Der Exklusivvertrieb des iPhones ist auch in der Schweiz gescheitert. Hierzulande werden mit Swisscom, Orange und Sunrise höchstwahrscheinlich alle drei Mobilfunkanbieter das Style-Gadget ins Sortiment aufnehmen. Zumindest hat Sunrise nach einem Bericht der «SonntagsZeitung», welchen das Unternehmen nicht dementiert, nun ebenfalls einen Vertrag mit Apple vorliegen. Damit ist der ursprüngliche Plan der Swisscom im Eimer, sich ein Alleinstellungsmerkmal für eine Imagepolitur zu angeln.

Bei Swisscom gibt man sich trotzdem gut gelaunt: «Wettbewerb belebt das Geschäft», so Mediensprecher Carsten Roetz. Für den Marktführer liegt einiges drin. Dies lässt sich aus den Zahlen der geknackten iPhones, die in der Schweiz im Umlauf sind, schliessen: Von über 40000 Geräten werden rund 25000 auf dem Swisscomnetz genutzt. Experten schätzen das Potenzial für den offiziellen iPhone-Vertrieb auf 110000 bis über 150000 Stück in einem Jahr. Dies entspricht in etwa den Verkaufszahlen des seinerzeit ebenfalls als Kultobjekt gehandelten Motorola Razr.

Gecrackte Telefone verlieren

«Für Normalkunden dürfte ein offizielles iPhone immer noch die attraktivere Variante statt eines gecrackten Gerätes sein», sagt Andreas Göldi, Internetpionier und Gründer des IT- und Web-Dienstleisters Namics. Denn auf den iPhones des Graumarktes können neue Software-Versionen nur über Umwege hochgeladen werden. Das übersteigt die Kenntnisse vieler IT-Laien. Wenn ab Juni 2008 Anwendungen von Drittanbietern fürs iPhone auf den Markt kommen, dürfte dieser Punkt deutlich an Bedeutung gewinnen.

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Konkurrenz ist in Europa gross

Trotzdem ist zu erwarten, dass das iPhone in der Schweiz – wie in Resteuropa – weniger Erfolg haben wird als in den USA. Denn zum einen spielen Konkurrenten in Nordamerika eine kleinere Rolle als in Europa, wo Nokia, SonyEricsson, Samsung, LG und HTC im Lifestylebereich einen unerbittlichen Kampf um Marktanteile führen. Zum anderen tolerieren die europäischen Kunden Schwächen wie fehlende UMTS-Funktionen, MMS-Inkompatibilität oder die Tatsache, dass der Akku nicht gewechselt werden kann, weniger. «Grosse technologische Sprünge werden zudem beim iPhone nicht mehr drin liegen», glaubt Ralph Beyeler, Telekomspezialist beim Vergleichsdienst Comparis. Denn Zusatztools wie GPS würden das Designobjekt zu stark verteuern.

Attraktive Preispläne werden deshalb das zentrale Verkaufsinstrument für die Apple-Telefone sein. Dass die Schweizer Anbieter heftig daran arbeiten, zeigt die Tatsache, dass derzeit weder Swisscom noch Orange oder Sunrise über die Verkaufskonditionen sprechen wollen.

Hintanstehen könnte Apple: Seine konzipierten Spezialabos sahen vor, dass die vertreibende Telekomfirma bis zu 30% des iPhone-Kauf- und User-Umsatzes zurückfliessen lässt. Daran haben die Schweizer Anbieter wenig Interesse. So meint Orange-Sprecherin Therese Wenger: «Wir sagten nie, es sei wichtig, ein spezielles iPhone-Abo verkaufen zu können.»