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Ökonomen-Ranking
Warum die Wirtschaftsforschung eine Männerdomäne ist

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Verhaltensökonom Ernst Fehr fragt: «Wieso gibt es so wenig Ökonominnen?»Quelle: Keystone .

Ernst Fehr ist der einflussreichste Schweizer Ökonom. Er erklärt, wieso es nur eine Frau in das Ranking 2018 schafft.

Von Claudia Gnehm («Blick»)
am 05.09.2018

Grosse Ehre für Wirtschaftsprofessor Ernst Fehr (62) von der Universität Zürich. Er belegt den ersten Platz im jüngsten Ökonomen-Einfluss-Ranking der Neuen Zürcher Zeitung. Hinter ihm folgen der Freiburger Professor Reiner Eichenberger (57) und der Glücksforscher Bruno S. Frey (76) vom Zürcher Forschungszentrum Crema.

Ins Auge sticht: In das Ranking mit 38 Wirtschaftsforschern schaffte es nur eine Frau. Monika Bütler (57), Professorin für Volkswirtschaftslehre von der Universität St.Gallen. Gibt es zu wenig Frauen, die Ökonomie studieren, oder ist es vielmehr das Problem, dass sie nachher nicht genug gefördert werden?

Professorinnen lehnen Angebote ab

Selbst Verhaltensökonom Ernst Fehr gelingt es offenbar nicht, mehr Frauen zu befördern. An seiner Fakultät an der Uni Zürich arbeitet mit Dina Pomeranz (41) nur eine einzige Professorin in einem Meer von Professoren.

«Die Volkswirtschaftslehre ist immer noch eine ziemlich männerlastige Disziplin», sagt Fehr. Es machten erheblich mehr Männer als Frauen das Doktorat, welches ein Voraussetzung für eine spätere Professur sei.

Zwar gibt es in seinem Departement einen Beschluss für besondere Bemühungen, um Frauen für Professorenstellen zu gewinnen. Doch hat dies bisher nicht gefruchtet. «Wir haben in den letzten Jahren mehrfach Angebote für Professuren an Frauen gemacht», so Fehr. Doch da derzeit sehr viele Departments international um eine kleine Zahl von Frauen im Wettbewerb seien, hätten die Frauen die Angebote aus Zürich bisher ausgeschlagen.

Grosses Hoffen auf Zusage von «exzellenter Frau»

Allerdings ist Fehr gerade jetzt guter Hoffnung. «Momentan ist wieder ein Berufungsverfahren im Gang, bei dem eine exzellente Frau unsere Wunschkandidatin wäre», führt er aus. «Hoffen wir, dass es diesmal klappt.»

Als kleinen Erfolg verbucht Fehr, dass im November Anne Brenoe eine Assistenzprofessur in seinem Departement annimmt.

An Ökonominnen mangelt es aber nicht, aber sie werden zu wenig beachtet. Neben Dina Pomeranz von der Universität Zürich sind Arbeitsmarktökonomin Conny Wunsch (41) von der Universität Basel und Ökonomieprofessorin Patricia Funk von der Università della Svizzera italiana zwei weitere unter vielen Beispielen von Topfrauen in der Volkswirtschaftlehre.

Deutschland mit leicht mehr Ökonominnen

Im nördlichen Nachbarland sind Ökonominnen zwar ebenfalls rar. Doch unter den 101 einflussreichsten Ökonomen Deutschlands 2018 befinden sich immerhin sieben Frauen, wie die FAZ gleichzeitig mit der NZZ bekannt gab. Die Rankings der einflussreichsten Ökonomen basieren auf dem Renommee und der Anzahl Publikationen der Wissenschaftler in Medien, Politik und Forschung.

Dieser Text erschien zuerst im Wirtschaftsressort vom «Blick» unter der Überschrift «Wieso gibt es keine Ökonominnen?»

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