Das Wort Steuertransparenz hat im einstigen Schwarzgeld-Hafen Liechtenstein seinen Schrecken verloren. Auch ohne Geld von Steuersündern werden Banken in Liechtenstein und in der Schweiz in der Vermögensverwaltung die Nase vorne haben, wenn sie Faktoren wie politische Stabilität und den festen Franken ausspielen, sagte der Chef der grössten Bank des Fürstentums, Prinz Max von und zu Liechtenstein, im Gespräch mit Reuters in Zürich.

Den automatischen Informationsaustausch, über den die EU mit der Schweiz und Liechtenstein verhandeln will, sieht der Chef der LGT Group als Chance: «Wenn der automatische Informationsaustausch mit der EU kommt, wird das für uns die Möglichkeiten verbessern, Geld aus EU-Ländern anzuziehen - weil dann wieder rechtliche Sicherheit herrscht», sagte der Banker.

Nur sollten die neuen Regelungen möglichst bald kommen und nicht zu bürokratisch sein, forderte er. Im Rahmen des Informationsaustauschs würden die Banken Vermögen und Einnahmen ausländischer Kunden an die zuständigen Finanzämter melden, um der Steuerhinterziehung einen Riegel vorzuschieben. 

CD brachte Liechtenstein unter Druck

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Die im Besitz des Fürstenhauses stehende LGT bekam als eines der ersten alpenländischen Geldhäuser die härtere Gangart der Steuerbehörden in Deutschlnd und anderswo zu spüren: Eine CD mit gestohlenen LGT-Daten brachte 2008 die Steueraffäre um Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel ins Rollen. Reiche Kunden zogen daraufhin Geld aus Liechtenstein ab. Zu den ersten Betroffenen zu gehören, erwies sich nach den Worten des LGT-Chefs im Nachhinein als Vorteil. «Es ist wie so oft im Leben: Was einen nicht umbringt, macht einen stärker». 

Die Bank ersparte sich auch die Probleme, die Schweizer Banken derzeit mit der amerikanischen Justiz haben: Die USA werfen den Eidgenossen Beihilfe zu Steuerhinterziehung vor und fordert hohe Bussen. «Wir haben schon seit geraumer Zeit keine Privatkunden aus den USA mehr», sagte der seit 2006 amtierende LGT-Chef. Das Asset Management in den USA, eine Vermögensverwaltung für Pensionskassen und Versicherung, will die Bank dagegen ausbauen.

Der 44 Jahre alte Banker kennt den Markt. Nach einem Studium an der Harvard University verbrachte er seine Lehr- und Wanderjahre bei der amerikanischen Investmentbank JP Morgan in den USA, Grossbritannien und Deutschland. Dass reiche Kunden kurzfristig wieder einen Bogen um Liechtenstein machen könnten, wollte der LGT-Chef nicht ausschliessen.

Gut vom Schock erholt

Das geplatzte deutsch-schweizerische Abgeltungssteuer-Abkommen, an das sich das Fürstentum anhängen wollte, verschrecke viele Anleger ebenso wie die Ermittlungen der Amerikaner. «Grosse Kunden sind zurückgekommen. Aber kleinere befürchten sich verdächtig zu machen, wenn sie Post von einer Bank aus Liechtenstein oder der Schweiz bekommen», sagte er.

Vom Schock der Jahre 2008 und 2009 hat sich LGT erholt. Im vergangenen Jahr konnte die Fürstenbank bei reichen Kunden und institutionellen Anlegern deutlich mehr Geld einsammeln als die meisten Banken in der Schweiz, obwohl sie mit verwalteten Vermögen von rund 102 Milliarden Franken nicht zu den Giganten der Branche zählt. LGT schnitt deutlich besser ab als die kleineren heimischen Rivalen Liechtensteinische Landesbank (LLB) und VP Bank, die im letzten Jahr noch kleine Abflüsse zu verdauen hatten. Abschreiben sollte man die beiden Banken deswegen aber keinesfalls, so der LGT-Chef. «Die Leute konzentrieren sich oft auf die Bedrohungen, aber es gibt immer mehr Chancen als Bedrohungen».

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LGT hat ihren reichen Kunden eine Spezialität zu bieten: Die Fürstenfamilie, deren Vermögen auf etwa acht Milliarden Franken geschätzt wird, hat bei ihrer Bank im «Fürstlichen Portfolio» fast drei Milliarden angelegt. Kunden können ihr Geld nach den gleichen Strategien verwalten lassen wie das Fürstenhaus. Hier kommt ein Grundsatz zum Tragen, der dem Prinzen wichtig ist: «Wenn man Anlageentscheidungen in fremde Hände legt, sollte man das nur machen, wenn diese Person auch die eigene Haut zu Markte trägt», sagt er. Und: «In gewisser Weise bieten wir das unseren Kunden an». Wie viel Geld ein Kunde dafür mindestens anlegen muss, wollte der LGT-Chef nicht sagen.

(muv/reuters)