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Warum Facebook eine Milliarde für Instagram zahlt

Schon 30 Milllionen Nutzer: Instagram auf dem iPhone. (Bild: Keystone)

Facebook kauft Instagram für 1 Milliarde Dollar. Warum der Online-Fotodienst für das soziale Netzwerk so wertvoll ist, erklärt Vontobel-Analyst Andy Schnyder - und sagt, wo Facebook in Zukunft zuschla

Veröffentlicht am 10.04.2012

Facebook zahlt 1 Milliarde Dollar für Instagram – will Mark Zuckerberg vor dem Börsengang im Mai noch einmal die Muskeln spielen lassen?

Andy Schnyder: Ich denke nicht, dass das nötig ist. Die Welt weiss schon, was für ein Potential Facebook hat, oder wird es zumindest sehr schnell merken.
 
Warum steckt Facebook dann so viel Geld in ein Unternehmen, das nur ein Dutzend Mitarbeiter hat und kaum Umsatz macht

Um die Community zu übernehmen und um zu verhindern, dass eine andere starke Community ausserhalb von Facebook entsteht. Instagram hat 30 Millionen User auf den iPhones und ist seit einigen Tagen auch für Android-Smartphones erhältlich. Laut einer Studie wurden im vergangenen Jahr bereits rund 27 Prozent aller Fotos und Videos mit Smartphones geschossen, nach 17 Prozent im Jahr 2010. Dieser Prozentsatz wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Da ist es für Facebook sehr wichtig, die Nummer eins der Bearbeitungs- und Hochlade-Plattformen auf mobilen Geräten zu sein.
 
Instagram wird als potentieller Facebook-Rivale bezeichnet – ist das nicht übertrieben?

Facebook hat kein Bildbearbeitungstool und Instagram ist beim Online Sharing von Fotos sicherlich ein Konkurrent. Wichtig ist: Bei Instagram sind automatisch alle Fotos online zu sehen, die man mit dem Programm bearbeitet - vordergründig für Personen, die einem folgen. Diesen Automatismus kennt Facebook nicht und dies macht Instagram als Übernahmeziel attraktiv. Fotos sind einer der wichtigen Gründe, wieso Menschen Zeit auf Facebook verbringen - laut einer Studie der kanadischen Social Media Agentur Popcorn werden pro Minute 136'000 hochgeladen. Perfect fit - doch angesichts der Grösse und des geringen Umsatzes von Instagram kann man sicherlich nicht von einem Schnäppchen reden.

Andy Schnyder, Equity Analyst bei Vontobel (Bild: ZVG)

Mark Zuckerberg sagt, weitere Zukäufe «dieser Art» werde es wenige oder gar nicht geben. Das ist sehr schwammig. Wird Facebook weiter auf Einkaufstour gehen?

In einer ersten Phase nach dem Börsengang wird es eher wenige solcher «Facebook-fremden» Grossakquisitionen geben. Im Moment muss Facebook zuerst einmal sein Wachstum verdauen. Das wird sich sicherlich mit den Jahren ändern. Bis dahin erwarte ich aber weitere kleinere Erweiterunsakquisitionen, von denen es circa 30 in den vergangenen beiden Jahren gegeben hat.

In welchen Bereichen?

Erstens im Bereich Technologie: Facebook kauft Start-Ups mit erfolgversprechenden Online-Marketing-Technologien. Zweitens im Bereich Design und Programmierung: Das Design wird ständig angepasst und die Funktionalität erweitert, wie etwa die Timeline zeigt. Um sich im hart umkämpften Markt im Sillicon Valley entsprechende Talente zu sichern, übernimmt Facebook laufend kleine Unternehmen. Drittens im Bereich der Facebook nahestehenden Firmen: Facebook wird sich das nächste Zynga wohl nicht mehr durch die Lappen gehen lassen und die eine oder andere Unternehmung kaufen, die mit Facebook ihr Geld verdient.

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