Die ersten Fragen lassen nicht lange auf sich warten: Kann ich das MBA-Studium berufsbegleitend absolvieren? Ist der Ablauf der zu besuchenden Bildungsmodule fix vorgegeben? Ist auch eine zweijährige Pause möglich? Albert Stähli, Rektor der Graduate School of Business Administration (GSBA) in Horgen ZH, weiss aus jahrzehntelanger Erfahrung, was Interessenten unter den Nägeln brennt.

An jenem Vormittag haben sich mehrere Aspiranten auf höheren MBA-Weihen an der ETH Zürich eingefunden und lassen sich bei Kuchen und Kaffee ins Bild setzen. Der Termin - 9. Februar 2009 - ist kein Zufall, denn die Informationsveranstaltung der GSBA ist eingebettet in deren 18. Zürcher MBA-Forum mit rund 500 Teilnehmern aus dem deutschsprachigen Europa (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 7 vom 11. Februar 2009).

Dass gerade Neueinsteigern angesichts immer zahlreicherer MBA-Angebote die Übersicht oft schwer fällt, liegt auf der Hand. Da kommen Informationsveranstaltungen wie gerufen, zumal sie die Broschüren und Internetauftritte sinnvoll abrunden, wirkliche Interaktion erlauben und eine erste Triage der in Frage kommenden MBA-Anbieter ermöglichen.

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So ist das auch beim Anlass der GSBA. Eine der Teilnehmerinnen möchte beispielsweise wissen, wodurch sich die Zürcher Business School von andern unterscheidet. Der Rektor erwähnt den hohen Praxisbezug des vermittelten Stof-fes und den raschen Wissenstransfer. Stähli präzisiert: «Wir verzichten auf vergangenheitsbezogene Fallstudien und praktizieren stattdessen die aktuelle Fallstudienmethode des Zurich Living Case.»

Sich selber richtig einschätzen

Wichtig ist für die Interessenten ihre eigene Standortbestimmung: Sind sie sattelfest in Englisch, mündlich und schriftlich? Verfügen sie über ausreichendes wirtschaftliches Know-how? Genügt ihre Führungserfahrung den Anforderungen des gewählten Programms? Wenn sie einmal diese Einschätzung vorgenommen haben, kommt der Abgleich mit den in Frage kommenden MBA-Lehrgängen. Dabei geht es unter anderem um Fachkenntnisse, die Gruppendynamik sowie um die Frage, ob die ins Auge gefassten Anbieter vorgängig ein Abklärungs-Assessment durchführen.

Auch der Prozessablauf ist von Interesse. Dabei stellen sich folgende Fragen: Wie ist das Curriculum aufgebaut? Gibt es Vorbereitungen (Prereading/Pretesting) zu Hause, damit man die Lektionen rechtzeitig kennt, oder kommt es zu Kaltstarts? Arbeitet man rein theoretisch mit historischen Fallstudien oder mit Beispielen, die aktuelle Strategieentscheide betreffen und die Studienteilnehmer in die Lösungsfindung einbeziehen? Beinhaltet der MBA-Kurs auch den Besuch von Firmen und den Kontakt mit der Geschäftsleitung, oder wird man auf die unteren Etagen verwiesen? Wie präsentiert sich der Studienort - verfügt er über moderne Infrastruktur, ein modernes IT-Angebot und reflektiert er den weltoffenen Geist der globalisierten Wirtschaft? Und letztlich: Erhalten die Absolventen die Bücher zugeschickt oder müssen sie diese selber kaufen?

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«Wie werden meine Kenntnisse und Lernfortschritte geprüft», ist eine weitere Frage, die sich die Interessenten stellen. Dies kann als Individual- oder Gruppenprüfungen erfolgen. Zu fragen ist auch, ob die Absolventen Gruppenarbeiten abliefern oder als Einzelkämpfer agieren. Ganz wesentlich: Wird zum Studienende eine Thesis erstellt oder nicht? Falls ja: Helfen Tutoren oder Professoren, wenn man Auskünfte braucht?

Die Zusammensetzung der Fakultät sagt viel aus über deren Qualität. Unterrichten weltweit fokussierte Professoren, die auch forschen und publizieren - oder handelt es sich bei den Dozenten einfach um Consultants, die nebenbei etwas Geld verdienen wollen, aber keine akademischen Meriten aufweisen? Finden Module im In- und Ausland statt? Schliesslich interessieren jene Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die hinter den verschiedenen MBA-Anbietern stehen und für deren Seriosität garantieren. Hearings, Kongresse, Roadshows, Testimonials und Referenzen gehören zum Leistungsausweis jedes ernst zu nehmenden Anbieters.

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Dass der Ruf der Schule über den Marktwert des von ihr verliehenen MBA-Diploms entscheidet, ist mehr als einleuchtend. Deshalb müssen sich Interessenten umhören und sich nach Rankings, Akkreditierungen und Awards erkundigen, die entweder der Schule oder deren Exponenten verliehen wurden. Wer verleiht das Diplom, gibt es eines oder zwei (Dual Degree)? Sind die Kurse akkreditiert, zertifiziert bzw. validiert?

Probe aufs Exempel machen

Geeignet für eine neutrale Nagelprobe sind zudem Alumni-Vereinigungen, deren Vertreter man über ihre Studienerfahrungen und -erfolge befragen kann. Empfehlenswert sind ferner die Teilnahme an einzelnen Unterrichtsstunden und der freie Meinungsaustausch mit Studenten. Zum Schluss: Hat die betreffende Business School renommierte und erfolgreiche Manager hervorgebracht? Hier scheidet sich die Spreu vom Weizen. «Und das ist auch gut so», meint eine der Teilnehmerinnen des Anlasses der GSBA an der ETH.

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