Trotz Quartalsverlust und Aschewolke will die Swiss den Vorjahresgewinn von 146 Mio Fr. toppen. «Unser Gewinn soll 2010 über 2009 liegen. Wir halten am Gewinnziel fest. Aber es wird schwer», räumt Harry Hohmeister, CEO der Swiss, im Gespräch mit der «Handelszeitung» ein. Kein leichtes Vorhaben, das sich die Swiss vorgenommen hat. «Dem stimme ich absolut zu», gibt Hohmeister zu.

Im Grunde könnte die Lufthansa-Tochter ihre Guidance revidieren, ohne dass ihr dies verübelt würde. Das macht sie laut Hohmeister nicht: «Weil wir das Geld brauchen. Sonst muss ich irgendwann doch sagen, wir müssen uns von einem Teil unserer strategischen Zielsetzung verabschieden.» Das will er nicht. «Flotten- und Produkterneuerung, Service- und Qualitätsverbesserung, vor allem aber Arbeitsplatzsicherung und -ausbau, sind mit Investitionen verbunden.» Diese haben es in sich: «Wir haben 2009 über 500 Mio Fr. investiert. 2010 werden es über 600 Mio Fr.», sagt Hohmeister. Auch in den nächsten Jahren werde die Swiss Investitionen im dreistelligen Millionenbereich tätigen. «Um dies refinanzieren zu können, müssen wir Geld verdienen, sonst kommen wir in eine Abhängigkeit von einem Kapitalgeber. Das wollen wir nicht, da wir als Firma weiter eigenständig handeln wollen.»

Viele Aschewolken wären zu viel

Erstmals beziffert Hohmeister den finanziellen Ausfall nach dem Vulkanausbruch auf Island: «Wir haben auf der Erlösseite ungefähr 60 Mio Fr. verloren, das sind knapp 20% der Umsätze im April. Das ist natürlich nicht so einfach zu verkraften beziehungsweise zu kompensieren.» Die Auswirkungen auf das Ergebnis kann er noch nicht beziffern: «Das wird im mittleren, zweistelligen Millionenbereich liegen.» Infolge der tagelangen Luftraumsperre über Europa sind die Passagierzahlen der Swiss im April um 16% auf unter 1 Mio gefallen.

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Wie das vergangene Wochenende gezeigt hat, speit Islands Vulkan wieder. Wie viele Aschewolken kann die Swiss verkraften? Hohmeister denkt laut: «Wenn uns das dieses Jahr noch zwei-, dreimal passiert, dann ist das Ergebnis weg. Käme der Flugverkehr in Europa sogar über mehrere Wochen zum Stehen, könnte dies auch für uns existenzgefährdend werden. Aber das ist rein spekulativ, daran wollen wir gar nicht denken.»

Schon bald aus den roten Zahlen

Hohmeister rechnet damit, schnell wieder aus den roten Zahlen fliegen zu können: «Ein Verlust von 10 Mio Fr. nach dem 1. Quartal 2010 bei einem Umsatz von über 1 Mrd Fr. ist unwesentlich vom Breake-even entfernt. Ich bin optimistisch, dass wir im Halbjahresergebnis in der Summe zumindest auf eine schwarze Null kommen.» Zuversichtlich stimmt ihn, dass die Buchungseingänge wieder auf dem Niveau wie vor der Aschewolke sind: «Die Faktendeuten darauf hin, dass wir im Mai und Juni ein vernünftiges Resultat einfliegen. Aber der April wird die Bilanz deutlich runterziehen. Das bedeutet, wir werden kein normales Quartalsergebnis haben.» Zusätzliche Belastungen erwarte er nicht, sofern die Situation bleibe, wie sie sei.

«In normalen Zeiten müsste die Swiss jeden Monat im Schnitt einen Gewinn von rund 25 Mio Fr. abwerfen», so der CEO der Swiss. «Jetzt sagen wir mal, der Mai und Juni sind halbnormale Monate, dann muss man trotz Aschewolke im April doch eine Stück weit von dem aufholen können, was im 1. Quartal 2010 verloren gegangen ist.» Dabei spielt ihm in die Hände, dass sich die Durchschnittserträge erholen: «Im Vergleich zu dem, was wir aus den Rekordjahren 2007 und 2008 kennen, sind sie nach wie vor sehr schwierig. Aber im Vergleich zu 2009 sind die Durchschnittserträge bereits im März wieder besser gewesen. Die Perspektive für den Mai und die folgenden Monate ist ebenfalls positiv, weil wir eine steigende Nachfrage aus der Schweiz und für die Business Class haben. Wir spüren eine Erholung am Markt.»

Kaum Raum für höhere Preise

Dazu kommt, dass im Heimmarkt Schweiz die Erhöhung der Treibstoffzuschläge Mitte Januar und die Anpassung der Ticketpreise Mitte Februar ab dem 2. Quartal 2010 ebenfalls etwas mehr Geld in die Kasse spülten. Den Verlust im 1. Quartal 2010 vermochten diese Korrekturen indes nicht zu dämpfen, weil sie dafür zu spät gekommen sind. Auf die Frage, wie es mit den vielen Aktionen weitergeht, antwortet Hohmeister: «Das hängt sehr vom Nachfrageverhalten ab. Das verbessert sich gerade. Daher gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Monaten weniger billige Tickets auf den Markt werfen müssen. Damit sollte sich auch die Umsatzstruktur verbessern.»

Weitere tarifliche Korrekturen schliesst Hohmeister zwar nicht aus, doch zum Niveau der Ticketpreise meint er: «Der Raum für Preiserhöhungen ist derzeit klein. Schliesslich ist der Preiswettbewerb ein wesentlicher Teil des Airline-Marketings, aus dem wir uns nicht verabschieden können. Daher werden wir preislich immer attraktiv bleiben.» Etwas anders klingt es bei den Treibstoffzuschlägen: «Je nachdem, in welche Richtung sich der Ölpreis bewegt, passen wir unsere Treibstoffzuschläge an.» Vorderhand kein Thema sind neue Kostensenkungen: «Derzeit haben wir neben den normalen, aber dennoch ambitionierten Sparzielen, die bei uns im Budget stehen, keine speziellen Kostensenkungsprogramme ausgerufen.»

San Francisco soll Geld abwerfen

Das neue Langstreckenziel San Francisco, das am 2. Juni 2010 aufgenommen wird, soll laut Hohmeister das Geschäft zusätzlich beflügeln. «Das bringt viel, weil wir so die letzte von drei Langstreckenmaschinen, die letztes Jahr kapazitätsseitig auf dem Boden gestanden haben, komplett reaktivieren.» Er fügt hinzu: «Das werden wir im Betriebsergebnis ab Juni sehen.» Daher sei er für die 2. Jahreshälfte optimistisch. Auch der Vorverkauf für San Francisco lasse sich gut an: «Wir hatten ja schon positive Erwartungen, die nun übertroffen wurden.»

Die Gründe für den plötzlichen Quartalsverlust

Erstmals seit dem 4. Quartal 2005 schreibt die Swiss im 1. Quartal 2010 einen Verlust. Was für Aussenstehende überraschend kommt, damit hat die Lufthansa-Tochter gerechnet, wie Harry Hohmeister, CEO der Swiss, ausführt: «Wir gingen bei der Planung für das 1. Quartal 2010 schon davon aus, dass der Ölpreis deutlich über dem liegen wird, was wir im 1. Quartal 2009 gesehen haben.» Die Differenz der beiden Quartalsergebnisse resultiere wesentlich aus der Differenz zwischen den Treibstoffpreisen.

Zudem musste man erwarten, dass es in der Business Class leerer werde, weil letztes Jahr Januar und Februar noch sehr gut gelaufen seien. «Die fehlenden Geschäftsreisenden haben zu weniger Umsätzen geführt», sagt Hohmeister. «Der dritte Faktor war in der Tat unerwartet: Die Währungsverschiebungen, vor allem zu Ungunsten des Euros. Das alles hat sich so kumuliert, dass wir einen leichten Verlust hinnehmen mussten.»

Dies trotz des Plus von fast 10% bei den Passagieren. Leider hat dieses Wachstum laut Hohmeister vor allem in der Economy Class stattgefunden. Er rechnet vor: «Wenn man nur schon die Umsatzstärken der Ticketpreise vergleicht, dann ergibt allein die schwächere Business-Class-Nachfrage im Interkontinentalverkehr erhebliche Umsatzverluste.»

Mehr Kunden, weniger Erlöse: Zu tiefe Preise? Hohmeister kontert: «Die steigende Auslastung beweist, dass unser Produkt wettbewerbsfähig ist. Doch die Durchschnittserträge stimmen nicht, da der Heimmarkt Schweiz ein Problem hatte und die Geschäftsreisendenanteile zu gering waren. Es hat aber auch damit zu tun, dass wir die fehlenden Schweizer kompensiert haben mit Passagieren aus dem europäischen Ausland -und die zahlen in Euro.»

Solche Kunden, die in der Schweiz umsteigen, fliegen scheinbar zu viel günstigeren Tarifen als Einheimische. «Das sind keine so nennenswerten Anteilsverlagerungen», relativiert Harry Hohmeister, «was uns wirklich zu schaffen machte, war das Fehlen der Business Class. Das wirkt sich viel mehr aus als die leicht gestiegenen Ströme im Umsteigeverkehr.»(ncb)