Den A-Post-Brief bringen und das Päckli abholen - und gleich noch ein Schoggistängeli oder sonst eine Schleckerei kaufen. Das war einmal. Denn die Schweizerische Post hat nach einem Pilotversuch entschieden, das Angebot an Drittprodukten in ihren Filialen wieder neu zu mischen.

«Rund ein Fünftel vom Sortiment fällt weg», sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler. Verbannt wird nicht nur der Minikiosk mit Süssigkeiten und Snacks. Auch in den Bereichen Heimelektronik, Spielwaren sowie Auto- und Haushaltsartikel setzen die Manager den Rotstift an. Verkauft werden weiterhin Bücher, Papeterieartikel und Geschenkkarten. Ab erstem Quartal 2016 erfolgt die Umsetzung gestaffelt.

Defizitäres Filialnetz

Die Neuausrichtung überrascht. Denn der Verkauf von Drittprodukten ist ein wichtiger Ertragspfeiler für die Post. Jährlich spülen Schokoriegel und Co. rund 500 Millionen Franken in die Kasse. Damit konnte in den letzten Jahren das Defizit im Filialnetz gestopft werden, welches das rückläufige Kerngeschäft mit der Brief- und Paketpost verursacht. Jährlich weisen die Poststellen einen Verlust von rund 100 Millionen Franken aus.

Mit dem neuen Sortiment wird die Post massive Umsatzeinbussen erleiden. Das weiss auch der gelbe Riese. «Es ist davon auszugehen, dass wir die Umsatzzahlen der letzten Jahre nicht mehr erreichen werden», so Flüeler.

Gezielter einkaufen

Mit der Neuausrichtung möchte sich die Post jedoch neu positionieren. «Es gab im Sortiment für den Kunden keine klare Ausrichtung» sagt Flüeler. Die Vielzahl an Drittprodukten habe zu einer grossen Unübersichtlichkeit geführt.

Künftig sollen die Kunden genauer wissen, was sie in einer Filiale erwartet. «Wir wollen jetzt Produkte, die besser zur Post passen.» Die Post hofft, mit einem klareren Sortiment das erwartete Minus auffangen zu können. Der Kunde soll bei der Post gezielter einkaufen. «Wenn wir uns sauberer und klarer positionieren, kann das in den einzelnen Segmenten zu mehr Umsatz führen», sagt Flüeler.

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Starker Gegenwind

Letztlich dürfte sich die Post der häufigen Kritik gebeugt haben, die von vielen Seiten auf sie einprasselte. Der Konsumentenschutz beanstandete, dass es nicht zum Kerngeschäft eines Staatsbetriebes gehöre, Süssigkeiten und Snacks zu verkaufen. Und der Gewerbeverband nörgelte, dass die Post als Monopolistin mit den Drittprodukten die Kleinbetriebe verdränge.

Auch aus der Politik kam Gegenwind. So hatte die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrats Ende März ein Postulat mit dem Titel «Massvolles Angebot an Drittprodukten durch die Schweizerische Post» eingereicht. Ebenso liegt eine parlamentarische Initiative des SVP-Manns Rudolf Joder vor, der dem «Krimskrams»-Wucher bei der Post ein Ende setzen will.

Mehrere Veränderungen

Die Post will aber nicht nur das Angebot von Drittprodukten anpassen. «Derzeit sind mehrere Pilotversuche am Laufen», sagt Post-Sprecher Flüeler. Diese betreffen etwa die Öffnungszeiten oder einzelne Postgeschäfte, die nur noch an bestimmten Schaltern zu erledigen sind. «In naher Zukunft wird es aufgrund des veränderten Kundenverhaltens weitere Veränderungen bei der Post geben», so Flüeler.