Die Regierungen der G20-Länder äussern sich sehr zufrieden über die Beschlüsse des Londoner Gipfels zur Reform des globalen Finanzsystems. Das Treffen habe den Durchbruch gebracht für eine lückenlose Regulierung und Kontrolle, sagte etwa Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Seine französische Kollegin Christine Lagarde hofft, dass die Massahmen besonders den angeschlagenen Schwellenländern helfen werden. Doch wie viel Kontrolle bringen strengere Finanzmarktregeln wirklich?

Das grosse Ziel der Europäer

Das Ziel der Kontinentaleuropäer stand schon seit Monaten im Raum: Alle Akteure, Instrumente und Märkte im Finanzwesen sollen künftig reguliert werden. Diese Formulierung findet sich nun auch in der Abschlusserklärung des G20-Gipfels wieder.

Sie zielt vor allem auf grosse Hedge-Fonds und auf Ratingagenturen ab, die sich künftig bei der Finanzaufsicht registrieren sollen. Ansonsten bleibt aber nebulös, wie die Leine aussehen soll, an die die Akteure gelegt werden sollen. Dies gilt besonders für die Hedge-Fonds, denen die Europäer eine zu hohe Verschuldung vorwerfen.

Erstens waren hoch regulierte Banken teilweise weitaus höher verschuldet. Zweitens sind Verschuldungsgrenzen oder Eigenkapitalvorschriften für die Fonds bisher nicht in Sicht. «Es wird Jahre dauern, überhaupt angemessene Regeln für Hedge-Fonds zu entwickeln», sagt Bankenprofessor Dirk Schiereck.

Und selbst wenn es entsprechende Vorschläge geben wird, bleibt höchst fraglich, ob sich Briten und Amerikaner darauf einlassen werden. «Im Zweifel ist denen die Rendite ihrer Finanzindustrie wichtiger», glaubt ein Experte, der die Finanzbranche jahrelang von hoher Stelle aus beobachtet hat. Die reine Registrierung der Fonds, warnt er, könnte sogar kontraproduktiv wirken: «Wenn die sich ein Gütesiegel der Aufsicht anheften, wird vielleicht so mancher Anleger das Nummernschild mit der Fahrtüchtigkeit des Autos verwechseln.»

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Fazit: Deutschland und Frankreich haben sich mit ihren Vorstellungen auf dem Papier durchgesetzt, ohne den Briten und Amerikanern wirklich wehzutun.

Aber kann ein Frühwarnsystem künftige Finanzkrisen erkennen? Die G20-Staaten wollen künftige Finanzkrisen früher kommen sehen. Deshalb sollen der IWF und das bisher eher lose organisierte Finanzstabilitätsforum (FSF) ein Frühwarnsystem errichten. Während diese Idee unter den europäischen Regierungschefs grossen Rückhalt hat, hatte US-Finanzminister Timothy Geithner jüngst gelästert, er glaube nicht an den rettenden Anruf, der ihn rechtzeitig vor der nächsten Krise warnt.

Bankenprofessor Dirk Schiereck von der TU Darmstadt hält es für «grundsätzlich sinnvoll, eine solche internationale Institution zu haben». Wie viel sie bewirken kann, hängt allerdings vor allem davon ab, wie sehr gerade die grossen Finanzplätze London und New York mitspielen. «Das funktioniert nur, wenn verschiedene Länder und Behörden gut zusammenarbeiten und ehrlich miteinander umgehen», sagen Beobachter.

Bisher zeige aber meist jeder nur auf die Probleme der anderen, statt die eigenen zu offenbaren. Dazu kommt, dass IWF und FSF bei Themen wie Bonuszahlungen zwar Empfehlungen geben, aber keine verbindlichen Vorgaben machen können.

Boni-Obergrenzen als Knacknuss

Ob sich gedeckelte Managergehälter wirklich durchsetzen lassen, bleibt indes offen. Nicht nur hierzulande, auch im Rest der Welt ist die hohe Bezahlung der Bank-Manager ein Reizthema. Vergütungssysteme, die Banker dazu verleitet haben, alle Vorsicht ausser Acht zu lassen, sollen deshalb geändert werden. Es werde neue Regeln für Bonuszahlungen geben, sagte der britische Premierminister Gordon Brown. «Es gibt künftig keine Belohnung mehr für Versagen.»

Bislang ist es in den meisten Ländern bei Lippenbekenntnissen geblieben. In Deutschland ist zwar das Gehalt von Bankern auf 500 000 Euro begrenzt worden, wenn das Geldhaus selbst auf Staatshilfe angewiesen ist. In den USA überlegt die Regierung, Boni mit 90% zu besteuern, wenn die Bank Steuergelder braucht. In anderen Ländern gibt es solche Regelungen nicht. International werden sich keine Obergrenzen vereinbaren lassen.