Roche hat dieses Jahr Krebsmedikamente für über 20 Mrd Fr. verkauft. Das Unternehmen hat sich in der Onkologie als weltweiter Marktleader etabliert. Novartis liegt mit einem Krebsmittelumsatz von unter 10 Mrd Fr. zwar auf Platz zwei, aber weit abgeschlagen.

Das will Novartis-Lenker Daniel Vasella ändern. Er forciert die Onkologie. Noch diesen Monat will Novartis für die beiden Krebsmittel Tasigna und Zometa in Europa und den USA eine Erweiterung der Zulassung beantragen, und 2010 sollen fünf weitere Zulassungsanträge folgen.

Die Rechnung geht auf

Es erstaunt nicht, dass sich Novartis auf den lukrativen Krebsmittelmarkt fokussiert. Es stellt sich die Frage, warum dies nicht schon viel eher geschehen ist.

Luis Correia, Analyst bei der Privatbank Clariden Leu, nennt gleich mehrere gute Gründe für die neue Strategie: Erstens bestehe ein hoher medizinischer Bedarf und der Erfolg, die Lebensverlängerung, sei messbar. «Zudem haben die Pharmafirmen ein gutes Argument, um hohe Preise durchzusetzen. Sie sagen, dass neuere Krebsmittel helfen, Gesundheitskosten zu sparen, weil man damit den Spitalaufenthalt hinauszögern kann.» Und weiter: «Die Erfahrung zeigt, dass die Zulassungsbehörden bei Nebenwirkungen oft ein Auge zudrücken, wenn es um lebensverlängernde Mittel geht.»

Anzeige

Zentraler Auslöser für die neue Ausrichtung dürfte das ablaufende Patent für den Novartis-Kassenschlager, das Bluthochdruckmittel Diovan, sein. Der Konzern muss den absehbaren Umsatzeinbruch kompensieren. Aber der Abstand zu Roche ist wohl nicht so rasch aufzuholen: «Wir sind die Nummer eins und wollen unsere Position weiter ausbauen», sagt Roche-Sprecherin Claudia Schmitt.