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Übernahme
Warum Roche 8,3 Milliarden Dollar für Intermune zahlt

Roche in Basel: Die Schweizer zahlen 8,3 Millionen Dollar für Intermune.   Bloomberg

Der Kauf des US-Lungenspezialisten durch die Basler lässt aufhorchen. Denn Intermune häuft Verluste an. Doch die Firma hat schon wichtige Hürden genommen, um bald zum Roche-Gewinn beizutragen.

Von Gabriel Knupfer
am 25.08.2014

Die jüngste Übernahme von Roche wirft auf den ersten Blick einige Fragen auf. Satte 8,3 Milliarden Dollar zahlen die Basler für Intermune – ein Unternehmen, das lediglich ein Produkt verkauft. Doch diesem einzigen Wirkstoff der kalifornischen Firma – Pirfenidon – schreiben Experten riesiges Potenzial zu. Um Intermune war deshalb in den vergangenen Monaten ein regelrechter Bieterwettbewerb entbrannt.

«Pirfenidon ist das einzige Medikament welches die Überlebenschance von Lungenfibrose-Patienten erhöht», sagt Roche-Finanzchef Alan Hippe. Von der seltenen und in der Regel tödlichen Krankheit, bei der die Lunge sukzessive zerstört wird, sind nach Schätzungen von Roche in Europa und den USA je rund 100'000 Menschen betroffen. Kein kleiner Markt, bei Behandlungskosten von 40'000 bis 50'000 Franken pro Person und Jahr. Roche-Geschäftsleiter Severin Schwan nannte die Übernahme in einer Telefonkonferenz am Montagnachmittag eine «einmalige Chance für Roche, die Lungenmedikament-Sparte zu stärken».

Intermune: 125 Millionen Dollar Verlust im ersten Halbjahr

In Europa ist Pirfenidon seit 2011 unter dem Namen Esbriet erhältlich. 2012 erfolgte die Zulassung in Kanada. Gewinn hat Intermune mit dem Medikament zuletzt jedoch noch kaum gemacht. Im ersten Halbjahr 2014 fuhr die Firma bei einem Umsatz von 66 Millionen Dollar insgesamt 125 Millionen Dollar Verlust ein.

Erst die offenbar in Kürze bevorstehende Zulassung in den USA macht Pirfenidon zur potenziellen Goldgrube. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA verlieh dem Medikament in diesem Frühjahr nach neuen Tests den Status der «Breakthrough-Therapy» – und weckte so Begehrlichkeiten bei vielen Pharmaunternehmen. Denn die Zulassung dürfte damit wohl noch in diesem Jahr erfolgen.

Sanofi, GlaxoSmithKline und Actelion bemühten sich ebenfalls

Die Verlagerung von Roche von der Onkologie (Krebsforschung) in den Bereich der seltenen Krankheiten macht aus Sicht von Analystin Lilian Montero Sinn. In diesem Bereich sind die Renditen überdurchschnittlich hoch. Intermune sei hier besonders interessant. «Die Hürden für die US-Zulassung sind ziemlich hoch und Intermune hat nach den klinischen Tests gute Aussichten.» Dies bedeute, dass «die Chancen gering sind, dass das Medikament bald namhafte Konkurrenz erhält.»

Die niedrigen Zinsen befeuerten den Bieterwettstreit zuletzt zusätzlich. «Geld kostet im Moment nichts», erklärt Health-Care Analystin Lilian Montero von Julius Bär das aktuelle Fusionsfieber in der Pharmaindustrie. Um Intermune hatten laut Medienberichten neben Roche internationale Wettbewerber wie Sanofi, GlaxoSmithKline und Actelion gebuhlt. Es sei offensichtlich, dass Roche mit der Übernahme eine klare Strategie verfolge, so die Analystin. «Roche hat sich bisher sehr diszipliniert gezeigt.» Die Chancen stünden denn auch gut, dass sich die Investition auszahle.

Gewinn ab 2016

Bereits 2016 soll Pirfenidon zum Konzerngewinn beitragen, sagt Roche-Chef Severin Schwan. Schon 2019 könnte das Medikament einen Umsatz von einer Milliarde erwirtschaften, schreibt das Newsportal Bloomberg. Vieles wird allerdings davon abhängen, ob Intermune tatsächlich der einzige Player im Bereich der Lungenfibrose bleibt. Der deutsche Böhringer-Ingelheim-Konzern hat 2014 nämlich ebenfalls ein Zulassungsgesuch für ein eigenes Medikament in diesem Nischenmarkt eingereicht.

Die Aktionäre zeigten sich bisher zurückhaltend. Der Roche-Genussschein legte bis zum Börsenschluss (17.30 Uhr) um 0,7 Prozent zu.

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