viele andere europäische Konkurrenten. Experten werten die Dividende denn auch als kleine Sensation.

«Nun könnten auch Deckungskäufe eingesetzt haben», sagt er. In der Börsensprache heisst das: Anleger greifen bereits bei ersten positiven Nachrichten zu und legen sich früher bewährte Aktien wieder ins Portfolio. Daneben überzeugte womöglich auch die Rhetorik von Brady Dougan. Mit einem Bündel von Massnahmen wie etwa der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland will der Konzernchef das zweitgrösste Schweizer Bankhaus auf Kurs halten.

Zudem stutzt er das riskante Investmentbanking weiter zurecht, um absehbare schärfere Vorschriften der Regulatoren vorweg zu nehmen. Damit reagiert Credit Suisse deutlich entschlossener als der Schweizer Rivale UBS auf die Herausforderungen für 2015. Das kommt am Markt – zumindest heute – gut an. «Die Bank signalisiert, dass beim Aufbau des Eigenkapitals aufs Gas drücken will», sagt ZKB-Mann Brun.

Verschärfte Eigenkapital-Vorschriften

Allerdings könnten die Anleger aber schon bald ihre Freude an der Aktie wieder verlieren. Die Baustellen bei der Credit Suisse sind nach wie vor gross. Ein Problem ist vor allem die Eigenkapitalquote. Im Fokus steht das Verhältnis des Kapitals zur Bilanz, der sogenannten Leverage Ratio. Die Bank wies für Ende 2014 knapp 2,5 Prozent aus.

Doch die Vorschriften der Regulatoren verschärfen sich zunehmend. International zeichnet sich ab 2018 eine Standard-Quote von 3 Prozent ab. Credit-Suisse-Chef Brady Dougan will diese Marke schon Ende 2015 erreichen. Experten rechnen zudem damit, dass auch die Schweiz die Eigenkapital-Vorschriften im laufenden Jahr verschärft und höhere Kapitalpuffer vorschreibt. «Wir erwarten, dass die Kernkapitalquote für die Schweiz in den kommenden Wochen oder Monaten auf 3,5 Prozent gehoben wird», sagt Analyst Brun.

Dougan will Bilanz kräftig stutzen

Um seine Ziele zu erreichen, will Dougan wie heute angekündigt die Bilanz kräftig reduzieren. Ende 2014 hielt die Bank knapp 1200 Milliarden Franken in den Büchern. Ende des laufenden Jahres sollen gut ein Fünftel oder 250 Milliarden Franken verschwinden. Wie das Dougan genau machen will, ist unklar. Die Bank wird wohl oder übel dazu gezwungen sein, wichtige Geschäfte zu veräussern. Damit würden weitere Gewinne wegfallen, die dem Eigenkapital zugute gekommen wären.

Ein weiteres Problem für das Institut sind die massive Franken-Aufwertung und die Strafzinsen der Notenbank. Sie zwingen die Credit Suisse zu Kosteneinsparungen. Doch Dougans Ziele sind auf dünnem Eis gebaut. Die genannten Herausforderungen könnten dem Konzernchef einen Strich durch die Rechnung machen. «Eine zu grosse Kapitallücke würde die Credit Suisse schwer belasten, da die Aktionäre in der Regel sofortige Verbesserungen sehen möchten.»

Risiko bei Rechtsstreitigkeiten

Ein Risiko besteht zudem durch Rechtsstreitigkeiten. Dougan betonte heute zwar, dass die Bank nicht in die grossen Fälle wie etwa dem Libor- oder Devisenskandal verwickelt ist. Dennoch steht mit der Affäre um den Verkauf von verbrieften Immobilienpapiere ein Urteil aus. Grundsätzlich werde der Credit Suisse niedrige Rechtsrisiken attestiert, sagt Andreas Brun. «Eine negative Überraschung schliessen wir aber nicht aus.»

(mit Material von Reuters)

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