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Was von der UBS zu erwarten ist

Wie fest sitzt er im Sattel? UBS-Chef Sergio Ermotti. (Bild: Keystone)

Die Finanzwelt blickt gespannt auf die UBS. Die Grossbank präsentiert am Dienstag Quartalszahlen, vor allem aber werden Nachrichten zum Konzernumbau erwartet - und der könnte einschneidend sein. Lesen

Veröffentlicht am 29.10.2012

KONZERNUMBAU: Nach jüngsten Medienberichten könnte die UBS am Dienstag einen radikalen Schritt ankünden und ihre Investmentbank quasi zerschlagen. Es käme somit zu einer starken Gewichtsverschiebung hin zum Vermögensverwaltungsgeschäft, wie es von verschiedener Seite in den letzten Jahren immer wieder gefordert wurde. Die UBS könnte mit einem solchen Schritt auch eine klare Vorreiterin der Branche werden. Sollten ein solche Ankündigung tatsächlich kommen, dürften die eigentlichen Gewinnzahlen für das dritte Quartal in den Hintergrund rücken.

Laut Berichten der britischen «Financial Times» und der US-Nachrichtenagentur Bloomberg vom Wochenende wird die UBS ihre Investmentbank in den nächsten Jahren massiv verkleinern. Dies könnte zu einem Abbau von weltweit rund 10'000 der (per Mitte 2012) gut 63'500 Stellen führen (Investmentbank allein: 16'400) dies vor allem in London und New York.

Andere Beobachter meinen, 10'000 Stellen seien vermutlich etwas zu hoch gegriffen, die Zahl dürfte sich eher im Bereich von 4000 bis 5000 bewegen. Denn immerhin habe die UBS seit dem Höhepunkt im Jahr 2007 bereits rund 20'000 Stellen abgebaut.

Laut den Presseberichten soll die Investmentbank aufgeteilt werden in einen Kern mit etwa Aktienhandel und Devisengeschäft sowie in eine Einheit mit Geschäften, die aufgegeben werden sollen. Diese Einheit soll von Carsten Kengeter, Co-CEO der Investmentbank geführt, während der fortgeführte Teil vom Ermotti-Vertrauensmann Andrea Orcel geleitet würde.

Aufgrund der Schrumpfung der Investmentbank könnten auch die sogenannten risikogewichteten Aktiven weiter heruntergeschraubt werden. Laut der Zeitung könnte eine weitere Reduktion um 120 Milliarden Franken erfolgen.

MANAGEMENT: Anfang Oktober war in der Presse viel über einen Machtkampf bei der UBS spekuliert worden. CEO Sergio Ermotti stehe intern unter Druck, war dabei der Tenor. Es tobten Machtkämpfe und die Position des Tessiners Ermotti sei nicht gefestigt, schrieb etwa die Agentur Reuters.

Insbesondere würden die beiden Geschäftsleitungsmitglieder Jürg Zeltner und Lukas Gähwiler intern Kritik am CEO üben. Auch laufe ihm der neue VR-Präsident Axel Weber den Rang ab, was die öffentliche Wahrnehmung und die Präsenz anbelange.

Ob die nun erwartete Refokussierung des Geschäftes vor allem auf das Wealth Management von Ermotti initiiert wurde und er sich damit als klarer Leader etablieren kann, oder ob sie ihm vielmehr vom Verwaltungsrat aufgezwungen wurde und seine Rolle damit eher geschwächt wäre, ist zurzeit noch nicht so klar, dürfte sich aber sicher bald zeigen.

ZAHLEN: Wie die Ergebnisse der US-Konkurrenten und der Credit Suisse gezeigt haben, wurden im Investmentbanking im dritten Quartal (relativ) gute Ergebnisse erzielt. Dies jedoch vor allem im Fixed-Income-Handel, der bekanntlich nicht zu den Stärken der UBS gehört, wie etwa die ZKB in einem Kommentar schreibt. Weniger gut waren die Ergebnisse aufgrund der Passivität von Investoren etwa im Aktienhandel. Dort hat beispielsweise die CS ein Minus von über 10 Prozent einstecken müssen.

Der Broker Kepler etwa äussert sich für die UBS sehr pessimistisch. Die Bank verkleinere ihr Investment Banking stark und verliere daher in allen Bereichen Marktanteile. Es würde daher überraschen, wenn die Bank vom relativ guten Umfeld im dritten Quartal profitiert hätte.

Aufgrund der schwierigen Lage an den Finanzmärkten verbunden mit mangelnder Kundenaktivität sind auch die Ergebnisse im Wealth Management, der UBS-Paradedisziplin, unter Druck. Konkurrentin CS etwa musste im Quartal einen deutlichen Rückgang der Bruttomarge hinnehmen.

Bei der UBS war diese bereits im zweiten Quartal wegen der ausbleibenden Aufträge um 4 auf 89 Basispunkte (Q1: +2 BP) gefallen und könnte entsprechend noch weiter gesunken sein. Im ersten Halbjahr waren es 91 BP und damit ebenfalls klar weniger als angestrebt (95-105).

(tno/rcv/awp)

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