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Warum sich für Novartis der Abschied von Alcon lohnt

Joe Jimenez: Sein letzter grosser Auftritt als Konzernchef steht bevor. Keystone

Der wohl letzte grosse Auftritt von Joe Jimenez als Novartis-Chef steht bevor. Gibt er dabei den Abschied von Alcon bekannt? Gewichtige Gründe sprechen für die Trennung von der Milliardentochter.

Von Seraina Gross
am 23.10.2017

Es wird womöglich der letzte grosse Auftritt von Joe Jimenez als Konzernchef: die Präsentation der Quartalszahlen von Novartis am Dienstag. Die spannende Frage dabei ist dabei, wird CEO Jimenez den Schlusspunkt nutzen und sich auch von Alcon verabschieden?

Es gilt als gut vorstellbar, dass Novartis sich von der Augeneheilsparte trennen wird, für die der Pharmariese bis 2010 rund 50 Milliarden Dollar gezahlt hat. Dafür spricht die Fokussierung auf das Pharmageschäft, die der Konzern vorgenommen hat, seit Jörg Reinhardt vor vier Jahren als Verwaltungsratspräsident übernahm. Dazu passt das Geschäft mit augenchirurgischen Instrumenten nicht mehr so recht.

Alcon drehte zu stark an der Kostenschraube

Und es sprechen noch andere Gründe dafür, dass man sich in Basel nicht länger mit einer Sparte belasten will, die kaum Synergien mit dem restlichen Geschäft hat. Die Begeisterung gegenüber Alcon hielt sich in Basel immer in Grenzen. In den Anfangsjahren spülte das Geschäft zwar hübsch Geld in die Kasse; dann aber zeigte sich, dass man in Houston zu stark an der Kostenschraube gedreht hatte und in Folge Kundendienst und Innovation litten.

Ausserdem wird die Digitalisierung der Konzernspitze viel abverlangen, die in der Pharmaindustrie erst richtig an Fahrt gewinnt. Auch in Sachen Innovation wird es nicht einfacher werden. Der Druck steigt. Wer heute ein neues Präparat durch die Zulassung bringen will, der muss beweisen, dass es gegenüber dem etablierten Therapiestandard auch tatsächlich einen Mehrwert bringt.

Bleibt die Frage, wie die Trennung vollzogen werden kann. Im Vordergrund steht die Möglichkeit eines Spin-Offs über den Kapitalmarkt. Das heisst, die Sparte würde ganz oder teilweise an die Börse gebracht werden. «Ein Spin-off scheint noch immer wahrscheinlich», schreibt Beratungsunternehmen Kepler-Cheuvreux in einer Einschätzung.

Vieles spricht für einen Börsengang

Für einen Börsengang sprechen die fetten Preise, die für Assets im Pharma- und Medizinalbereich zur Zeit bezahlt werden. Wir erinnern uns: Jean-Paul Clozel hat seine Actelion im Frühling für satte 30 Milliarden Dollar an Johnson & Johnson gebracht. Kite Pharma, ein kalifornisches Biotechunternehmen mit geringem Umsatz, ging vor wenigen Wochen für 12 Milliarden Dollar an seinen grösserem Biotechbruder Gilead.

Und selbst wenn die Investoren Novartis nicht die Bude einrennen sollten: Ein Börsengang hat immer den Vorteil, dass er abgeblasen werden kann, sollte die eingespielte Summe nicht den Vorstellungen des heutigen Alcon-Eigners entsprechen.

Als wenig wahrscheinlich gilt der Verkauf an ein anderes Unternehmen. Als möglicher Käufer käme zwar Bausch & Lomb in Frage. Unsicher ist aber, was der Zusammenschluss mit den New Yorkern an kartellrechtlichen Friktionen mit sich brächte. Ebenfalls denkbar wäre, dass Johnson & Johnson zuschlägt. Doch dagegen spricht die Actelion-Übernahme, die auch ein Koloss wie J&J nicht von heute auf morgen verdaut.

Eine Kehrtwende müsste Jimenez gut begründen

Und was, wenn Novartis doch an Alcon festhält? Das Geschäft hat immerhin im zweiten Quartal wieder Fuss gefasst – eine Entwicklung, die sich im dritten Quartal fortsetzen dürfte. So lässt sich argumentieren: Wenn Novartis schon die Rechnung für den Turnaround berappt hat, dann soll das Unternehmen auch bei der Ernte mit am Tisch sitzen.

Allerdings müsste Joe Jimenez in diesem Fall glaubhaft machen können, warum Novartis jetzt doch wieder der richtige Besitzer für Alcon ist, nachdem er just dies über zwei Jahre in Frage gestellt hatte. Ganz abgesehen davon, dass sich auch die Möglichkeit böte, durch die Beteiligung an einer kotierten Alcon vom Wiederaufschwung zu profitieren.
 

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