Der Schweizer Immobilienmarkt erweist sich als wahres Bollwerk im weltweiten Abschwung. Nicht nur hat er sich besser gehalten als die Märkte in den Nachbarländern - gerade im Bereich Wohneigentum treibt heute ein regelrechter Run auf die als krisensicher geltenden Liegenschaften die Preise. Und in den Alpen planen russische und arabische Investoren weiterhin riesige Ferien-Resorts. Trotzdem mag bei Branchenkennern jetzt keine Festtagslaune aufkommen. So bei Michael Müller, CEO der neu zur Immobiliengesellschaft gewandelten Jelmoli. «B- und C-Lagen werden stärker von Abschwung und Mietveränderungen betroffen sein», sagt Müller zum bereits unter Druck gekommenen Markt für Verkaufsflächen. Der Krise trotzen dürften hingegen nur die besten Standorte. Müller: «An der Bahnhofstrasse denken die Mieter über den aktuellen Abschwung hinaus.»

Jelmoli reagiert jetzt und stösst einen Teil ihrer Nebenlagen ab. Ausserdem werden einzelne Projekte auf Eis gelegt. Wie bei den Verkaufsflächen spüren auch die Preise von Büroimmobilien die Rezession direkt. Liegenschaftsbesitzer müssen deshalb auch hier reagieren.

Kostspieliges Nichtwissen

Die Immobiliengesellschaft Züblin etwa überprüft derzeit ihr ganzes Portefeuille und trimmt die Bauten künftig auf Nachhaltigkeit. Die Messlatte wird dabei hoch angesetzt - so soll die Energieeffizienz am Sitz der Kriminalpolizei Genf um 80% gesteigert werden. Solche Massnahmen, so die Hoffnung der Branche, sollen helfen, auch in der Rezession die Werte hoch zu halten.

Dem Wert widmet sich denn auch eine Leseraktion (Seite 47), welche die «Handelszeitung» gemeinsam mit dem Informations- und Ausbildungszentrum für Immobilien IAZI durchführt. Abonnenten der «Handelszeitung» können ihr Wohneigentum hier zum Vorzugspreis schätzen lassen. Die dabei angewandte hedonische Methode gilt als Standard bei Banken und Versicherungen und kann deshalb als Grundlage für Verhandlungen um einen Hypothekarkredit verwendet werden. Im Run auf Wohnimmobilien gibt dies den Käufern zudem eine verlässliche Möglichkeit, den Marktwert eines Objeks zu überprüfen. Und wer schon eine Immobilie besitzt, ist mit einer Bewertung ebenfalls gut beraten. «Die meisten Wohneigentümer haben den grössten Teil ihres Vermögens in die Immobilie gesteckt, wissen aber oft nicht, was heute deren Wert ist», sagt Donato Scognamiglio, Geschäftsführer IAZI. In diesen Zeiten ein möglicherweise kostspieliges Versäumnis.

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