Wäre die Geschichte von Bombardier ein Liebesfilm aus Hollywood, dann wäre jetzt der Moment für die Grossaufnahme der beiden Protagonisten, bevor sie sich küssen. Kurz zuvor hat die Geschichte noch einmal einen Schlenker gemacht, der die Zuschauer bangen lässt. Bekommen sie sich doch nicht, die Hauptdarsteller, trotz all der Stolperfallen und Hindernissen, die sie bereits überwunden hatten?

Doch, sie bekommen sich. Ab 2016 wird Bombardier seine Flieger an die Swiss liefern, der Flughafen Zürich plant sogar extra für die Mittelstreckenflugzeuge die Stellplätze um, da sie mehr Platz brauchen als ihre Vorgänger. Eine Stippvisite ist für heute schon geplant, der CS-100 wird von der weltgrössten Flugschau in Paris nach Zürich fliegen und das erste Mal auf einem zivilen Flugplatz landen. Die Harmonie zeigt: Auch die Luftfahrt, in der knallhart kalkuliert wird, kennt so etwas wie den Glanz Hollywoods.

Zunächst fanden sich keine Abnehmer

Denn so liest sich auch der Rest der Geschichte: Als Bombardier die C-Serie entwickelte, wagte sie sich aus der Komfortzone. Bis dato produzierte der drittgrösste Hersteller der Welt nur Flugzeuge, die maximal 90 Passagiere transportieren konnten. Die Entscheidung, Passagierflieger für die Mittelstrecke zu bauen, war im hartumkämpften Business also mindestens mutig. Der Mut wurde eiskalt quittiert: Kein einziger Abnehmer wollte bestellen. Zunächst hatten die Kanadier sogar Probleme, einen Motorenlieferanten zu finden. Bombardier legte das Projekt auf Eis.

Bis 2009 die Lufthansa orderte, 30 Flieger für die Tochter Swiss. Die Bestellung rief das Vorhaben zurück ins Leben – und schuf einen Konkurrenten für Airbus und Boeing im Geschäft mit Mittelstreckenfliegern. Doch – ganz wie im Film – bevor die CS-100 ihre majestätische Landung in Zürich planen konnte, galt es, viele Hürden zu überwinden.

Die Swiss zauderte und zögerte

Die Flugzeugbauer von Bombardier entpuppten sich als Luftikusse, auf deren Bekenntnis wenig Verlass war. Wieder und wieder schoben die Kanadier den Liefertermin hinaus. Ursprünglich sollte es 2013 soweit sein, doch zu der Zeit bereitete sich Bombardier gerade mal auf den Jungfernflug vor.

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Die Swiss auf der anderen Seite hatte die Flieger als Erste bestellt, doch zauderte auch sie, wollte erst einmal eine andere Fluggesellschaft mit den Bombardier-Fliegern in die Luft gehen sehen. Erst im Februar dieses Jahres stimmte sie doch zu, Erstbetreiberin zu sein.

Präsentation an der Luftschau in Paris

So ist es nun Zeit für das Happy End. Bombardier hat seine zwei C-Flieger an der weltgrössten Luftschau in Paris vorgestellt: Der CS-100 für 100 bis 149 Passagiere und der CS 300 für bis zu 160 Passagiere. Die schicken Flieger – einer davon im Swiss-Design – finden Beachtung beim Publikum.

Und Swiss-Chef Harry Hohmeister soll geradezu ins Schwärmen geraten, wenn er von der leisen Maschine spricht, die ein Viertel weniger Sprit verbraucht als Konkurrenzmaschinen. Und es bleibt auch nicht bei Worten: Die Swiss bewies Vertrauen und wandelt einen Teil der CS-100-Order um in die Bestellung  der grösseren CS-300. Die Option auf weitere Bestellungen von grösseren Maschinen hält Hohmeister sich offen. Wenn Bombardier diese auf den Markt bringt.