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Was von Sika zu erwarten ist

Sika in Düdingen: Die Fronten scheinen verhärtet. Keystone

Mitten im Übernahmekampf veröffentlicht Sika am Freitag das Geschäftsergebnis 2014. Sehen Sie hier, was die Analysten vom Bauchemie- und Klebstoffhersteller erwarten.

Veröffentlicht am 26.02.2015

Auch wenn seit dem 8. Dezember nichts mehr gleich ist in der zuvor jahrelangen stabilen Sika-Welt - das operative Geschäft ist unterdessen unverändert weitergegangen. Und Analysten trauen dem Unternehmen trotz einer sehr hohen Vergleichsbasis weitere Gewinnsteigerungen zu. Kein Wunder, hatte doch Sika Ende Januar bei Vorlage der Umsatzzahlen 2014 ein Betriebsergebnis auf Stufe Ebit von über 600 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Zum Vergleich: 2013 lag der Ebit bei 523,5 Millionen.

Doch die operative Leistung Sikas steht derzeit natürlich im Schatten der «Causa Saint-Gobain» (siehe PRO MEMORIA). Die Unsicherheit rund um die bevorstehende Übernahme der Kontrollmehrheit durch die Franzosen prägt das Geschehen und jeder Kommentar von Seiten des Unternehmens, der zu einer Klärung der Situation beitragen könnte, wäre natürlich sehr willkommen.

Die Fronten scheinen verhärtet und der Fall ist inzwischen definitiv ein Fall für die Juristen und die Gerichte. Experten schätzen, dass die die Sache etwa zwei bis drei Jahre hinziehen wird. Stellt sich die Frage, wie und in welchem Ausmass die Turbulenzen Sika gelähmt haben und auch in Zukunft lähmen werden. Analysten fragen sich auch, ob Übernahmeaktivitäten durch Sika selbst tangiert sind, gehört dies doch zur Wachstumsstrategie des Unternehmens.

Weiter erwartet werden Aussagen zu den Auswirkungen des «Frankenschocks» auf die Bilanz des Innerschweizer Konzerns.

ZIELE: Sika stellte wie erwähnt Ende Januar für 2014 einen Ebit von über 600 Millionen Franken in Aussicht. Sinkende Ölpreise und damit tiefere Inputkosten dürften die Profitabilität im laufenden Jahr weiter erhöhen; entsprechend rechnen Analysten mit einem zuversichtlichen Ausblick für 2015. Analysten zufolge stammen bei Sika 70 Prozent der Materialkosten aus Erdöl-Derivaten.

Dementsprechend dürfte Sika auch seine Ziele der «Strategie 2018» bekräftigen: Diese sehen ein jährliches Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent in Lokalwährungen, eine EBIT-Marge von nachhaltig mehr als 10% und einen operativen freien Geldfluss von über 6 Prozent vor.

PRO MEMORIA: Der Paukenschlag ertönte am frühen Morgen des 8. Dezembers 2014: Die Erben des Firmengründers Kaspar Winkler ziehen sich kurz nach dem 100-Jahre-Jubiläum aus dem Unternehmen zurück und verkaufen ihre Stimmenmehrheit an den französischen Bauriesen Saint-Gobain. Die Drittaktionäre gehen hingegen leer aus. Der unabhängige Verwaltungsrat und das Management von Sika drohten mit dem Rücktritt. Seither tobt das Gefecht.

Das Scharmützel ist im vollen Gange und beide Seiten scheuen keinen Aufwand, die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu ziehen. Die Auseinandersetzung gipfelte zuletzt in dem Schritt des Verwaltungsrates, die Stimmrechte der Schenker-Winkler Holding (SWH), respektive den Erben der Gründerfamilie Burkard, auf die statutarische 5 Prozent-Grenze zu beschränken.

Hintergrund: Die SHW könnte somit keine ausserordentliche Generalversammlung einberufen. Vorgesehen war die Abberufung der unabhängigen Verwaltungsräte, die sich gegen den Deal mit Saint-Gobain wehren. Das offensichtliche Kalkül: Die Stimmrechtsbeschränkung gilt in Zukunft auch für Saint-Gobain, den vermeintlich künftigen Eigner der Kontrollmehrheit. Dieser könnte dann Sika nicht voll konsolidieren und keine Mehrheit im Verwaltungsrat stellen.

Der Ball liegt jetzt erst einmal beim Kantonsgericht Zug. Dieses hat zuletzt einen superprovisorischen Antrag der Gründerfamilie auf Aufhebung der Stimmrechtsbeschränkung abgelehnt. Das Gericht will zuerst beide Seiten anhören. Wie auch immer die Richter entscheiden: Ein Weiterzug an die nächsthöhere Instanz scheint sicher.

Auch die Schweizer Übernahmekommission ist im Spiel: Die Familienholding beantragt, das Amt solle feststellen, dass der Verkauf der Aktien an Saint-Gobain den französischen Konzern nicht verpflichte, den Publikumsaktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zu unterbreiten.

AKTIENKURS: Dieser korreliert seit knapp drei Monaten von den Entwicklungen und Aussagen im Fall Saint-Gobain. Während sich die Sika-Erben den Verkauf ihres Aktienpakets mit einer Prämie von rund 80 Prozent vergolden liessen, gehen die Drittaktionäre gehen leer aus. Entsprechend sackten die Papiere letzten Dezember innert zweier Tage um bis zu 32 Prozent ab.

Vom Tief bei 2640 Franken haben sich die Inhaberpapiere mittlerweile zwar um gut 20 Prozent erholt, vom «Vor Saint-Gobain»-Schlusskurs bei 3886 Franken liegen sie mit aktuell 3258 Franken aber immer noch meilenweit entfernt.

(awp/tno/gku)

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