Der Versicherungskonzern Zurich Financial Services überrascht: Trotz der Finanzkrise meisterte die Zurich das letzte Geschäftsjahr mit Bravour, steigerte den Gewinn auf 3,2 Mrd Dollar, will die Dividende von 11 auf 16 Fr. erhöhen - und schlägt mit einem personellen Paukenschlag gleich noch den Spitzenbanker Josef Ackermann für den Verwaltungsrat vor.

Ackermann im Gespräch

Um den Chef der Deutschen Bank, der das Finanzinstitut ohne Staatshilfe durch die Bankenkrise führte, rankten sich in den letzten beiden Jahren immer wieder Gerüchte. Als die US-amerikanischen und die Schweizer Grossbanken bedrohlich wankten und nur mit milliardenschweren Finanzspritzen gerettet werden konnten, tauchte der Name Ackermann als Retter in der Not auf - zuletzt als möglicher Nachfolger von UBS-Präsident Peter Kurer. Doch der sonst so redselige Ackermann setzte sein freundliches Pokerface auf, verlängerte seinen Vertrag mit der Deutschen Bank bis 2013 - und hat sich nun für ein VR-Mandat bei einem Versicherer entschieden.

Nebengeräusche vermieden

Das wirft die Frage auf, ob der Zurich-Verwaltungsrat den Weg für die Nachfolge des derzeitigen Präsidenten Manfred Gentz ebnet. Abwegig ist dieser Gedanke, der in Finanzkreisen diskutiert wird, nicht. Der Zurich-Präsident Gentz, Jahrgang 1942, wurde im April 2005 ins Präsidium gewählt. Seine Amtszeit dauert noch bis 2011. Überdies stellt sich Vizepräsident Philippe Pidoux an der GV vom 30. März nicht mehr zur Wiederwahl.

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Der diskrete und medienscheue Gentz, der vor dem Zurich-Präsidium langjähriger Finanzchef des vormaligen Stuttgarter Daimler-Chrysler-Konzerns war, hat seine Aufgaben beim Versicherer hervorragend gelöst. Zum einen gehört der Konzern dank den operativen Leistungen zu den Krisengewinnern. Zum anderen ist die Nachfolge von James Schiro geglückt, der Ende 2009 als Zurich-CEO zurücktrat. Das zweijährige Auswahlverfahren, aus dem Martin Senn als neuer Konzernchef hervorging, verlief ohne Nebengeräusche.

Enge Beziehungen zu Zürich

Bei der Zurich ist man begeistert, dass der 61-jährige Ackermann neu dazustösst. Ackermanns Beziehungen zum Versicherer gehen auf Rolf Hüppi zurück, der von 1991 (als Nachfolger Fritz Gerbers) bis 2002 den Versicherer führte. Seit drei Jahren ist Ackermann Mitglied im hochkarätig besetzten International Advisory Council der Zurich Financial Services Group. Zudem vertreibt die Deutsche Bank Lebensprodukte der Zurich. Ackermann kennt den Konzern also bereits seit langem.

Für Zurich ist Ackermann ein Gewinn. Erstens ist sein Beziehungsnetz als Deutschlands wichtigster Banker in Politik und Wirtschaft immens. Zweitens werden die Regulationen auch in der Versicherungswirtschaft zunehmen, und Ackermann ist als Banker mit dieser Problematik bestens vertraut. Und drittens ist Ackermann krisenerprobt: Auseinandersetzungen mit dem politischen Establishment, der Kanzlerin Angela Merkel, den Gerichten und der aufgebrachten Öffentlichkeit hat er jeweils für sich entschieden, und zwar stets mit einem Lachen.